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Ob Ron-Robert Zieler am Dienstag gegen Holland wieder im Tor steht, ist noch unklar.

Terror in Paris

Zielers schlimmste Nacht

Der 96-Torwart Ron-Robert Zieler war mittendrin im mörderischen Chaos. Seit Sonnabend ist er zurück in Hannover. Spielt er morgen?

Hannover/Paris. Als die Bomben vor dem Stadion gezündet wurden, hat Ron-Robert Zieler die Druckwelle auf der Ersatzbank gespürt. Nach dem Abpfiff in Paris musste der Torhüter aus Hannover mit den anderen deutschen Nationalspielern die Nacht in der Kabine verbringen – voller Ohnmacht. Der Terror krachte in das Leben eines Fußballspielers. Sie wollten nur spielen und sind plötzlich mittendrin im mörderischen Chaos.

Seine Gefühle fasste Zieler nach der Rückkehr bei Facebook in Worte. Der Schock sitzt tief, die Nacht des Schreckens wird er so schnell nicht vergessen.

Auf eilig besorgten Matratzen in der Umkleidekabine versuchen zu schlafen statt im gebuchten Luxushotel zu nächtigen, war noch das geringste Problem. Verständlich, dass kaum ein Spieler ein Auge zugemacht hat. Wer konnte trotz aller Sicherheitsmaßnahmen garantieren, dass die Mörder nicht einen neuen Anlauf im Stadion versuchen?

Immerhin waren weder Zielers Freundin noch seine Eltern nach Paris mitgekommen. Wenigstens diese Sorge, die andere Spieler bedrückte, war er los.
Nichts wie weg aus Paris, war der Plan. Um 6.30 Uhr fuhr der Torhüter am Sonnabend mit der Mannschaft zum Flughafen, um 10 Uhr landete die Maschine in Frankfurt/Main. Von da flog er mittags weiter nach Hannover. Am Nachmittag kam Zieler in seiner Wohnung in Hannover an. Der Torwart nahm Kontakt zu 96 auf und wartete auf die Entscheidung, ob in Hannover gespielt wird oder nicht. Auch die Spieler hatten darüber im Vorfeld keine Informationen. Zieler stellt sich darauf ein, dass er spielen wird.

Es soll weitergehen, schon morgen könnte der 26-Jährige eine Hauptrolle gegen Holland spielen. Auch Kevin Trapp und Bernd Leno sind aber Kandidaten fürs Tor. Manuel Neuer fehlt.
Für 96-Chef Martin Kind wäre es wichtig, wenn sich die schrecklichen Erlebnisse nicht im Kopf festfressen. „Es könnte eine Traumatisierung bedeuten“, meint Kind, „da raten die Fachleute, dass es gut ist, diese Gefühle schnell abbauen zu können.“ Kind vermutet, dass Zieler mit der Situation nicht überfordert ist. „Er kann damit umgehen, er ist deutlich stabil.“ Zumindest hat ihn der 96-Chef „so kennengelernt“. Andreas Willeke und Dirk Tietenberg


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