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Bastian Schweinsteiger und Manuel Neuer möchten mit Bayern den Thron der Champions League besteigen.

Bastian Schweinsteiger und Manuel Neuer möchten mit Bayern den Thron der Champions League besteigen.© Andreas Gebert

Fußball

Viel Lob: Bayern von "anderem Planet"

Nach dem Signal an Europa fanden die Bayern-Bosse bei einem nächtlichen Gläschen Rotwein schnell ihren Wunschgegner für das Halbfinale der Champions League. "Dortmund wäre jetzt schön", berichtete Präsident Uli Hoeneß von den Experten-Gesprächen zu später Stunde beim feierlichen Bankett.

Turin. "Wir wollen ins Endspiel. Und wenn Sie mich fragen, ich glaube, Dortmund wäre der Gegner, bei dem wir am meisten Chancen haben. Meinen Sie, dass Dortmund besser ist als Real oder Barcelona? Ich glaube nicht", betonte Hoeneß, als er "total" stolz den Salone delle Feste des noblen Mannschaftshotels in Turin verließ.

 Am Tag nach dem dominanten Auftritt beim 2:0 gegen Juventus Turin hielt Hoeneß bei der Rückreise seinen Halbfinal-Wunsch aufrecht, "aber wenn wir zuerst in Madrid oder in Barcelona spielen werden, kriegen wir auch nicht die Hosenflatter", versicherte der Präsident am Donnerstag - einen Tag vor der Auslosung der letzten Station auf dem Weg ins Finale am 25. Mai im Londoner Wembleystadion.

 FC Bayern München, Borussia Dortmund, Real Madrid und FC Barcelona lautet die erlesene Auswahl der besten vier Teams Europas. So souverän wie der deutsche Fußball-Rekordmeister, der dem 2:0 zu Hause auch ein 2:0 bei Juventus Turin folgen ließ, schaffte es kein anderes Team in diese Vorschlussrunde. "Es ist eine fantastische Woche. Am Samstag sind wir deutscher Meister geworden. Und vier Tage später, was ja nicht so ganz einfach ist, haben wir die Spannung hochgehalten und wieder diese Gier gezeigt. Die Mannschaft spielt eine großartige Saison", lobte Vorstandschef Karl-Heinz Rummenigge in seiner Bankettrede kurz nach Mitternacht.

 Die über 300 Bankettgäste durften sich zur Feier des "wunderbaren Moments" (Rummenigge) Pasta in Muschelsoße, Beef Stroganoff oder Antipasti schmecken lassen. In Spielerkreisen gab es hier und da ein Glas Bier, Arjen Robben verabschiedete sich mit einem Glas Rotwein in der Hand in die Nacht. "Lassen wir uns abwarten, was am Freitag das Los bringt", erklärte der Niederländer und nippte kurz an seinem Glas. Bevor er den Hotellift bestieg, prognostizierte er aber schon einmal große Semifinal-Duelle. "Jetzt wird es Feuerwerk geben. Die zwei Halbfinale werden super." Und in Europa ist der Respekt riesengroß vor dem FCB. "Bayern ist von einem anderen Planeten", schrieb "La Repubblica" in Italien.

 Der Champions-League-Sieger, so viel ist schon jetzt klar, kommt aus einer der beiden zuletzt dominierenden Fußball-Nationen. Erstmals stehen zwei deutsche Teams im Halbfinale - und praktisch die kompletten Nationalteams der beiden Länder. "Im Moment sind der deutsche und der spanische Fußball eindeutig die Nummer 1 in Europa und es ist kein Zufall, dass die vier Mannschaften im Halbfinale sind", erklärte Hoeneß.

 Ein Glückslos sind die Münchner dabei sicher für keinen. "Ich denke, dass sich nicht jeder gerade Bayern München wünscht", erklärte Trainer Jupp Heynckes nach einer kurzen Nacht. Und eine erste Replik aus Dortmund gab es auch schon. "Die vergangenen Jahre haben ja gezeigt, dass wir gegen die Münchner durchaus das ein oder andere Spiel gewinnen können", sagte Borussia-Geschäftsführer Hans-Joachim Watzke der Zeitung "Die Welt". "Da sollte sich Uli Hoeneß also nicht zu sicher fühlen."

 Alles ist möglich für den frisch gekürten deutschen Meister FC Bayern: Der große Triple-Triumph, aber auch eine neuerliche Demütigung durch die Dortmunder Borussia, die den Münchnern in den vergangenen zwei Jahren schon jede Menge Schmerzen zugefügt hatte. Zu gerne möchte man nach der Dominanz in der Liga und dem Erfolg im direkten Duell des DFB-Pokals auch in der Königsklasse zeigen, wer die Nummer 1 ist. Auch wenn die Dortmunder in dieser Champions-League-Saison als einziges Team ungeschlagen sind.

 Dass Hoeneß sich nun den BVB als liebsten Halbfinalgegner wünschte, war ein Zeichen des weiter gestiegenen großen Selbstvertrauens. Aber die Fallhöhe ist auch enorm hoch: Denn wie viel zählt der Meistertitel oder das Double, wenn der FC Bayern in der Königsklasse ausgerechnet gegen Jürgen Klopp & Co. ausscheidet?

 Doch an ein solches Szenario glaubt beim FC Bayern dieser Tage niemand. Vielmehr ist selbst der FC Barcelona mit Superstar Lionel Messi keine unerreichbare Übertruppe mehr, die nur an einem Sahnetag zu besiegen ist. "Sie haben ein bisschen von ihrem Nimbus verloren", befand Hoeneß nach dem 1:1 der Katalanen gegen Paris St. Germain. Stattdessen könnten die Münchner nun wie 2001 die Champions League gewinnen - findet zumindest der italienische Rekordmeister.

 "Wir sind gegen eine Mannschaft ausgeschieden, die alles mitbringt, um den Titel zu gewinnen", sagte Italiens Torwartlegende Gianluigi Buffon. Sein Trainer Antonio Conte prophezeite den Bayern glorreiche Zeiten. "Bayern wird über die kommenden Jahre eine der besten Mannschaften in Europa sein", sagte Conte, dessen Team durch Treffer von Mario Mandzukic (63. Minute) und Claudio Pizarro (90.+1) ausschied. Pizarro wünschte sich wie sein Präsident danach schnell den BVB als Gegner auf dem Weg ins Endspiel am 25. Mai im Londoner Wembleystadion. Und erst dort könnte dann das Final-Trauma vom Elfmeterdrama im Vorjahr gegen den FC Chelsea verdrängt werden.

 "Wir sollten versuchen, in den nächsten Wochen alles in die Waagschale zu werfen, dass wir diesen 19. Mai, der uns allen noch ein bisschen in den Gliedern steckt, so schnell wie möglich abbauen", forderte Rummenigge. Man werde "gespannt", so der starke Torhüter Manuel Neuer, auf die "Lostrommel am Freitag" schauen. Warum dabei Dortmund ein gutes Los sei, brachte Ehrenpräsident Franz Beckenbauer kurz und bündig auf den Punkt: "Weil Bayern dann weiterkommt."

dpa


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