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© Joachim Sielski

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Wedemark Scorpions

So geht Eishockey mit einer Hand

Scott Stafford nimmt den Pass von Mitspieler Michael Budd an - spielt den Puck zurück, dreht eine Runde um ein Hütchen. Der nächste Pass, das nächste Hütchen.

Mellendorf. Als der Puck das dritte Mal an seinem Schläger landet, macht Stafford zwei, drei Schritte aufs Tor zu und versenkt die Scheibe oben rechts im Eck. Eine ganz gewöhnliche Eishockey-Übung. Das einzig Ungewöhnliche: Stafford, ganz neu bei den Wedemark Scorpions, hat nur eine Hand. Die linke fehlt ihm seit seiner Geburt.

Aber wie jeder kanadische Junge wollte er Eishockey spielen: „Mein Vater hat dafür nach einer Lösung gesucht.“ Seitdem wickelt der Stürmer sein Trikot um das obere Ende des Schlägers und fixiert es mit Klebeband. So kann der 24-Jährige ohne Prothese (die trägt er auch sonst nicht, nur zum Gewichteheben im Kraftraum) die Scheibe passen und schießen. Er hält den Schläger zwar in einem leicht anderen Winkel, als Spieler mit zwei Händen das tun, ansonsten ist er aber nicht eingeschränkt: „Ich kenne es ja gar nicht anders.“ Er hat sogar einen leichten Vorteil: „Die Torhüter können den Schaft des Schlägers nicht sehen. Deshalb wissen sie nicht genau, wohin ich schieße.“

Sein neuer Trainer Fiete Bögelsack ist begeistert: „Wie er das mit einer Hand macht - absolut klasse!“ Zudem sei Stafford läuferisch gut und habe einen starken Antritt. Heute beim Derby gegen die Indians am Pferdeturm ist er als Center der zweiten Reihe eingeplant.

Er sei „ziemlich beeindruckt“ vom Niveau seiner Mitspieler, sagt Stafford. Das Tempo sei höher als bei seinem vorherigen Klub, den Dundas Real McCoys in Kanada. In den vergangenen vier Saisons stand er 75-mal für die Mannschaft auf dem Eis (25 Tore, 32 Assists). Mit dem Team gewann er in der letzten Spielzeit den Allan Cup als Amateurmeister im Seniorenbereich. Stafford hat keine Sorgen, dass er das Tempo in der Oberliga nicht mitgehen kann.

Er sei ein guter Schlittschuhläufer. Eine Konsequenz aus seiner Behinderung: „Ich wollte immer einer der schnellsten, agilsten Spieler sein.“ Damit konnte er sich als Junge gegen Spieler durchsetzen, die kräftiger waren als er. Zu der Zeit, als Stafford zu jung für Krafttraining war und sich körperlich schwer behaupten konnte.

Der ungewöhnliche Transfer zu den Scorpions kam über Mark Jooris zustande. Den kennt Manager Eric Haselbacher noch aus gemeinsamen DEL-Zeiten. Zuletzt spielte er zusammen mit Stafford bei den Real McCoys. Die Wedemärker wollten noch einen Spieler verpflichten. Haselbacher ließ seine Kontakte spielen und sprach mit Jooris. „Er sagte zu mir: Wir haben einen Guten. Aber er hat nur eine Hand“, so Haselbacher. Die Scorpions griffen trotzdem zu - auch, weil Stürmer Michael Budd Stafford aus dem Sommertraining kannte und empfahl.

Staffords Ziele: „Ich will der Mannschaft helfen, ein paar Spiele zu gewinnen.“ Und im besten Fall einen Vertrag in Deutschland für die kommende Saison bekommen.


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