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Indians Pressegespräch mit David Sulkovsky und Jan Roterberg© Nigel Treblin

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Eishockey

Finanzwirbel bei den Indians

Großbrand am Pferdeturm: Ex-Geschäftsführer Wolfram Cech feuert scharf gegen die Indians - insbesondere gegen Mitgesellschafter Jan Roterberg. Die Vorwürfe: Verdacht auf Steuerbetrug und Urkundenfälschung.

Hannover. Cech, im August wegen persönlicher Differenzen aus dem Amt gedrängt, erstattete am 31. Dezember 2014 Selbstanzeige beim Finanzamt: „Das musste ich machen, weil mir Unregelmäßigkeiten aufgefallen sind, die ich auch belegen kann“, so Cech gestern zur NP. Er habe „sich nichts vorzuwerfen“. Die Anzeige erstattete der hauptberufliche Rechtsanwalt „aus Selbstschutz“. Als Geschäftsführer haftet er für eventuelle Vergehen. Egal, ob selbst- oder fremdverschuldet.

Erster Kritikpunkt: die Do-kumentierung der Arbeitszeiten der Profis. Steuerfreie Feier-, Sonntags- und Nachtzuschläge sollen nicht korrekt abgerechnet worden sein. Cech nennt ein Beispiel vom 15. Dezember 2013, Derby bei den Scorpions. Das Spiel endete am späten Nachmittag, abgerechnet wurde jedoch bis 1.30 Uhr nachts. Roterberg sagt zu dem Vorwurf, nach dem Spiel habe es noch ein offizielles Mannschaftsessen beim Griechen „Ouzeri“ an der Hildesheimer Straße gegeben. Cech wusste von dem Essen, wertet es allerdings nicht - im Gegensatz zu Roterberg - als Pflichttermin für die Spieler.

Auch an Heiligabend 2013 soll das Team laut Arbeitsprotokoll trainiert haben. Roterberg konnte das auf NP-Anfrage nicht belegen. Auf dem eigentlich lückenlosen Trainingsplan auf der Homepage ist kein Training verzeichnet. Über seinen Anwalt ließ er aber zuvor schriftlich verkünden, alle Zuschläge seien den gesetzlichen Vorgaben entsprechend abgerechnet worden.

Überhaupt streitet der Indians-Macher alle „falschen Verdächtigungen“ emotionslos ab: „Da ist nichts dran.“ Cech hatte zwei Wochen vor seiner Selbstanzeige Strafanzeige gegen Roterberg erstattet - wegen Urkundenfälschung. Roterberg ist davon in Kenntnis gesetzt. Nach NP-Informationen ist es wahrscheinlich, dass ein Strafverfahren eingeleitet wird. 2011 sollen über die VGH Zahnzusatzversicherungen für Kinder von Spielern, Trainern und Betreuern abgeschlossen worden sein - ungefragt und mit angeblich gefälschten Unterschriften.

Roterberg gibt zu: „Es gab eine Anfrage für Zahnzusatzversicherungen für Kinder von verdienten Mitarbeitern.“ Von den Indians bezahlt, im Gegenzug sollte es eine Gutschrift geben vom „Sponsor“ VGH. „Ein Marketing-Tool, um Kunden zu gewinnen“, tut Roterberg die angebliche VGH-Idee ab. Er habe nur eine Liste mit Namen erstellt. Eine Gutschrift habe es nie gegeben. Unterschriften habe er auch nie geleistet. Cech behauptet jedoch, Beweise für gefälschte Unterschriften zu haben. Dennoch ist Roterberg überzeugt: „Das Verfahren wird eingestellt.“

Sein Vorwurf: „Wolfram Cech hatte Zugang zu allen Unterlagen. Warum hat er mich nicht sofort angesprochen? Das Ganze ist eine persönliche Sache zwischen Cech und mir und hat mit den Indians nichts zu tun. Die Chemie stimmte einfach nicht.“

In dem Eis-Krieg steht jetzt Aussage gegen Aussage. Entweder kann Roterberg das Feuer im Keim ersticken, oder es kommt zum Flächenbrand am Turm. Der frühere Pleite-Klub steht in diesem Fall zwar nicht vorm Zusammenbruch - die nächste Saison scheint gesichert, in der Bilanz wird sogar ein Plus erwartet -, das Image hat jedoch schon wieder einen beträchtlichen Schaden erlitten.


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