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BEI DER ARBEIT: Robin Ringe (rechts) feiert mit Mitspielern einen Scorpions-Treffer.

BEI DER ARBEIT: Robin Ringe (rechts) feiert mit Mitspielern einen Scorpions-Treffer.© Florian Petrow

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Eishockey

Robin Ringe: Der Scorpion und die Horror-Narbe

Robin Ringe liegt in einem Bett im Friederikenstift und stöhnt immer wieder auf vor Schmerz. Ein Arzt friemelt ein gelbes Gummiband in den Oberschenkel. Ringes rechtes Bein ist über gigantische 35 Zentimeter offen.

Hannover. Eine Kunsthaut schützt den Muskel. Das Gummiband soll helfen, das Bein nach und nach wieder zu schließen. Die Haupt-OP war schon, das hier ist die Nachsorge - ohne Narkose.

Ringe drückt auf die Stopptaste seines Handys. Das Video erinnert ihn an die schlimmsten Tage seines Lebens.

Vor drei Wochen, beim unbedeutenden letzten Vorrunden-Heimspiel der Scorpions gegen Nordhorn, bekommt der Stürmer einen Kniecheck ab. Ringe spielt noch weiter. In der Drittelpause schaut sich Teamarzt Prasobh Theruvath den Pferdekuss an. Der Mediziner rät ab, Ringe aber will weitermachen. Trainer Lenny Soccio spricht ein Machtwort. Ringe fährt unter „tierischen Schmerzen“ nach Hause, legt sich ins Bett. „Am nächsten Morgen wache ich auf, die Schmerzen sind weg“, erinnert er sich. „Dann hebe ich Decke. Das Bein - mega angeschwollen.“ Sein erster Gedanke: „Dann rufste mal den Arzt.“

Papa Andreas bringt seinen Jungen ins Krankenhaus. Diagnose: Kompartement-Syndrom (massiver Anstieg des Gewebedruckes im Muskel). Not-OP unumgänglich. „Da sind mir die Tränen gekommen“, gesteht Ringe. Saison-Aus. „Das tat mir im Herzen weh als Sportler.“ Die Ärzte schneiden den Muskel im Oberschenkel auf, um den Druck rauszulassen - und retten ihm so sein Bein. „Ein paar Tage später, und sie hätten es abnehmen müssen“, sagt der 22-Jährige.

Weil der Muskel noch zu angespannt und angeschwollen ist, lassen die Ärzte die Wunde auf. Dank des Gummibandes ist es fünf Tage später möglich, die Haut zu nähen - diesmal wieder unter Vollnarkose. „Das Leben ist beschissen“, denkt Ringe.

Sein Zimmernachbar Kerim (31) „hat mich gerettet. Wir haben uns gut verstanden, es ist eine Freundschaft entstanden.“

Vor zwei Wochen durfte er die Klinik verlassen. Von seiner Freundin lässt er sich zu Hause pflegen. Jetzt humpelt Ringe durch die Gegend - mit der größten Sport-Narbe Hannovers. Eine Ewald-Lienen-Gedächtnis-Narbe. Ein Andenken fürs Leben. Ringe ist noch sauer auf den Nordhorner Gegenspieler Ludwig Synowiec: „Klar, er hat mich gefoult.“

Die Spiele der Scorpions kann sich die Nummer 61 für den Rest der Saison nur von der Tribüne aus angucken. „Für einen Eishockey-Spieler ist das Wichtigste die Mannschaft“, sagt Ringe, der bei den Indians groß geworden ist. „Es tut mir in der Seele weh, dass ich den Jungs nicht helfen kann.“ In acht Wochen will er wieder langsam anfangen, zu trainieren. Dann legt sich sicher auch der Frust.


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