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MOTIVATOR: Christopher Nordmeyer trainierte die Recken von 2011 bis 2015 – und hofft, dass nach dem Bürkle-Aus ein junger, innovativer Coach übernimmt.© Petrow

Handball

Recken auf Trainersuche: Ex-Coach hofft auf Innovationen

Die Recken der TSV Hannover-Burgdorf fahnden nach dem Ende für Jens Bürkle weiter nach einem neuen Trainer. Wird es wieder einer, der mit viel Fingerspitzengefühl auf seine Profis achtet – oder doch ein harter Hund? Einer, der sich auskennt im Geschäft und bei Hannovers Top-Handballern ist Christopher Nordmeyer (49). Von 2011 bis 2015 trainierte er die Recken in der Handball-Bundesliga. Für uns blickt der Bürkle-Vorgänger auf die vergangene Saison und die Horror-Rückrunde zurück – und sagt, was für ein Trainer jetzt kommen sollte.

Knaller-Hinrunde, Pleiten-Rückrunde ohne Sieg – wie können zwei Saisonhälften so unterschiedlich sein?
Wenn es nur eine Ursache gegeben hätte, hätte man die beheben können. So eine bittere Serie kann nur passieren, wenn verschiedene Dinge zusammenkommen: Verletzungen, viel Belastung in der Pause, ein schwerer Spielplan in der Rückrunde. Dass aber auch intern nicht alles glatt gelaufen sein kann, ist klar.

Was denn zum Beispiel: Ärger in der Mannschaft?
Im Detail kann ich das nicht beurteilen, das sind Interna. Natürlich haben die Spieler einfach nicht ihre Leistung gebracht. Aber man muss auch sagen, dass die Mannschaft die ganze Rückrunde mehr wollte. Es wurden kaum Spiele hoch verloren. Das heißt die Spieler haben immer daran geglaubt, dass sie die Serie beenden können. Da hatte Jens die Spieler immer hinter sich. Am Ende ist aber immer die Frage, ob man Spiele gewinnt – und das ist nicht passiert.

Und am Ende stand die Beurlaubung für Jens Bürkle. Wie fühlt sich ein Trainer in der Situation?
Es ist ein sehr tiefer Fall für ihn, ein unglaubliches Tief. Aber man muss alles mal erlebt haben als Trainer, um daran zu wachsen. Das ist natürlich jetzt schwer für ihn, weil das unheimlich an einem zehrt. Weil man immer darüber nachdenkt: Was hätte ich anders machen können? Auch wenn man jetzt nichts mehr ändern kann. Das ist der größte Kampf, den man mit sich führt nach so einer Saison.

Wird er wieder Trainer in der Bundesliga werden?
Definitiv! Jens hat alle Fähigkeiten, um ein erfolgreicher Trainer zu sein. Er ist 36 Jahre alt, das ist noch sehr jung, und er hat schon jetzt diese schwere Erfahrung gemacht und weiß jetzt auch, in welchen Situationen er vielleicht andere Entscheidungen getroffen hätte. Dieses Wissen ist unheimlich wertvoll. Ich bin mir ganz sicher, dass er bei einem anderen Bundesligisten tätig sein wird. Vielleicht ja schon nächste Saison. Denn Qualität, wie die von Jens, wird erkannt.

Hat es Sie überrascht, dass Geschäftsführer Benjamin Chatton 16 Sieglos-Spiele an Bürkle festgehalten hat?
Es bestand ja ehrlich gesagt zu keiner Zeit Abstiegsgefahr, und nachdem die ersten fünf Spiele verloren waren, war auch klar, dass mit dem Europapokal nichts mehr geht. Da hätte man natürlich überlegen können: Wechselt man jetzt den Trainer und vergisst alles Gute, was vorher war? Ich finde es sehr beeindruckend von Benni, dass er es nicht gemacht und an Jens festgehalten hat. Auch Benni hat immer daran geglaubt, dass sich die Situation noch mal wendet, weil er auch großes Vertrauen in Jens als Trainer gehabt hat. Dass man nach der Saison  eine andere Entscheidung trifft, finde ich legitim. Aber in der Saison so lange durchzuhalten, finde ich ein gutes Beispiel, wie man im Profisport auch agieren kann.

Welche Art Trainer sollte die Recken jetzt übernehmen?
Es muss einfach ein Top-Fachmann sein, der vielleicht schon einiges erlebt hat. Aber Erfahrung hat nichts mit Alter zu tun. Es kann auch ein junger Trainer sein. Da gibt es einige in Deutschland, die schon tolle Arbeit geleistet haben. Ich würde mich freuen, wieder einen neuen, jungen, innovativen Trainer hier zu erleben. 

Also kein harter Hund als Gegenentwurf zu Bürkle, um andere Reize zu setzen?
Ein Trainer kann heutzutage nicht mehr nur eine einzige Linie fahren und nur Konsequenz durch Härte zeigen .Ein sehr guter Trainer muss alles auf der Klaviatur können, was man braucht, um die Mannschaft in die richtige Richtung zu führen. Es braucht für Erfolg ein sehr differenziertes Bild von Mannschaftsführung, nicht nur ein eindimensionales. 

Reicht denn ein neuer Trainer, um die Horrorserie aus den Köpfen der Spieler heraus zu bekommen?
Das wird aus den Köpfen  nicht rausgehen, aber sie werden ihre Schlüsse daraus ziehen. Auch die Spieler lernen aus so einer Serie. Außerdem kommen neue Spieler dazu, die bringen auch noch mal neuen Wind mit. Dann ordnet sich alles neu. So eine Serie wird diesem Team mit seiner Qualität nicht noch einmal passieren!

Von Jonas Szemkus


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