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Scorpions-Sportdirektor Marco Stichnoth.© dpa

Eishockey

Amtlich: Scorpions ziehen sich aus DEL zurück

Die Hannover Scorpions sind zumindest in der DEL Geschichte. Club-Eigner Papenburg verkauft die defizitäre GmbH des Ex-Meisters nach Schwenningen. Am Samstag soll der Deal besiegelt werden.

Hannover. Der ehemalige deutsche Meister Hannover Scorpions zieht sich aus der Deutschen Eishockey-Liga (DEL) zurück und macht Platz für eine Rückkehr des Traditionsclubs Schwenninger Wild Wings.

Scorpions-Eigner Günter Papenburg verkauft nach wiederholten Drohungen in der Vergangenheit diesmal endgültig die in Hannover defizitäre GmbH an den Schwarzwaldclub, der zuletzt 2003 in der DEL spielte. "Am Samstag ist der Notartermin. Seit Mittwochmorgen besteht Einigung, seitdem läuft die Maschinerie mit den Anwälten", bestätigte Scorpions-Sportdirektor Marco Stichnoth am Donnerstag in Hannover.

Der Preis für den Verkauf dürfte bei gut einer Million Euro liegen. Da bereits am Freitagabend die Frist zur Einreichung der Lizenzunterlagen für die kommende Saison abläuft, bewirbt sich die Scorpions-GmbH vorsorglich mit den Standorten Hannover und Schwenningen. Nach Unterzeichnung des Vertrages müssten die übrigen DEL-Clubs dem Verkauf noch mit einer Dreiviertelmehrheit zustimmen. Dies bezeichnete Stichnoth als "Formsache". Danach würde der Antrag für Hannover zurückgezogen.

Schwenningen, Heimatclub von NHL-Star Marcel Goc, spielte in den 80er und 90er Jahren bereits dauerhaft in der früheren Bundesliga und zwischen 1994 und 2003 auch in der DEL. Mit der GmbH ziehen auch "sieben bis acht Spieler", die derzeit noch einen gültigen Vertrag bei den Scorpions haben, nach Schwenningen mit um. Trainer Igor Pavlov bleibt jedoch in Hannover und soll mit Stichnoth ein neues Eishockey-Team aufbauen.

"Der Name Hannover Scorpions wird erhalten bleiben, es wird eine neue Gesellschaft geben", stellte Stichnoth klar. In welcher Liga der deutsche Meister von 2010 künftig antritt, ist aber noch unklar. Angestrebt ist ein Start in einer neuen 2. Liga unter dem Dach des Deutschen Eishockey-Bundes (DEB). Bislang haben laut Stichnoth für diese Liga aber nur Riessersee, Kaufbeuren und Kassel gemeldet.

Offenbar war bis zuletzt auch ein Einstieg eines russischen Investors samt Antritt in der osteuropäische KHL Thema. "Herr Papenburg ist nochmal nach Russland geflogen, um Investoren zu finden. Dies ist aber gescheitert", berichtete Stichnoth. Hintergrund für die Entscheidung des Bauunternehmers Papenburg ist ein Streit mit der Stadt Hannover und deren Tochter Deutsche Messe AG. Diese will in unmittelbarer Nähe zur Scorpions-Heimstätte TUI-Arena, die Papenburg einst zur Expo 2000 bauen ließ, eine neue Multifunktionsarena errichten.

Papenburg und die TUI-Arena fühlen sich damit unter noch größeren wirtschaftlichen Druck gesetzt. Papenburg hatte den Club in den vergangenen zehn Jahren bereits mit mehr als 20 Millionen Euro künstlich am Leben erhalten. Am Mittwochabend hatte der 74-Jährige die Scorpions-Profis unterrichtet. "Die Spieler haben geschockt, aber mit Verständnis für Herrn Papenburg reagiert", berichtete Stichnoth. In Schwenningen hatte man sich am Mittwoch noch zurückhaltend geäußert.

Auch im vergangenen Jahr hatte Wild-Wings-Geschäftsführer Michael Werner bereits einen Notartermin für den Erwerb der Lizenz des EHC München, die damals ebenfalls das DEL-Aus bereits verkündet hatten, ehe noch Red Bull einstieg und den EHC in München hielt. "Wir sind zuversichtlich, aber die Chancen stehen 50:50. Es kann immer noch etwas passieren", sagte Werner der Nachrichtenagentur dpa im Hinblick auf Papenburg, der in der Vergangenheit öfter mal mit einem Verkauf kokettiert, dann aber doch immer wieder die Lizenz für Hannover beantragt hatte. Einen GmbH-Verkauf hatten Papenburg und die Scorpions tatsächlich aber noch nie zuvor offiziell verkündet. dpa


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