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HARTER KAMPF: Recke Runar Karason (rechts) wird von BHC-Spieler Ace Jonovski angegangen.

HARTER KAMPF: Recke Runar Karason (rechts) wird von BHC-Spieler Ace Jonovski angegangen.
© Fischer

Recken in der Krise

Trainer Bürkle vor dem Aus

Es war wie (fast) immer in diesem Jahr: Viel Krampf bei den Recken, zu viele Fehler, und wieder kein Erfolgserlebnis. Sogar bei Bundesliga-Absteiger Bergischer HC in Wuppertal verloren sie – und das auch noch krachend mit 24:32 (12:17). Hannovers Top-Handballer können einfach nicht mehr gewinnen. Abgerutscht von Platz fünf im Winter auf den elften Rang zum Saisonende. Die traurige Abschlussbilanz in 2017: 16 Spiele, 14 Niederlagen, zwei Unentschieden. Auch wenn es kein Recken-Offizieller bestätigen will: Am Ende der Horrorserie wird wohl die Trennung von Trainer Jens Bürkle stehen.

Wuppertal. Ein paar fragwürdige Schiri-Entscheidungen, zu viele ungenutzte Chancen der Gäste und ziemlich motivierte Hausherren – perfekt war der Sieg von Absteiger BHC gegen die Formlos-Recken. Nicht nur die Tatsache selbst, vor allem das Ergebnis tat richtig weh. Schon recht früh lagen die Handball-Profis der TSV Hannover-Burgdorf zum ersten Mal mit sieben Toren hinten (13:20, 36. Minute). Gegen einen Absteiger! „In der zweiten Halbzeit sind wir wieder auseinandergebrochen“, resümierte Führungsspieler Fabian Böhm, „das macht so keinen Spaß.“

Trainer Bürkle tigerte in Wuppertal zwei Halbzeiten lang wie gewohnt unruhig an der Seitenlinie entlang, gab lautstarke Anweisungen. Es half nichts. Wieder mal. In der 55. Minute beim Stand von 23:29 nahm er die zweite Auszeit in der zweiten Hälfte. Die vermutlich letzte in seiner Amtszeit als Cheftrainer in Hannover.

Nur ein Gutes hatte das Spiel beim BHC: Endlich ist die Saison vorbei. Zeit, den Kopf freizubekommen. Auch für die Verantwortlichen um Geschäftsführer Benjamin Chatton. Und um Schlüsse aus der Katastrophenbilanz in 2017 zu ziehen – und dann Konsequenzen. „Ich habe in dieser Saison gelernt: Immer wenn man denkt, dass es nicht schlimmer kommen kann, kommt es schlimmer“, sagte Chatton. Und: „Von ganz alleine, wenn wir jetzt einfach auseinandergehen und uns in ein paar Wochen zum Trainingsauftakt wieder treffen, wird sich nichts ändern.“

Dafür sind die Köpfe seiner Sieglos-Stars einfach zu schwer. Ohne Veränderungen werden die Recken aus dem Ergebnissumpf nicht herauskommen. Findet auch Abwehrchef Sven-Sören Christophersen: „Wir können fünf oder zehn Wochen ins Land gehen lassen, aber wenn wir uns wiedersehen, ist diese Thematik wieder im Raum. Man kann viele Gründe und Ausreden für die Situation finden. Aber am Ende haben wir die Qualität, die wir individuell haben, einfach nicht ins Kollektiv bekommen.“ Die Konsequenz daraus dürfte das Ende für Bürkle in Hannover sein. Auch, wenn ihm natürlich nicht die alleinige Schuld an der miesen Situation angelastet werden kann.

Um 17.38 Uhr, gerade mal eine Minute nach Abpfiff und Pleite beim BHC, versammelte er noch mal seine Spieler um sich. Abschlusskreis, ein paar Worte. Wohl zum letzten Mal als sportlicher Entscheider nach zwei Jahren Trainerposten in Hannover. Dabei war sein Vertrag vor nicht einmal zehn Monaten vorzeitig um zwei Jahre bis 2019 verlängert worden: Am 23. August 2016 reichten sich Geschäftsführer Chatton und sein Coach lächelnd die Hände. Bürkle sei „die Lösung mit einem Fundament für eine große Perspektive“, adelte ihn Chatton damals. Die Recken wollten mit Bürkle eine richtig erfolgreiche Zukunft angehen. Davon ist in diesem Jahr nichts mehr zu spüren.

Bürkle war und ist Realist, sagte schon kurz vor der Verlängerung: „Verweildauern liegen auf dieser Führungsebene bei zweieinhalb Jahren, im Sport, teilweise deutlich kürzer.“ Mit seiner Einschätzung vor einem Jahr dürfte er jetzt sehr richtig liegen.

Es scheint nur eine Frage der Zeit, bis die Recken und Bürkle in der Sommerpause ihre Zusammenarbeit beenden. Trotz der überragenden Hinrunde mit Platz fünf und seiner unbestrittener sportlicher Expertise – den Makel der Horrorserie dürfte der 36-Jährige nicht loswerden. Und im Profisport zählen am Ende eben immer Ergebnisse. Das 24:32 gegen den Bergischen HC spricht für sich ...

Von Jonas Szemkus


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