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© Florian Petrow

Die Recken

Handball ist Hannovers neuer Fußball

Bei den Bundesliga-Fußballern von 96 läufts nur traurig, aber kein Problem für diese sportverrückte Stadt: Es gibt ja die Recken. Die erkämpften sich gegen die Übermannschaft THW Kiel ein 30:30. Hannover tröstet sich mit tollem Handball. Und wie! Die knapp 10 000 Fans in der Tui-Arena sahen Einsatz, Kampf und eine Weltklasseleistung von Torwart Martin Ziemer.

Hannover. „Oh, wie ist das schön“ dröhnte es nach dem Schlusspfiff aus den Boxen. Die Fans brüllten mit. Ihre Recken hatten gerade Sensationelles geleistet. Ein Punkt gegen Kiel, der erste überhaupt im 14. Spiel gegen den THW. Das hatte den verletzungsgebeutelten Recken kaum einer zugetraut.

Trainer Jens Bürkle konnte sich kurz nach Abpfiff trotzdem nicht so richtig freuen. „Das ist eine komische Situation. Du holst einen Punkt gegen Kiel mit einer sehr angeschlagenen Mannschaft und weißt nicht, ob du richtig glücklich sein sollst oder doch ein bisschen nachtrauerst“, sagte Bürkle. Denn seine Recken hatten die Chance zum Sieg gehabt. Und das ohne Leistungsträger wie EM-Held Kai Häfner und Spielmacher Morten Olsen. Dafür mit Hingabe und jeder Menge Leidenschaft.

Fast das ganze Spiel über waren die Recken am Drücker und lagen acht Minuten vor Schluss sogar mit vier Toren vorne (26:22). Dank der starken Abwehr und eines noch stärkeren Ziemer im Tor. Die abgezockten Kieler kamen trotzdem ran. Auch, als Bürkles Männer 70 Sekunden vorm Ende mit zwei Toren führten (30:28). Erst traf der überragende Christian Dissinger (elf Tore), dann glich Christian Sprenger aus. Die letzte Chance hatten zwar die Recken, doch Kiel-Torhüter Niklas Landin lenkte den Schlagwurf von Mait Patrail (fünf Tore) an den Pfosten.

„Es war eine Riesenleistung von uns, das macht mich glücklich. Ich bin stolz auf meine Truppe“, freute sich Bürkle dann doch über den Punkt. Und über die 9900 Zuschauer, die in der spannenden Schlussphase nicht mehr saßen, sondern standen und die Recken nach vorne peitschten. Das freute auch Geschäftsführer Benjamin Chatton: „Die Tui-Arena hat uns getragen. Das hatten wir in der Form noch nicht erlebt“, lobte er. Seit fünf Jahren sind die Recken bei ihren Arena-Spielen ungeschlagen.

Doch in dem Überraschungserfolg steckt auch eine vergebene Chance. Die Recken sind im neuen Jahr noch ohne Sieg. In sechs Spielen gab es lediglich vier Unentschieden, der Rückstand auf die Europa-Plätze beträgt mittlerweile schon vier Punkte.

Von Jonas Szemkus


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