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Eberhard Vogel hat als Spieler und Trainer viele Erfolge gefeiert.

Eberhard Vogel hat als Spieler und Trainer viele Erfolge gefeiert. © Jan-Peter Kasper

Fußball

Wembley-Tor und DDR-Rekordspieler - Vogel wird 70

Fußball ist noch immer das Lebenselixier von Eberhard Vogel. Auch als Rentner kann er nicht davon lassen. Jeden Mittwoch ist er dabei, wenn sich die Jenaer Oldies im Abbe-Sportfeld treffen.

Jena. "Da spielen diejenigen, die noch ein bissel laufen können, wie Lothar Kurbjuweit, Harald Irmscher, Bernd Stange oder Jürgen Raab. Ich gehe mehr hin zum Quatschen und auf das Bierchen danach", erzählt der einstige gefürchtete Linksaußen, der am Montag 70 Jahre alt wird.

20 Jahre, von 1962 bis 1982, lief der gebürtige Sachse zur Rekordzahl von 440 Oberliga-Einsätzen auf. Dabei erzielte er 188 Tore - die zweitmeisten im DDR-Oberhaus. Mit dem FC Karl-Marx-Stadt (heute Chemnitzer FC) wurde er Meister, mit dem FC Carl Zeiss Jena dreimal Pokalsieger. 1969 wurde er zum DDR-Fußballer des Jahres gewählt. Außerdem gewann er zweimal Olympia-Bronze, 1964 in Tokio und 1972 in München. Im Trikot der Jenaer kassierte er aber auch die wohl bitterste Niederlage seiner Laufbahn. Noch heute ärgert ihn das 1:2 im Endspiel des Europacups der Pokalsieger 1981 in Düsseldorf gegen Dynamo Tiflis.

Im Auswahltrikot traf Vogel in 75 Länderspielen 25 Mal. Sein berühmtestes war wohl das Wembley-Tor aus 40 Metern gegen Peter Shilton. Vogel selbst hat vom Auftritt vor 100 000 Zuschauern beim 1:3 gegen England vor allem die unvergleichliche Atmosphäre und die Begrüßung durch die Queen per Handschlag in Erinnerung. Als sein spektakulärstes Tor sieht er einen direkt verwandelten Eckball 1964 gegen den damaligen Europameister Sowjetunion an. "Da gehört Glück dazu. Aber ich habe es bewusst mit dem linken Außenrist versucht", sagt der auch international umworbene Vollblutstürmer von einst.

Nach einem Spiel der DDR-Auswahl bot der Pélé-Club FC Santos einst eine Ablösesumme von 1,5 Millionen Mark und 500 000 Mark Handgeld für Vogel. Doch erster DDR-Auslandsprofi durfte und wollte der bodenständige "Matz" Vogel nicht werden.

Nach der aktiven Laufbahn gewann der diplomierte Sportlehrer als Verbandstrainer mit drei DDR-Nachwuchsmannschaften einen kompletten Medaillensatz bei WM und EM. Matthias Sammer, Andreas Thom und Frank Rost gehörten damals zu den Akteuren. Nach der Wiedervereinigung war Vogel von 1992 bis 1993 bei Hannover 96 der erste "Ossi" als Bundesliga-Cheftrainer.

Als seine größten Trainer-Erfolge sieht er den Jenaer Wiederaufstieg 1995 in die 2. Bundesliga und die Magdeburger Pokal-Sensationen mit Siegen gegen den 1. FC Köln, den Karlsruher SC und den FC Bayern München ein. Der finanzielle Erfolg rettete den Verein damals vor der Insolvenz, Vogel letztendlich aber nicht den Job.

Den in die vierte Liga abgerutschten Jenaer Fußball verfolgt er nur noch als Zuschauer. "Traurig, was aus dem Traditionsverein geworden ist", sagt Vogel. Ähnlich werden es auch die gut 50 Geburtstagsgäste sehen, die mit ihm in einer Jenaer Gaststätte im kleinen Kreise feiern wollen.

dpa


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