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Olympia 2016
Die russische Frauen-Staffel über 4x100 Meter mit Jewgenia Poljakowa (l-r), Alexandra Fedoriwa, Julia Guschtschina und Julia Tschermoschanskaja.

Die russische Frauen-Staffel über 4x100 Meter mit Jewgenia Poljakowa (l-r), Alexandra Fedoriwa, Julia Guschtschina und Julia Tschermoschanskaja. © Kerim Okten

Olympia

IOC erkennt russischer Frauen-Staffel Gold von 2008 ab

Das IOC hat Erfolg mit den Nachtests von Dopingproben der Olympischen Spiele 2008 in Peking und 2012 in London. Jetzt hat es nachträglich eine russische Leichtathletik-Gold-Staffel erwischt.

Rio de Janeiro. Der russischen 4x100-Meter-Staffel der Frauen ist die Goldmedaille von den olympischen Leichtathletik-Wettbewerben 2008 in Peking aberkannt worden.

Wie das Internationale Olympische Komitee (IOC) am 16. August in Rio de Janeiro mitteilte, ist Julia Tschermoschanskaja bei Nachtests positiv auf Anabolika getestet worden. Zur Staffel gehörten noch Jewgenia Poljakowa, Alexandra Fedoriwa und Julia Guschtschina, die alle ihre Goldmedaillen zurückgeben müssen.

Neuer Olympiasieger ist die Staffel aus Belgien, Silber geht an Nigeria und Bronze an Brasilien. Deutschland rückt in der Wertung von Platz fünf auf vier vor. Das IOC hatte von den Sommerspielen in Peking und London 2012 insgesamt 1243 Proben nachgetestet. Insgesamt waren bislang 98 Proben nachträglich positiv.

Nach Angaben des IOC schrieb Tschermoschanskaja zu ihrer Verteidigung, dass sie damals nicht gewusst habe, was sie vom Teamarzt verschrieben bekommen hatte. "Sie argumentierte, immer an Fairness im Sport geglaubt zu haben", hieß es weiter. "Sie erklärte mehrmals, vor den Olympischen Spielen 2008 Dopingkontrollen gemacht zu haben, im Training und nach den Wettkämpfen, keine habe etwas Falsches ergeben." Im Mai 2008 habe sie sich verletzt und während der Behandlung Spritzen bekommen, so dass sie sich noch für die Peking-Spiele habe qualifizieren können.

Die bei Tschermoschanskaja nachgewiesenen Anabolika Turinabol und Stanozolol waren verbreitet - auch in der DDR. Prominentester Fall mit Stanozolol-Missbrauch ist bis heute der des Sprinters Ben Johnson. Der Kanadier hatte 1988 in Seoul das Finale über 100 Meter in der Weltrekordzeit von 9,79 Sekunden gewonnen. Wenige Stunden später wurde ihm die Goldmedaille wegen Dopings wieder aberkannt. Lebenslang gesperrt worden war er 1993, als ihm zum zweiten Mal Doping nachgewiesen worden war.

Bei den Sommerspielen in Rio de Janeiro darf in der Leichtathletik aus Russland nur die Weitspringerin Darja Klischina antreten. Sie musste sich die kurzfristig vom Weltverband IAAF aberkannte Starterlaubnis vor dem Internationalen Sportgerichtshof CAS wieder einklagen.

Die IAAF hatte die russischen Leichtathleten auf Grundlage des sogenannten Pound-Berichts für internationale Wettkämpfe und damit auch für die Rio-Spiele gesperrt. Der unabhängige Ermittler Richard Pound hatte in diesem Bericht Beweise für systematisches Doping in der russischen Leichtathletik zusammengetragen.

Überhaupt gibt es während der Rio-Spiele eine scharfe Debatte, ob eine russische Mannschaft hätte antreten dürfen. Auslöser war der sogenannte McLaren-Report des unabhängigen Ermittlers Richard McLaren. Er trug Beweise zusammen, dass bei den Olympischen Winterspielen 2014 in Sotschi systematisches, vom russischen Staat gedecktes Doping betrieben worden war. McLaren hatte den Bericht für die Welt-Anti-Doping-Agentur verfasst. Aus der WADA kam daraufhin die Empfehlung an das IOC, die Mannschaft Russlands komplett auszuschließen. Das lehnte die IOC-Spitze um Präsident Thomas Bach ab und erntet dafür weiter Kritik.

dpa


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