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SIEGERFAUST: Das Recken-Trio Kai Häfner, Geschäftsführer Benjamin Chatton und Erik Schmidt (von links) bei der Titelfeier in Krakau.
Handball Europameister

Hannover: Wilde Tage für zwei Recken

Was für eine Woche für unsere Handball-Helden aus Hannover: Die Recken Erik Schmidt und Kai Häfner sind Europameister. Da tut es gut, dass sie jetzt zumindest mal zwei Tage durchatmen können.

Hannover. „Ich sitze gerade auf der Couch und habe mein Handy aufgeladen. Da stehen noch einige Telefonate an“, erzählte Häfner gestern der NP. Hannovers EM-Held Nummer eins erlebte in Polen sein ganz persönliches Handball-Märchen. Vom Sofa zum Titel. Häfner war nachnominiert worden - und sofort Torgarant: „Ich habe immer gesagt, wenn ich gebraucht werde, gebe ich alles fürs Team und die Sache.“

Das klappte sensationell gut. So gut, dass Häfner jetzt einen ziemlich vollen Terminkalender hat. Und wenig Schlaf. Erst gabs den EM-Titel mit anschließendem Feiermarathon („Die Nacht von Sonntag auf Montag war wirklich kurz“). In Berlin gings weiter mit der Fan-Party, gestern war Häfner frühmorgens in Köln bei „Guten Morgen, Deutschland“ von RTL zu Gast. Um 6 Uhr. „Mein Wecker hat so früh geklingelt wie schon lange nicht mehr. Um 4.30 Uhr“, erzählte der Rückraum-rechts-Recke, „aber das ist ja positiver Stress. Wenn man es überhaupt Stress nennen kann.“ Kein Wunder, dass Häfner noch nicht alle der weit mehr als 100 Glückwunsch-SMS zum Titel beantworten konnte.

Die nächsten Tage? „Die sind noch nicht geplant. Mal schauen.“ Vielleicht gehts aus Hemmingen, wo Häfner wohnt, in die Heimat Schwäbisch Gmünd zu den Eltern. Auf jeden Fall steht etwas Entspannung an: „Ich genieße die Ruhe.“

Und das Fazit von Hannovers EM-Held Nummer zwei? Kreisläufer Schmidt war von Beginn an beim Team - und hatte zwischendurch auch mal mit Langeweile zu kämpfen. Keiner seiner Mitspieler hatte an eine Spielkonsole gedacht. „Da war ich total geschockt“, erzählte Schmidt der NP gestern lachend. Stattdessen vertrieben sich die Spieler die Zeit zum Beispiel beim Kartenspielen im Gesellschaftsraum, kleinen Ausflügen in die Stadt - oder mit Schlafen.

Nicht immer aufregend für den 23-jährigen 2,04-Meter-Riesen. Vor allem die Abläufe am Spieltag waren immer gleich: „Frühstück, Mittag, dann Kaffeetrinken und ein Spaziergang.“ Ein Glück, dass die Familie mit nach Polen gereist war: seine Eltern und Großeltern, Freundin Lisa. Ein Stück Heimat: „Dass sie da waren, war phänomenal. Das hat mir wahnsinnig viel gegeben.“

Gestern fuhr er von Hannover aus in die Heimat nach Rüsselsheim. Nach einem kurzen Schock: Während der EM war sein Opel Corsa in Hannovers Südstadt abgeschleppt worden. „Ich dachte erst, ich bin zu blöd und habe vergessen, wo ich ihn geparkt habe“, schilderte Schmidt lachend.

Egal. Mit Freundin Lisa gings gestern zu seinen Eltern: „Da kann ich ein bisschen abschalten.“ Und den Erfolg genießen, „komplett realisiert hat man das noch nicht. Wir sind zurzeit die beste Mannschaft in Europa. Das ist ein wahnsinnig geiles Gefühl.“ Davon sei das Team von Tag eins an überzeugt gewesen, verrät Schmidt: „Ein großer Faktor war unsere Gewinnermentalität. Vor dem Finale war uns allen klar, es gibt nur eine Option: gewinnen.“

Für den Sieg gabs übrigens eine Medaille („Mal sehen, wo sie hinkommt. Irgendwo, wo ich sie jeden Tag sehe“) - und 500 Glückwunsch-SMS aufs Handy.

Und wie gehts weiter? Die Tour mit der Nationalmannschaft ist für beide Recken trotz zwei freier Tage noch nicht zu Ende. Freitag gehts beim Allstar-Game der Bundesliga gegen eine Ligaauswahl. Bis Sonntag stehen weitere TV-Auftritte an.

Ab Montag ruft dann wieder der Alltag in Hannover. Hoffentlich mit der gleichen Siegermentalität wie bei der EM.


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