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Ligapräsident Reinhard Rauball (l) setzt Reinhard Grindel unter Druck.

Ligapräsident Reinhard Rauball (l) setzt Reinhard Grindel unter Druck. © Arne Dedert

Fußball

Streit beim DFB: Rauball setzt Grindel unter Druck

In der nächsten Woche soll Reinhard Grindel zum neuen DFB-Präsidenten gewählt werden. Rechtzeitig vorher machte Ligapräsident Reinhard Rauball noch einmal die Interessen der Bundesliga deutlich.

Frankfurt/Main. Eine Woche vor der Wahl des zukünftigen DFB-Präsidenten Reinhard Grindel drohen die Konflikte zwischen Profivereinen und Amateuren innerhalb des Deutschen Fußball-Bundes wieder neu aufzubrechen.

Der noch amtierende DFB-Interimschef und Ligapräsident Reinhard Rauball setzte Grindel massiv unter Druck. In einem "Bild"-Interview warnte er seinen designierten Nachfolger davor, "die Interessen der Bundesliga zu übergehen". Sollte das passieren, dürfe sich Grindel der Unterstützung der Proficlubs bei seiner noch in diesem Jahr anstehenden Wiederwahl nicht mehr sicher sein. "Natürlich gibt es mit Blick auf November keinen Automatismus", sagte Rauball unverhohlen.

Hintergrund dieser Auseinandersetzung ist die alte Machtfrage: Welches Lager hat innerhalb des DFB welchen Einfluss? Konkret mahnte Rauball an, mehrere Eckpunkte in der Zusammenarbeit zwischen dem Verband und den beiden Bundesligen zügig nach der Wahl von Grindel zu klären: "Stichpunkte sind hier Verlängerung des Grundlagenvertrags, Vertretung der Liga in den Gremien, die Zukunft des Schiedsrichterwesens, mögliche Veränderungen des DFB-Pokals."

Rauball stellte noch einmal klar: "Die Bundesliga ist eine der größten Fußball-Ligen der Welt. Die Profi-Vereine und die von ihnen bezahlten Spieler sind die Zugpferde unseres Sports in Deutschland. Bundesliga-Profis bilden das Gerüst der Nationalmannschaft, die wiederum die wesentliche wirtschaftliche Lebensader des DFB ist." Ein DFB-Präsident brauche daher "die Stimmen der Bundesliga".

Der gleiche Streit wurde schon einmal auf dem Höhepunkt der WM-Affäre im vergangenen Spätherbst geführt. Wolfgang Niersbach war gerade als DFB-Präsident zurückgetreten, Rauball und der bisherige Vizepräsident Rainer Koch übernahmen interimsmäßig die Nachfolge. Bei der Suche nach einer Dauerlösung legte sich das Amateurlager schnell auf den aktuellen DFB-Schatzmeister Grindel fest. Die Profivereine reagierten zunächst mit scharfer Kritik daran, weil sie sich übergangen fühlten. Sie willigten dann aber ein, Grindels Kandidatur mitzutragen.

"Ein Verband mit sieben Millionen Mitgliedern, 25 000 Vereinen und einem dreistelligen Millionen-Umsatz kann nicht dauerhaft von einer Übergangsspitze geführt werden - erst recht nicht als Weltmeister vor einer EM", sagte Rauball noch einmal im Rückblick. Deshalb habe der Ligavorstand seinerzeit empfohlen, Grindel zu unterstützen.

Langfristig wollen die Profivereine aber auf jeden Fall verhindern, dass der Einfluss des Amateurlagers zu groß wird. "Die Amateure haben zwar die Mehrheit bei einem DFB-Bundestag, aber das sollte nicht zu Machtdemonstrationen genutzt werden", meinte Rauball.

Der außerordentliche Bundestag des DFB findet am 15. April in Frankfurt am Main statt. Grindel ist der einzige Kandidat für das Präsidentenamt. Formell geht es erst einmal nur darum, die laufende Wahlperiode nach dem Rücktritt von Niersbach zu Ende zu bringen. Für eine komplette Amtszeit von drei Jahren kann der Bundestagsabgeordnete der CDU erst bei einem regulären DFB-Bundestag im November gewählt werden. Rauball wiederum will sich nach dem 15. April wieder ausschließlich auf seine Präsidentenämter beim Ligaverband und bei Borussia Dortmund konzentrieren.

dpa


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