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Eisige Drohung: Scorpions vor der Insolvenz

Die Hannover Scorpions bewegen sich auf dünnem Eis. Denn nach NP-Informationen droht dem Eishockey-Oberligisten womöglich ein Insolvenzverfahren. Und deshalb im schlimmsten Fall der Lizenzverlust. Doch die Scorpions beruhigen: „Es wird zu keiner Insolvenz kommen“, sagte Geschäftsführer Marco Stichnoth der NP.

Hannover. Die Hintergründe sind nicht ganz einfach. Die Scorpions spielen seit drei Jahren in der Oberliga – dafür beantragte in den ersten beiden Saisons die Hannover Scorpions Eishallen- und Spielbetriebs-GmbH die Lizenz. Seit dieser Spielzeit hält eine andere Gesellschaft die Lizenz, die alte wird derzeit abgewickelt –
im Rechtsdeutsch Liquidation genannt. Ein Ex-Mitarbeiter der Spielbetriebs-GmbH fordert noch Lohn. Ihm sei Gehalt in Höhe von mehreren tausend Euro nicht gezahlt worden. Das Arbeitsgericht Hannover gab ihm Recht – doch Geld habe er seit der Entscheidung im Januar nicht gesehen. Mittlerweile liegt die Forderung inklusive Kosten für Anwalt, Gerichtsvollzieher und Zinsen schon bei mehr als 7000 Euro. Ein Güteangebot lehnte der Ex-Mitarbeiter ab. Daraufhin gab der Bevollmächtigte der Spielbetriebs-GmbH gegenüber einer Gerichtsvollzieherin vor gut einer Woche eine sogenannte Vermögensauskunft ab – also, dass kein Geld da ist, von dem das ausstehende Gehalt gezahlt werden könne. „Deshalb hat mein Anwalt vorm Amtsgericht einen Insolvenzantrag gegen die Scorpions gestellt“, sagte der Ex-Mitarbeiter der NP. Dessen Anwalt bestätigte, dass der Antrag am Montag eingereicht worden sei.

Es klingt ein bisschen wie ein persönlicher Feldzug. Doch der könnte für das Eishockey-Team aus Langenhagen im schlimmsten Fall dramatische sportliche Folgen haben. Denn auch wenn die alte Gesellschaft die Scor-pions-Lizenz gar nicht mehr hält, ist der Deutsche Eishockey-Bund (DEB) wegen der drohenden Insolvenz alarmiert. Der DEB verteilt vor jeder Saison die Lizenzen an die Eishockey-Teams. „Wenn es so kommen sollte, müssen wir uns damit beschäftigen“, sagte Oliver Seeliger auf NP-Anfrage. Er ist Ligenleiter des DEB für die Oberligen: „So einen Fall hatten wir noch nie. Wenn wir die entsprechenden Unterlagen bekommen, machen wir uns ein eigenes Bild.“ Wenn die alte GmbH tatsächlich insolvent sei, „ist die Wahrscheinlichkeit groß, dass der Verein keine Zulassung für die nächste Saison erhält“. Im Klartext: Die Scorpions wären raus aus der Liga.

Geschäftsführer Stichnoth betonte im NP-Gespräch, dass es so weit nicht kommen werde. „Meines Wissens nach“ soll der Ex-Angestellte sein Geld bekommen: „Der Liquidator ist an mich herangetreten, und da habe ich gesagt: Na gut, dann wird die Forderung beglichen.“ Eher früher als später, betonte Stichnoth. „Sie muss ja beglichen werden, wenn sie da ist, weil wir natürlich keine Insolvenz wollen“, sagte der Scorpions-Macher, „dann ist das aus meiner Sicht erledigt. Es wird zu keiner Insolvenz kommen.“

Tatsächlich haben die Scor-pions ausreichend Zeit, das Insolvenzverfahren abzuwenden. Denn zunächst prüft das Gericht den Antrag des ehemaligen Angestellten gegen die Scorpions. Erst danach würde – vielleicht – ein Verfahren eingeleitet. Die Prüfung kann ein, zwei Monate dauern. Wenn die Scorpions in dieser Zeit die Forderung des Ex-Mitarbeiters erfüllen, kann der den Antrag zurückziehen. Ist das Verfahren erst einmal eröffnet, wäre dieser Rettungsweg allerdings verbaut.

Jonas Szemkus/Simon Lange


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