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Entspannt: Meister-Trainer Hans Zach am Maschsee.© Petrow

NP-Interview

Scorpions-Trainer Zach: "Meine schönste Meisterschaft"

Nach vier Jahren ist Schluss: Scorpions-Trainer Hans Zach (61) beendet seine Karriere. Im NP-Interview blickt der Bayer noch einmal zurück, aber auch voraus. Zach über die netten Leute in Hannover, die Scorpions und den Tölzer Knabenchor.

VON SIMON LANGE, TIM BURCHARDT UND JONAS FREIER

Herr Zach, wie haben Ihnen die vier Jahre in Norddeutschland gefallen?

Sehr gut, sehr gut. Das war genau das Richtige nach Düsseldorf, Kassel, Köln. 19 Jahre bei vier Vereinen. Aber Hannover war sehr, sehr schön. Und letztlich sind die Spieler belohnt worden, die haben die ganze Zeit voll mitgezogen. Auch die Fans, die dankbar waren für den Einsatz, den die Mannschaft immer gebracht hat. Trotz der zweitschlechtesten Heimbilanz in der Hauptrunde.

Was hat Ihnen in Hannover am meisten gefallen?

Die Leute! Ich habs allen gesagt. Der Rheinländer, der Kölner, Düsseldorfer ist gern überheblich. Gern von oben herab. Die Bayern sind verbittert. Die Augsburger, Ingolstädter, Nürnberger, Tölzer, Füssener reden immer über früher. Hannoveraner sind nett und herzlich. Ich sehe das auch bei uns in der Nachbarschaft. Da haben sie ein DIN-4-Blatt beschrieben, dass ich oft an die Kohnestraße denken soll. 

Spüren Sie schon Wehmut?

Naa! Ich bin ein Profi. Als Privatmensch bin ich auch kein Halodri. Alles ist geplant, was zu tun ist in Bad Tölz, was mit der Wohnung zu machen ist. Dann gehts weiter, es muss alles passen. Ich bin akribisch. Ein ganz einfacher Mensch. Aber ich weiß immer genau, wo meine Sachen liegen. Ich kann nach Tölz fahren und sagen, was im Schrank rechts vorne, was rechts hinten liegt. Ich weiß genau, wo es liegt.

Haben Sie bei ihren Spielern darauf auch Wert gelegt?

Naa! Wert habe ich auf den Zusammenhalt gelegt, auf die Selbstverantwortung. Wenn einer meint, er muss die Nacht durchmachen, kann er das machen. Aber dann muss er am nächsten Tag vor seinen Kameraden in den Spiegel schauen. Und dann sagen: Da habe ich meine Truppe hängen lassen. Wenn er sich selbst hängen lässt ist das sein Problem. Aber wenn er die Truppe hängen lässt...

Und bald gehts mit dem Rad durch Deutschland?

Ja, am 10. Juni ist der Start, von Sylt bis runter nach Oberstdorf, das ist der südlichste Punkt und dann nach Bad Tölz wieder – zehn Tage lang. Einen Wagen haben wir dabei, wo das Radel reingeht, Getränke und so weiter, Ersatzräder auch. Die erste Tour nach der ersten Meisterschaft mit Düsseldorf war von Düsseldorf nach Bad Tölz, die zweite von Tölz nach Düsseldorf. Die dritte von Tölz nach Engelberg. Da haben wir immer unser Trainingslager mit Düsseldorf gehabt. Manche fahren nach Italien oder nach Mallorca. Aber wenns Berge willst, brauchst nur in den Westerwald zu fahren. Drei Kilometer rauf, drei Kilometer runter, drei rauf... Da kommst durch Gegenden, die zu den fünf verrücktesten Ortsnamen Deutschlands gehören. Da ist unter anderem Linsengericht dabei. Da sind wir durchgefahren ... durch Linsengericht.

Stehen Sie da auch um halb sieben auf?

Mir wäre das grad recht, wenn wir schnell wegkommen. In der Früh geht am meisten, da bringst am meisten weg. Nachmittag um fünf machst nimmer viel Kilometer.

Muss man als guter Trainer auch ein guter Spieler gewesen sein?

Man muss schon eine Ahnung haben, was braucht der Spieler, wie muss er sich hindrehen, wie muss er die Scheibe annehmen, wie schnell die Scheibe spielen. Das mach ich oft. Einfaches Training, wenns nicht läuft. Das haben in der Liga schon andere Trainer gemacht mit ihren Mannschaften. Da haben die Spieler gesagt: Das ist ein Kindergartentraining. Aber das macht keiner bei mir. Man muss glaubhaft rüberkommen und das Gefühl haben, der Trainer steht hinter seiner Mannschaft. Ich sage meinen Spielern: Unser Eishockey früher war ja Zeitlupen-Eishockey. Ich geb‘ ihnen ja das Zuckerl. Immer wieder. Spielen habe ich net so können wie ihr. Aber, habe ich gesagt: Aufgeben, das war net drin. Oder nachlassen. Des wissens. Und der Ruf eilt mir auch voraus. Ich habe ja einige Spieler, deren Väter mit mir gespielt haben, Wolf oder Boos.

