Navigation:
Emre Can will auch in Schottland wieder spielen.

Emre Can will auch in Schottland wieder spielen. © Fredrik von Erichsen

Fußball

Wackel-Debütant Can hebt den Finger für die Lahm-Position

Aller Anfang ist schwer. Gegen Polen erlebt Emre Can als rechter Verteidiger ein Debüt mit Glücksgefühlen und Schreckmomenten. "Hier sind Männer", stellt der 76. Debütant unter Bundestrainer Löw fest.

Glasgow. Emre Can hat das Debüt bei den großen Jungs gleich Lust auf mehr gemacht.

"Ich hätte nichts dagegen, Montag wieder zu spielen", sagte der 21-Jährige mit Blick auf die erste Auslandsreise mit der deutschen Fußball-Nationalmannschaft, die ihn am Sonntag nach Glasgow zum EM-Qualifikationsspiel gegen Schottland führte. Nach dem 3:1-Sieg gegen Polen hatten die Glücksgefühle beim Länderspiel-Neuling überwogen, auch wenn der Defensivspieler vom FC Liverpool angenehm selbstkritisch mit seiner insgesamt wackligen Vorstellung im Frankfurter Stadion umging. "Ich bin nicht gut ins Spiel gekommen, die zweite Halbzeit wurde es besser", resümierte er.

Gegen den forschen Kamil Grosicki hatte Can einen extrem schweren Stand gehabt. Nicht nur vor dem Gegentreffer entwischte ihm Polens Bester. Can zahlte Lehrgeld. Rechts in der Dreierkette hatte er in Liverpool schon häufiger gespielt, aber in der Viererkette nach eigener Erinnerung zuvor erst einmal. "Das ist eine völlig andere Position", gab Can zu bedenken. Gerade im Stellungsspiel müsse er sich verbessern. "Ich muss da noch lernen, wann ich nach innen und wann ich nach außen gehe in der Viererkette. Aber je mehr ich spiele, umso mehr lerne ich", sagte der ins A-Team beförderte U21-Akteur.

Das Positive überwog bei ihm. "Ich war überglücklich, dass ich spielen durfte", berichtete der nach dem Pflichtspieleinsatz fest an den DFB gebundene Deutsch-Türke: "Ein Traum ist wahr geworden."

Joachim Löw sah über die Premieren-Mängel seines 76. Debütanten großzügig hinweg. "Es war nicht einfach, im ersten Spiel gegen Tabellenführer Polen so eine Drucksituation auszuhalten", sagte der Bundestrainer. "Im Verlauf des Spiels hat er sich gut eingefunden. Zweikampfstark, körperlich stark, gutes Passspiel - für mich war es ein gutes, ordentliches Debüt", sagte Löw. Und dieses Urteil zählt.

Can gestand ehrlich, dass zwischen dem Fußball bei den Junioren und dem im Weltmeister-Ensemble ein "sehr großer" Unterschied liege. "In der U21 sind viele junge Spieler. Hier sind Männer, erwachsene Leute, das merkt man." Ausnahmslos Zuspruch gab es für den Beförderten von den prominenten Kollegen wie Torhüter Manuel Neuer: "Er ist ein Spieler, der körperbetont Fußball spielt und auch einen guten Pass spielen kann." Und Toni Kroos meinte: "Wir haben wieder eine Alternative mehr auf der Position."

Nach einem Nachfolger, der rechts hinten jenes Vakuum füllen könnte, das Philipp Lahm hinterlassen hat, fahndet der Bundestrainer seit der WM vergeblich. Weil Can weiß, dass die Konkurrenz auf seiner Lieblingsposition im defensiven Mittelfeld zumindest in der näheren Zukunft übermächtig ist, könnte er sich mit der ungewohnten Außenverteidigerrolle absolut anfreunden. "Ja klar! Wenn der Bundestrainer sagt, ich soll da spielen, spiele ich sehr gerne da." Am liebsten schon wieder am Montagabend gegen die Schotten.

dpa


Bildergalerien Alle Galerien
Anzeige
Anzeige