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Klaus Allofs ist der Geschäftsführer des SV Werder Bremen.

Klaus Allofs ist der Geschäftsführer des SV Werder Bremen. © Carmen Jaspersen

Fußball

Werder: Applaus trotz Rekord-Minus - Bode gewählt

So aufgeregt ist Klaus Allofs selten zu sehen. Als der Geschäftsführer von Werder Bremen den Vereinsmitgliedern das Rekord-Minus von 13,9 Millionen Euro erklären musste, da wirkte der sonst so sicher auftretende Allofs ungewohnt nervös.

Bremen. Einige Erläuterungen zu den Geschäftszahlen las der redegewandte Manager des Fußball-Bundesligisten sogar vom Manuskript ab. Doch die Bedenken waren unbegründet, trotz der erschreckenden Zahlen gab es nach Allofs' Auftritt wohlwollenden Applaus - auch von Marco Bode, der während der fast fünfstündigen Veranstaltung als einziger Neuer in den Aufsichtsrat gewählt wurde.

Da war sie wieder, die heile Werder-Welt in einer in die Jahre gekommenen Turnhalle. Selbst der fette Verlust in der Bilanz führt an der Weser nicht zur branchenüblichen Unruhe. Buhrufe oder Pfiffe? Nein, in Bremen gibt es Verständnis und warme Worte.

"Das war eine eindrucksvolle Veranstaltung, obwohl es erstmals so ein Minus gab", kommentierte Willi Lemke, der wiedergewählte Vorsitzende des Aufsichtsrates. Die schlechten Zahlen seien durch das Verpassen des internationalen Geschäfts erklärbar, die Sparmaßnahmen längst eingeleitet. Allofs habe das "hervorragend vorgetragen", lobte Lemke: "Das haben die Mitglieder verstanden."

Der Chef des Kontrollgremiums sagte aber auch mit Blick auf die Geschäftsführung der Werder Bremen GmbH & Co KG aA: "Wir setzen darauf, dass sie das wieder geradebiegen." Und: "Wir müssen schlaue Wege gehen."

Das Minus ist laut Lemke und Allofs nicht existenzgefährdend, weil aus den Gewinnen der Vorjahre Gewinn-Rücklagen vorhanden sind. "Wir haben Substanz gebildet und können das verkraften", versicherte Lemke. Und Allofs betonte: "Wir haben keine Schulden. Werder gehört weiter zu den Vereinen, bei denen es gut aussieht."

Dass es auch im kommenden Geschäftsjahr ein negatives Ergebnis geben wird, ist indes absehbar, weil Werder auch in der laufenden Saison nicht international spielt. Nur soll das Minus dann keine neue Rekordmarke erreichen und deutlich kleiner ausfallen.

Durch den radikalen Umbau des Kaders, in dem es keinen Mertesacker, Pizarro, Frings oder Wiese gibt, sind die Personalkosten bereits um rund 20 Prozent auf geschätzte 40 Millionen Euro gesenkt worden. Teure Star-Verträge wie in den sieben Jahren mit sechs Champions-League-Teilnahmen soll es nicht mehr geben.

Trotz des Endes der fetten Zeiten präsentiert sich Werder fast immer als harmonischer Verein, auch wenn Lemke und Allofs sich vor ein paar Monaten kleinere Scharmützel wegen des Sparkurses geliefert hatten. Passend dazu wurde am Montag mit überwältigender Mehrheit der langjährige Profi Marco Bode in den Aufsichtsrat gewählt, der vielen in Bremen als Hoffnungsträger gilt.

Bode, der während der Marathon-Sitzung neben Trainer Thomas Schaaf saß, soll künftig mit dem Kontrollgremium auf die wirtschaftliche Situation achten. "Das ist eine spannende Aufgabe", sagte der 43-Jährige, der als Profi 379 Partien für Werder absolvierte. "Ich habe vor, zur Geschäftsführung einen engen Draht zu halten", kündigte er an. Auch das hört sich weniger nach strenger Aufsicht, sondern eher familiär an.

dpa


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