Haben Sie sich als Trainer verändert über die Jahre?

Man muss sich verändern. Wenn du nicht mehr diesen Konkurrenzkampf hast in der Mannschaft. Früher hast du besseren Konkurrenzkampf gehabt. Jetzt musst du mit dem was du hast, das Beste herausholen. Mit gut zureden, mit Abstrichen, Zugeständnissen, immer wieder sprechen. Immer wieder hinweisen. Wo andere schon oft gesagt hätten: Mei, Hans, was regst dich denn auf, das nützt sowieso nichts. Das sag ich: Des ist mir wurscht. Wenn der Spieler meint, er sitzt am längeren Hebel, dann irrt er sich. Dann fällt mir schon was ein. Dann muss er halt Liegestützen machen. Mir fällt immer wieder was ein.

Wie kriegt man denn heutzutage Kinder zum Eishockey?

(lacht) Heute Eishockey, in einem Vierteljahr Schwimmen im Maschsee? Das geht nicht mehr so einfach, der wird dies, der wird das. Das muss wachsen. Das war zu meiner Zeit leichter. In Tölz hats einen Eisklub und einen Knabenchor gegeben. Da hast du dann wählen können. Die im Knabenchor haben sich schwer getan in der Schule. Wobei: Als ich geehrt worden bin nach den Olympischen Spieler in Salt Lake City mit dem Goldenen Ring der Stadt Bad Tölz, hat der Knabenchor davor gesungen. Da habe ich gedacht, nicht so schlecht, muss ich jetzt Abbitte leisten. Was die können ist unglaublich. Ich habe mit dem Singen nichts gehabt, immer einen Fünfer gehabt. Aber früher war es anders. Da haben wir einen Spieler gehabt, der war im Knabenchor und bei uns. Da haben wir gesagt: Du musst wählen, beides geht nicht. Entweder bei uns oder bei denen. Er ist dann bei uns geblieben.

Was sagen Sie zum neuen Indians-Trainer Kaminski?

Er war mein Kapitän in Bayreuth.

Was halten Sie von ihm?

Wenn er bei mir Kapitän war, muss er schon was dargestellt haben.

Er hat eine eigene Internetseite, wo er sich präsentiert und sagt, was er alles so macht und kann.

Darum habe ich keine Seite (lacht). Ich mache mir immer einen Spaß draus, wenn jemand fragt: Hast du keine E-Mail? Nein, nur Porzellan. Emaille haben wir schon lange nicht mehr.

Jetzt könne Sie Ihr Haus genießen. Ist ja alles sehr schön bei Ihnen, was man so auf Fotos gesehen hat.

Sehr schön. Meine Frau sorgt dafür, dass es in 20 Jahren noch genauso aussieht wie heute.

Bekommen Sie eigentlich eine Miniatur-Ausgabe des Meisterpokals mit nach Hause?

Nein, so was brauche ich nicht. Ich wäre ja schon beinahe für den bayrischen Verdienstorden vorgeschlagen worden.

Und das, obwohl Sie mit den Scorpions drei bayrische Mannschaften rausgehauen haben.

Ja, wir sind jetzt internationaler bayrischer Meister.

Was machen Sie im August, wenn die Saison wieder losgeht?

Es ist so viel zu tun. Mit der Frau muss ich irgendwohin in den Urlaub. Außerdem stehen etliche Bergtouren an. Wenn ich heimkomme, habe ich keine Ruh. Noch nicht einmal Zeit fürs Fischen. Ich muss in unserem Garten den Brunnen anschließen. Dann muss ich das Leihauto noch zurückbringen nach Rottach. Das Radl pack ich hinten rein. Und fahre dann mit dem Radl zurück. Nicht den normalen Weg, sondern natürlich übern Berg zurück. Einfach wäre ja zu einfach.

War die Mannschaft der Scorpion etwas Besonderes?

Ich stelle die Scorpions-Mannschaft über alle. Weil es so viele deutsche Spieler waren und ich eine sehr innige Verbindung zu den Spielern habe. Das Finale war dramatisch. Da hätten man ein Buch schreiben können. Augsburg kommt wieder auf 2:2 heran, dann kurz vor Schluss ein Riesentor von Dolak und dann noch ein Riesentor von Tino Boos.

Haben Sie es genossen?

Im Stillen. Mir hat gefallen, wie die Spieler gefeiert haben. Bis zum Erfolg waren sie meisterlich, und auch danach. Da kann ihnen keiner das Wasser reichen. Die Meisterschaften die ich erlebt habe, da hats keiner so gekonnt.

Also wars auch Ihre schönste Meisterschaft?

Ja. 100-prozentig. Das ist nicht zu toppen.


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