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Uli Hoeneß soll dem «Focus» nach beim Finanzamt eine Selbstanzeige eingereicht habe. Foto: Andreas Gebert

Uli Hoeneß soll dem «Focus» nach beim Finanzamt eine Selbstanzeige eingereicht habe. Foto: Andreas Gebert

Fußball

Steuerermittlungen gegen Hoeneß nach Selbstanzeige

Die Staatsanwaltschaft ermittelt gegen Bayern Münchens Präsident Uli Hoeneß wegen des Verdachts der Steuerhinterziehung. Per Selbstanzeige habe der 61-Jährige die Untersuchungen persönlich initiiert, schrieb das Nachrichtenmagazin "Focus" in einer Vorabmeldung und berief sich auf Oberstaatsanwalt Ken Heidenreich und Hoeneß selbst.

München. t. Bayerns Ministerpräsident Horst Seehofer (CSU) erklärte am Samstag, schon seit längerem Kenntnis von dem Verfahren zu haben.

"Ich habe im Januar 2013 über meinen Steuerberater beim Finanzamt eine Selbstanzeige eingereicht", sagte der Vereinschef des deutschen Fußball-Rekordmeisters nach "Focus"-Angaben. Die Selbstanzeige hänge "mit einem Konto von mir in der Schweiz" zusammen, erklärte Hoeneß.

Wirksamkeit und steuerliche Folgen würden "derzeit von den Behörden geprüft", wurde der langjährige Fußball-Manager des FC Bayern zitiert. Oberstaatsanwalt Heidenreich von der Staatsanwaltschaft München II sagte dem "Focus", dass die Einleitung des Ermittlungsverfahrens gegen Hoeneß aufgrund einer Selbstanzeige im Januar 2013 erfolgt sei. Gegenstand des Verfahrens sei die "Prüfung auf Wirksamkeit und Vollständigkeit der Selbstanzeige".

Der bereits als neuer deutscher Meister feststehende FC Bayern wollte sich am Samstag vor seinem Bundesliga-Auswärtsspiel bei Hannover 96 "nicht zu dem Bericht äußern", wie Vereinssprecher Markus Hörwick auf dpa-Anfrage sagte. Auch eine Sprecherin der Münchner Staatsanwaltschaft II wollte keine näheren Angaben zum Fall machen.

Dafür gab Bayerns Ministerpräsident Seehofer bei einem Termin in München am Samstag an, Kenntnis von dem Verfahren zu haben. Er sei bereits vor "einer geraumen Zeit" darüber informiert worden, sagte er der Onlineausgabe der Münchner "Abendzeitung". "Das müssen jetzt die Justiz- und Finanzbehörden regeln." Hoeneß sagte dem Blatt: "Ich vertraue voll und ganz auf die Arbeit der mit dem Fall befassten Behörden und bitte, mit Respekt darauf von weiteren Anfragen abzusehen." Angaben zur im Raum stehenden Summe machte niemand.

Vor allem aus der SPD setzte es allerdings umgehend harsche Kritik an Hoeneß. "Mich enttäuscht, dass jemand wie Uli Hoeneß, der Leistung, Disziplin und Geradlinigkeit unerbittlich wie kaum ein anderer fordert, beim Steuerzahlen Anspruch und Wirklichkeit nicht in Übereinstimmung bekommt", sagte NRW-Finanzminister Norbert Walter-Borjans. Florian Pronold, Chef der Bayern-SPD, urteilte: "Uli Hoeneß ist kein Vorbild mehr."

Auch Sylvia Schenk, Sportbeauftrage der Organisation Transparency International, sieht Hoeneß beschädigt. "Die Glaubwürdigkeit von Hoeneß ist extrem erschüttert. Es wird sicher ganz schwer sein für ihn, da wieder herauszukommen", sagte Schenk der "Frankfurter Allgemeinen Sonntagszeitung".

Mit Selbstanzeigen besteht für Steuerhinterzieher grundsätzlich die Möglichkeit, nachträglich Straffreiheit zu erlangen, wenn dies dem Fiskus bislang verborgene Steuerquellen erschließt. Haben die Ermittler allerdings erst mal die Fährte aufgenommen und sind einem Verdächtigen schon auf der Spur, ist es nach einer Entscheidung des Bundesgerichtshofs aus dem Jahr 2010 zu spät dafür.

Hoeneß sagte laut "Focus", dass er die Angelegenheit ursprünglich über das von der Bundesregierung aus Union und FDP angepeilte Deutsch-Schweizer Steuerabkommen habe regeln lassen wollen, das "dann bekanntlich Mitte Dezember 2012 nicht zustande gekommen" sei.

Der Entwurf des Abkommens hatte einen deutlich umfassenderen Informationsaustausch zwischen den beiden Ländern vorgesehen als bislang. Geldanlagen von Bundesbürgern in der Schweiz aus den vergangenen zehn Jahren sollten demnach von 2013 an pauschal mit 21 bis 41 Prozent besteuert werden. Die Opposition ließ das bereits von Finanzminister Wolfgang Schäuble (CDU) ausgehandelte Abkommen letztlich im Bundesrat durchfallen, weil es ihr nicht weit genug ging. Auch im Vermittlungsausschuss kam es zu keiner Einigung mehr.

Der Fall Hoeneß mache deutlich, "wie wichtig es war, nicht zuzulassen, dass die Bundesregierung ein Steuerabkommen mit der Schweiz durchbekommt, mit dem Leute wie Herr Hoeneß zum Sonderrabatt unerkannt davon gekommen wären", äußerte Walter-Borjans. Der stellvertretende SPD-Fraktionsvorsitzende Joachim Poß meinte: "Er wird nicht der einzige bleiben, dessen Hoffnungen auf das Abkommen der schwarz-gelben Bundesregierung nun zerplatzen."

Immer häufiger versuchen die Behörden nun, über den Ankauf von Steuer-CDs an die Daten vermeintlicher Steuerhinterzieher heranzukommen - und gegen diese Ermittlungen aufnehmen zu können. Zuletzt erst hatte Rheinland-Pfalz neue Datensätze angekauft, bereits kurz darauf gingen Fahnder mit Hunderten Hausdurchsuchungen in ganz Deutschland gegen mutmaßliche Steuerbetrüger vor. Bei Steuerhinterziehung drohen Strafen von bis zu fünf Jahren. In besonders schweren Fällen könne es sogar bis zu zehn Jahre sein.

Hoeneß machte sich nicht nur als Fußballfunktionär einen Namen, sondern in den 1980er-Jahren auch als Mitbegründer einer überaus erfolgreichen Wurstfabrik, mit der er reichlich Geld verdiente.

Die sportlichen Verantwortlichen des Rekordmeisters erwarten keine Auswirkungen durch die Ermittlungen vor dem Halbfinal-Hinspiel in der Champions League gegen den FC Barcelona am Dienstag. "Grundsätzlich ist das eine Privatangelegenheit des Präsidenten", betonte Trainer Jupp Heynckes am Samstag nach dem 6:1-Bundesligasieg bei Hannover 96. "Bei uns gibt es immer irgendwelche Meldungen. Das schärft die Sinne, das macht uns noch ehrgeiziger." Sportdirektor Matthias Sammer sagte dem TV-Sender Liga total: "Das ist eine private Konstellation. Uli Hoeneß ist für uns natürlich ein wichtiger Mann, aber wir äußern uns dazu nicht - und das belastet uns überhaupt nicht."

dpa


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