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HANDBALL

Das hat der Recken-Macher auf dem Schirm

Benjamin Chatton (35) ist  seit dem 1. Juli 2011 für den Handball-Bundesligisten TSV Hannover-Burgdorf als Geschäftsführer tätig. Im NP-Interview spricht er über wenig Schlaf, ausverkaufte Hallen und die aktuelle Kaderplanung.

Hannover. . Herr Chatton, Sie werden am Sonntag 35 Jahre alt. Was wünschen Sie sich?

Den Weltfrieden. Und ein bisschen mehr Schlaf.

Warum?

Ich komme momentan mit fünf Stunden Schlaf aus, das hätte ich mir zu Studentenzeiten nicht zugetraut.

Zweifacher Familienvater, Geschäftsführer der Recken, Funktionär bei der Liga, nebenbei noch eine Manager-Fortbildung – wie bekommen Sie das alles unter einen Hut?

Dass es zu Hause klappt, liegt zu 99,9 Prozent an meiner Frau. Es liegt auf der Hand, dass ich nicht derjenige bin, der den Laden zusammenhält. Sie trägt das wunderbarerweise mit. Wenn wir können, nehmen wir uns kleine Zeitfenster. Aber ich jammere nicht. Mir geht es gut! Die Arbeit macht mir Freude. Es zwingt mich niemand, dieses Leben so zu führen.

Es läuft ja auch gut für die Recken. Ausverkaufte Halle gegen Magdeburg und Flensburg, für das Kiel-Spiel in der Tui-Arena sind fast 8000 Karten abgesetzt. Ist das ein Recken-Boom oder ein EM-Boom?

Die große Aufmerksamkeit kommt ohne Zweifel durch die Handball-EM, zudem hatten wir zwei Spieler dabei und mit Kai Häfner sogar jemanden, der im Halbfinale und Finale äußerst prägnant und präsent aufgetreten ist. Dann kommt hinzu, dass wir zumindest in den Heimspielen immer ordentliche Leistung gezeigt und meist spannende Spielverläufe haben. Das führt dazu, dass treue Fans immer wieder kommen. Und dass neue Zuschauer kommen, die die Recken-Festung für sich entdecken.

Ist es allein der sportliche Erfolg, der so einen Boom auslöst?

Sportlicher Erfolg ist immer der größte Hebel, um Massen anzusprechen, ja. Man kann gutes Marketing machen oder eine gute Markenbildung. Das ist das Fundament und ist zudem ein Fallschirm in schlechten Zeiten. Aber das große Trampolin ist der sportliche Erfolg.

Wie lässt sich die Euphorie halten?

Euphorie kann man nie halten. Weil Euphorie etwas ist, was zumeist aus der Überraschung entsteht. Man kann nur versuchen, die Menschen, die jetzt euphorisch zum Handball gehen, zum Wiederkommen zu bewegen. Das haben wir bisher kontinuierlich geschafft. Aber man muss jedes Mal den Käufer vom Produkt überzeugen. Das ist wie bei einem Haarschnitt, wir sind in der Dienstleistungsbranche. Wenn du 20-mal die Haare gut geschnitten hast, wird dir der Kunde verzeihen, wenn es einmal nicht gut war. Aber wenn du beim ersten Mal die Haare nicht gut schneidest, dann kommt der Kunde nie wieder.

Die Recken liegen drei Punkte von einem EHF-Cup-Platz entfernt. Was geht noch Richtung Europa?

Ich glaube, dass die Liga in diesem Jahr so ausgeglichen ist, dass eine Prognose nicht möglich ist. Der Blick Richtung Europa bringt nichts. Wenn wir eine reelle Chance haben wollten, dürften wir eigentlich nicht drei Punkte hinter den Rängen liegen, sondern müssten mindestens auf Augenhöhe sein. Das ist für mich weit weg. Und das ist auch nicht unser tägliches Gedankengut. Wir müssen sehen, dass wir unsere Spiele gewinnen.

Die Recken schnuppern an Europa, parallel steht 96 am Abgrund. Gefällt Ihnen die Vorstellung, dass die Recken bald sportlich die Nummer eins der Stadt sein könnten?

Nein, es ist schade für die Sportregion Hannover, wenn 96 absteigt. Ein Imagefaktor für die Stadt würde verloren gehen, Sport ist ein günstiger Imageträger für eine Region. Als jemand, der jetzt fast fünf Jahre hier wohnt und zudem viele Entscheidungsträger kennt, kann ich mich nicht darüber freuen.

Ist ein Absturz, wie 96 ihn erlebt, auch bei den Recken möglich?

Eins ist ganz sicher: Sportliche Erfolge aus der Vergangenheit garantieren dir genau: gar nichts. Erfolg muss sich immer wieder neu erarbeitet werden.

Fünf Vertragsverlängerungen, Fabian Böhm verpflichtet. Ist die Kaderplanung für die neue Saison abgeschlossen?

Ja. Casper Mortensen, den wir im Februar geholt haben, ist die einzige Option, die noch offen ist. Es ist eine strategische Frage: Wie positioniert man sich auf Linksaußen. Die Wahrscheinlichkeit ist gering, dass er kein besseres Angebot von einem anderen Verein bekommt. Mal schauen.

Apropos anderer Verein. Die Rhein-Neckar-Löwen suchen einen neuen Manager. Wurden Sie schon kontaktiert?

Ich verweise erneut auf meinen Vertrag bis 2018 und darauf, dass ich die Rahmenbedingungen hier sehr zu schätzen weiß.


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