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DARUM GEHTS: Die Marke „Hannover Indians“ stand in einem Bieterverfahren zum Verkauf. Heute entscheidet eine Gläubigerversammlung über den Zuschlag.

EISHOCKEY

Namensstreit: Wohin wandert die Indians-Marke?

Missgunst, persönliche Eitelkeiten, einsame Entscheidungen, Rumgeeiere, Fan-Ärger – am Pferdeturm herrschte in den vergangenen Wochen ein eisiges Klima. Vor allem zwischen Stammverein EC Hannover Indians und der Spielbetriebsgesellschaft. Vordergründig geht es im neuesten Streit um die Marke „Hannover Indians“ (NP berichtete). Heute (Mittwoch) soll irgendwann noch eine Entscheidung fallen.

Hannover. Vergangenen Freitag endete das Bieterverfahren um den Erwerb der Marke, die nach dem 2013 eingeleiteten Insolvenzverwahren der alten GmbH übrig geblieben war. Heute ab 10.30 Uhr im Amtsgericht entscheidet Insolvenzverwalterin Stefanie Zulauf mit Gläubigern in der Gläubigerversammlung darüber, an welchen der nach NP-Informationen vier Bieter die Marke verkauft wird. Nicht automatisch das höchste Angebot bekommt den Zuschlag. Die Spielbetriebsgesellschaft hatte zuletzt im Juni ein Angebot abgegeben – überboten vom Stammverein. Auch Pferdeturm-Betreiber Gerhard Griebler soll mitgeboten haben, dazu ein Unbekannter.

Am Montagabend lud der Stammverein zu einer Mitglieder- und Fanversammlung in die Vereinsgaststätte des TKH an der Tiergartenstraße ein, um aufzuklären, zu diskutieren – und die Wogen zu glätten. Auch ohne Einladung anwesend: Griebler, der als Gesellschafter 37 Prozent Anteile an der GmbH hält. Und David Sulkovsky, Indians-Geschäftsführer.

Der seit Juni 2016 neue ECH-Boss Florian Heinze musste sich rechtfertigen, warum er nur in Absprache mit seinen Vorstandsmitgliedern ein Kaufangebot abgegeben habe – ohne die Mitglieder zu fragen. Und noch viel schlimmer: dafür einen Teil der von Fans gesammelten 74 800 Euro zum „Erhalt des Eishockeys am Pferdeturms“ zu verwenden. Mitglieder und Fans hätten lieber gesehen, dass das Geld in den von der Chefetage vernachlässigten Nachwuchs gesteckt wird.

„Wir hätten Sie einbinden müssen, da haben wir einen Fehler gemacht“, gab Heinze zu und bot an, falls der Verein den Zuschlag bekomme, Fans und Mitglieder zu befragen, ob ein Teil der Summe tatsächlich für den Kauf verwendet werden soll.

Heinze, der die Marke gern wegen der angeblich besseren wirtschaftlichen Sicherheit in Vereinshänden hätte, erinnert: „Wenn irgendjemand pleitegeht, dann ist es die Spielbetriebsgesellschaft.“ Auch wenn es keinen aktuellen Anlass dafür gebe, aber „die Vergangenheit hat gezeigt, dass es ein Risiko gibt“. Laut Heinze sei der Verein bereit, im Falle des Zuschlags die Nutzung der Marke der GmbH zu ermöglichen.

Und wenn einer der anderen Bieter erfolgreich ist? Auch dann bräuchten sich die Fans kaum Sorgen zu machen, dass der Name Indians verschwindet. Keiner der Käufer wird Interesse daran haben, die bekannte Marke sterben zu lassen. Allein schon aus Marketinggründen.

Ein Ärgernis aus Vorstandssicht: die Gründung des Vereins Pferdeturm Hunters, der in der Regionalliga spielt und auch auf Nachwuchs setzen will – unterstützt von Stadionbetreiber Griebler. Heinze betonte, das Nachwuchsproblem verstärkt in Angriff zu nehmen – „wenn Herr Griebler bereit ist, die Hunters wieder einzustampfen“.

Immerhin: Die beiden Kontrahenten setzten sich nach der Versammlung noch kurz an einen Tisch. Beide Parteien scheinen gesprächsbereit. Auch mit dem allmächtigen Strippenzieher Jan Roterberg, dem zweiten Hauptgesellschafter der GmbH, will Heinze die Gespräche intensivieren.

Er hofft, „dass wir alle irgendwann die symbolische Friedenspfeife rauchen können“.

Simon Lange


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