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NP Interview

Recken: Runter mit dem Rucksack

Das 29:33 in Kiel hatte den Recken viel Lob eingebracht, die zweite Reifeprüfung - das 18:30 gegen die Rhein-Neckar-Löwen - misslang Hannovers Bundesliga-Handballern dagegen. Geschäftsführer Benjamin Chatton (34) äußert sich dazu im NP-Interview.

Herr Chatton, die Niederlage gegen die Rhein-Neckar-Löwen hat uns nicht überrascht, aber die Höhe. Sie auch?

Als Mannschaft will man grundsätzlich über 20 Tore werfen und unter 30 kassieren - und gegen Spitzenmannschaften will man natürlich nicht mit mehr als zehn Toren verlieren. Wir wurden nicht gnadenlos abgeschossen, aber wir haben zu viele leichte Fehler gemacht, die bestraft worden sind. Dass es einen Qualitätsunterschied zu den Rhein-Neckar-Löwen gibt - darüber brauchen wir nicht zu diskutieren.

Sie haben nach dem Spiel davon gesprochen, dass „der Rucksack, den wir seit dem Kiel-Spiel mit uns rumschleppen“, abtrainiert werden müsse ...

Ein Loblied in der Niederlage ist der natürliche Feind einer jeden kontinuierlichen sportlichen Weiterentwicklung. In Kiel haben wir ein gutes Spiel gemacht, mehr nicht. Davon müssen wir uns schnell lösen, und das wollte ich damit zum Ausdruck bringen. Und aus meiner Sicht werden die Aufgaben kurzfristig nicht einfacher. Wir haben in den ersten drei Spielen ordentliche Leistungen hingelegt - in Wetzlar nicht, und gegen die Rhein-Neckar-Löwen waren wir deutlich schlechter. Jetzt haben wir zwei Aufgaben gegen zwei formstarke Mannschaften: Der HSV verliert nur knapp gegen Flensburg und gewinnt sehr dominant gegen Gummersbach - und bei Melsungen müssen wir nur auf die Tabelle schauen: fünf Spiele, fünf Siege.

War es zu viel des Lobes nach dem Kiel-Spiel? TV-Experte Stefan Kretzschmar hat die Recken ja schon nach Europa geredet.

Das hat die externe Wahrnehmung vermutlich ein bisschen verzerrt. Ich habe beim Spiel gegen die Rhein-Neckar-Löwen in der Halbzeit ein Fernsehinterview geben dürfen und wurde gefragt: „So wie wir uns präsentieren, so gehören wir ja nicht zu den Spitzenteams.“ Am liebsten hätte ich zurückgefragt, wann wir denn dieses Selbstbild formuliert haben, dass wir zu den Spitzenteams gehören. Die Vergleiche mit dem THW Kiel und den Rhein-Neckar-Löwen können nicht der Ansatz sein, um unser Leistungsniveau zu bewerten. Das ist einfach eine ganz andere Welt. Zwischen Platz fünf und elf kann alles passieren, und genau da bewegen wir uns, aber sicherlich nicht darüber.

Wäre der Rucksack noch schwerer gewesen, wenn die Recken in Kiel nicht verloren hätten?

Nein, dann hätten wir auch zu Recht gelobt werden können, dann hätten wir mit einer guten Leistung auch etwas mitgenommen. Aber wir haben nichts erreicht bei dem Spiel. Gut mitgehalten, aber verloren - das ist wie zweimal Innenpfosten und dann raus. Sieht spektakulär aus, bringt aber nix.

Sind 4:6 Punkte nach fünf Spielen im Rahmen der Erwartungen?

Das ist aus meiner Sicht absolut im Rahmen und in der Erwartung, wir haben ein recht anspruchsvolles Auftaktprogramm. Der Bergische HC war sicherlich die einzige Pflichtaufgabe in diesem Konstrukt. Wir haben jetzt gegen zwei der besten drei Mannschaften schon gespielt, deshalb sollten wir die Kirche im Dorf lassen.

Was geht in den nächsten Spielen beim HSV und gegen Melsungen?

Vor dem Spiel gegen Rhein-Neckar hätte ich gesagt: Wahrscheinlich fühlen wir uns in der Außenseiterrolle wohler (lacht). Die Phrase fällt wohl nun raus. Wir müssen uns darauf fokussieren, eine kompakte Abwehr zu stellen und im Angriff mit geringer Fehlerzahl zu agieren. Zudem bauchen wir eine höhere Qualität im Wurf.

Einen Knacks gibt die hohe Niederlage gegen die Rhein-Neckar-Löwen nicht, oder?

Die Fragestellung impliziert eine unberechtigte Erwartungshaltung. Da wir diese intern nicht hatten, wird es auch keinen Knacks geben. Aber es muss jeden Spieler bei der Ehre packen, wenn du nur 18 Tore wirfst. Das wird auch Ansporn genug sein, im Training wieder eine höhere Qualität zu erarbeiten.


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