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FREUDE:Nach hartem Kampf feierten die Indians den 3:1-Sieg gegen den Erzrivalen.

FREUDE: Nach hartem Kampf feierten die Indians den 3:1-Sieg gegen den Erzrivalen.© Sielski

Eishockey

Indians vs. Scorpions: Derby-Schande am Pferdeturm

„Es ist ein Derby, es ist ein Spiel. Es ist kein Hass“, sagte Scorpions-Trainer Len Soccio nach der Partie beim Erzrivalen Hannover Indians. Die Zuschauer hätten einen anderen Eindruck bekommen können.

Hannover. Hitzige Stimmung auf dem Eis und auf den Rängen. Mit toller Derby-Stimmung hatte das wegen einiger Chaoten mitunter wenig zu tun.

Die Profis schenkten sich nichts beim 3:1-Heimsieg der Indians Freitagabend am Pferdeturm. Normale Derby-Stimmung? Nur bedingt. Ein Grund dafür sei die schlechte Schiedsrichterleistung gewesen, befand Indians-Trainer Fred Carroll: „Die haben zu viel laufen lassen.“ Schon früh waren Indians-Kapitän Sebastian Lehmann und Scorpions-Verteidiger Jan Hemmes auf das Schiri-Gespann zugegangen. „In den ersten 15 Minuten gabs nur Palaver, es war hitzig und nichts wurde gepfiffen“, beschrieb Lehmann der NP, „wir haben gesagt, dass sie mehr pfeifen sollen, um das Spiel in den Griff zu bekommen. Wir wollten kein unnötiges Gerede, keine Schlägereien. Wir wollten Eishockey spielen.“ Daraus wurde nur zeitweise etwas.

Der traurige Höhepunkt: Scorpions-Manager Marco Stichnoth wurde mehrfach von Indians-Anhängern bedroht. „Zwei-, drei-mal massiv. Nach dem 2:1 habe ich das Stadion verlassen. Aus Selbstschutz“, sagte Stichnoth der NP, „die Stimmung war anfangs fantastisch. Dann eskaliert das so. Das Verhalten erschreckt mich. Das hat mit dem Eishockey-Sport nichts mehr zu tun, mit Derby auch nicht. Da ist eine Grenze erreicht.“

Auch unsportlich: Als Gästestürmer Stefan Goller vom Eis musste - vermutlich ein Kreuzbandriss - und Indians-Kapitän Lehmann eine Matchstrafe erhielt, flog aus Reihen der Indians-Anhänger ein Bierbecher auf die Gästebank. Scorpions-Trainer Soccio spritzte als Antwort Wasser in die Menge. Es flogen weitere Bierbecher. „Die Emotionen waren hoch, ich entschuldige mich für mein Verhalten“, sagte Soccio, „aber was da passiert ist ... Das ist eskaliert. Vier, fünf, sechs Bier sind runtergekommen.“

Indians-Geschäftsführer David Sulkovsky wollte die Szene nicht überbewerten: „Das ist ein Derby, da ist die Stimmung ein bisschen hochgekocht, das kann mal passieren.“ Die Meinung hatte er exklusiv. Auch sein Coach Carroll verurteilte die Szene: „Das gehört nicht dazu. Das geht gar nicht.“

Auslöser für die Becherwürfe war ein Wortgefecht zwischen Lehmann und Scorpions-Coach Soccio. „Vielleicht sah es so aus, als würden wir uns böse anschreien, haben wir aber nicht. Wir haben ein gutes Verhältnis“, sagte Lehmann, „dass da Becher fliegen, hat im Sport nichts zu suchen. Emotionen, klar. Aber Respekt muss immer da sein.“

Jonas Szemkus


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