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Oliver Bierhoff hat sich in einer Woche der Extreme als Krisenmanager bewährt.

Oliver Bierhoff hat sich in einer Woche der Extreme als Krisenmanager bewährt. © Frank Rumpenhorst

Fußball

Woche der Extreme für den DFB - Krisenmanager Bierhoff

In einer der ereignisreichsten Woche der DFB-Geschichte musste sich die neue Verbandsspitze beweisen. Inmitten der Aufklärung des WM-Skandals waren Reinhard Koch und Reinhard Rauball gefordert. Als Krisenmanager in der Pariser Terrornacht bewies sich Oliver Bierhoff.

Frankfurt/Main. WM-Skandal, Präsidentenrücktritt, Terrornacht. In einer Woche der Extreme hat die gerade notgedrungen umformierte Führungsspitze des Deutschen Fußball-Bundes um die Interimschefs Reinhard Rauball und Rainer Koch gleich in mehreren Krisensituationen Handlungsstärke beweisen müssen.

In den schwierigen Stunden von Paris wurde besonders Teammanager Oliver Bierhoff zum Krisenmanager im Kreise der Weltmeister. Koch lobte den Ex-Nationalspieler nach der Rückkehr nach Deutschland. Er sei derjenige gewesen, "der großartig immer mit den Spielern gesprochen hat, der sie informiert hat, beruhigt hat und auch immer wieder darauf hingewiesen hat, dass jeder Kontakt mit seinen Liebsten zuhause halten soll", sagte Koch im ZDF-Sportstudio über die lange Nacht der Nationalmannschaft in den Katakomben des Stade de France.

Schon nach der Bombendrohung am Freitagvormittag im Teamhotel war es Bierhoff gewesen, der sich an dem rot-weißen Absperrband den Fragen stellte. "Es war wichtig, alles sachlich zu kontrollieren. Wir haben großes Vertrauen in die Polizei", sagte Bierhoff, noch nicht ahnend, wie wichtig die Arbeit der Sicherheitskräfte am Abend werden sollte.

Bierhoff war bei allen Entscheidungen dieser unglaublichen Woche dabei. Als Präsidiumsmitglied verfolgte er die Sitzung am Montag, nach der der befreundete Wolfgang Niersbach im Zuge des WM-Skandals seinen Posten an der DFB-Spitze aufgab. Am Sonntag war er maßgeblich an der Entscheidung über die Austragung des Länderspiels gegen die Niederlande in Hannover eingebunden.

Führungsstärke mussten Rauball und Koch gleich in ihrer ersten Woche als vorläufige DFB-Präsidenten beweisen. Die immense Kritik nach den Enthüllungen um die dubiosen Machenschaften vor der Vergabe der Heim-WM 2006 setzte die Funktionäre unter Zugzwang - inklusive notwendiger klarer Worte in Richtung der weiter schweigenden Lichtgestalt Franz Beckenbauer. "Wir haben die Bitte, dass er sich intensiver einbringt in die Aufklärung der Vorgänge", sagte Koch.

Sowohl Ligapräsident Rauball als auch Amateurvertreter Koch standen bei ihrer Arbeit permanent in einem Spannungsfeld. Denn über allen Krisen steht auch die Frage der künftigen Machtverteilung im DFB. Vielen Akteuren werden Ambitionen unterstellt. Ganz klar positioniert hat sich noch keiner, vermutlich auch aus taktischem Kalkül.

Die Zukunftsfrage wird auch die nächste spannende Woche prägen, wenn sich die Vertreter der 21 Landesverbände am Dienstag in Hannover treffen. Koch bezeichnete sie als "seine Mannschaft". Nach der Sitzung dürfte feststehen, ob er oder Schatzmeister Reinhard Grindel zum Präsidentschaftskandidaten der Basis wird. Der Profifußball hat noch keinen eigenen Kandidaten präsentiert. Rauball winkte schon ab.

"Wichtig ist, dass die Einheit zwischen Profis und Amateuren im deutschen Fußball gewahrt bleibt", sagte Koch. Am kommenden Freitag könnte genau dieses traditionelle Konfliktfeld bei der einberufenen Präsidiums-Sondersitzung wieder aufbrechen. Mit am Tisch sitzt dann auch wieder Oliver Bierhoff, für den der Präsidentenposten "kein Thema" ist. So verkündete er es zu Beginn der extremen Woche.

dpa


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