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Bastian Schweinsteiger (l) wurde von Louis van Gaal ausgewechselt.

Bastian Schweinsteiger (l) wurde von Louis van Gaal ausgewechselt. © Peter Powell

Fußball

Van Gaal wechselt Schweinsteiger aus und meckert

Der Kapitän der deutschen Nationalmannschaft bekommt von seinem Trainer ein paar unfreundliche Worte zu hören. Und wie reagiert der Weltmeister nach dem United-Sieg gegen Wolfsburg? Er schweigt.

Manchester. Bastian Schweinsteiger legte die Arme um Dante. Während der Wolfsburger Profi in den Katakomben des Old Trafford ein Interview auf Portugiesisch gab, rückte der deutsche Nationalspieler an seinen ehemaligen Kollegen heran und flüsterte ihm grinsend ein paar Sätze ins Ohr.

"Was er gesagt hat, verrate ich nicht", sagte der gerührt wirkende Brasilianer. Nur soviel: "Er wird immer ein großer Freund bleiben, er hat mir in München viel geholfen."

Während Dante nach der Wolfsburger Champions-League-Niederlage bei Manchester United weiter freundlich und geduldig Auskunft über das 1:2 (1:1) gab, verschwand sein ehemaliger Bayern-Kollege wortlos in die Nacht. Interviews verweigerte der Routinier. Ob Schweinsteiger die Kritik seines Trainers geärgert hat, ließ sich nicht mehr klären.

"Heute hat er nicht so gut gespielt", meckerte Louis van Gaal im Sky-Interview: "Vielleicht war es auch deshalb, weil der Gegner eine deutsche Mannschaft war. Das bedeutet mehr Druck für ihn und deswegen habe ich ihn ausgewechselt." Später mäkelte van Gaal noch beim hauseigenen TV-Sender: "Er war müde, und ich glaube, das war der Grund, warum er Bälle verloren hat. Normalerweise ist er beim Ballbesitz der beste Spieler." 

Der niederländische Coach überraschte mit der öffentlichen Kritik an dem 31 Jahre alten Profi. Zumindest die United-Fans unter den 75 000 Zuschauern im Old Trafford schienen mit der Leistung des Deutschen zufrieden. Schweinsteiger bekam einige Male Szenenapplaus und vom Großteil der Anhänger stehende Ovationen, als der Coach ihn in der 72. Minute vom Platz holte.

Auch die englischen Zeitungen waren mit Schweinsteiger zufrieden. Das oft mäkelige Boulevardblatt "Sun" gab ihm auf der Zehner-Skala eine Sieben. Und die "Daily Mail" lobte den Deutschen als "treibende Kraft" im Mittelfeld. Gestenreich hatte der Kapitän der Nationalmannschaft versucht, das Manchester-Spiel zu leiten. Aggressiv ging er in die Zweikämpfe, zeigte einige Grätschen im Mittelfeld. Schweinsteiger war mehr klassischer Zerstörer als Ballverteiler. Und zu viele Pässe kamen tatsächlich wie vom Trainer bemängelt beim Gegner an.  

Fans und Medien würdigten dagegen eher das Engagement. Gleichwohl ging auch Einiges daneben. Nicht nur bei seinem missglückten Tackling gegen Wolfsburgs Maximilian Arnold, das ihm eine Gelbe Karte einbrachte, über die er sich vehement beklagte.

"Beschweren kann er sich nicht, er hat mich klar getroffen", sagte der Jungprofi, der einige Male mit Schweinsteiger aneinandergeriet. "Das war keine Privatfehde", kommentierte Arnold grinsend: "So ist Fußball."

Für Schweinsteiger sprach, dass Manchester nach seiner Auswechslung große Probleme bekam und Wolfsburg dem Ausgleich nahe war. Bei der Schlussoffensive des Bundesligisten fehlte der 31-Jährige im defensiven Mittelfeld. United wackelte, rettete den Sieg aber auch ohne Schweinsteiger über die Zeit.  

dpa


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