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Nach den Abgängen von wichtigen Spielern ist nun SC-Sportdirektor Dirk Dufner gefordert.

Nach den Abgängen von wichtigen Spielern ist nun SC-Sportdirektor Dirk Dufner gefordert. © Patrick Seeger

Fußball

Spielerwechsel drücken auf Stimmung in Freiburg

Intern knistert es wegen der momentan schiefen Transferbilanz beim SC Freiburg wohl schon. Das Verhältnis zwischen Trainer Christian Streich und Sportdirektor Dirk Dufner scheint angespannt.

Freiburg. Auf die Frage, wie Streich seine Zusammenarbeit mit Dufner grundsätzlich bewerte, sagte der SC-Coach der Nachrichtenagentur dpa kurz angebunden: "Ich mache meine Arbeit, er macht seine Arbeit." Herrschen im eigentlich so beschaulichen Breisgau bereits Hannoversche Verhältnisse, wo sich Trainer und Manager angeblich nur noch per Email austauschen?

Ganz so schlimm ist es dann doch nicht. "Wir telefonieren viel miteinander", sagte Streich kürzlich. Grundsätzlich gehen die beiden Freiburger Protagonisten bei vielen Sachthemen aber nicht konform. Bei einem Talk im TV-Sender Sport 1 wurde deutlich, dass sie in etlichen Punkten weit auseinanderliegen. Hier der Fußballromantiker, dort der scheinbar abgeklärte Macher, der meist branchenübliche Floskeln von sich gibt.

Streich ist möglicherweise auch arg verstimmt, weil Jan Rosenthal (Eintracht Frankfurt), Max Kruse (Borussia Mönchengladbach), Daniel Caligiuri (VfL Wolfsburg) und eventuell auch noch Johannes Flum (Frankfurt) transferiert werden. Hintergrund: Bei den meisten Wechseln kann der Verein nur zusehen.

"Es ist unsere Aufgabe, die Spieler möglichst zu halten. Gelingt das nicht, darf die Welt bei uns nicht untergehen, das weiß der Christian natürlich", erklärte Dufner. Dessen Verhältnis zum verstorbenen Freiburger Ex-Präsidenten Achim Stocker, der ihn einst geholt hatte, war komplett zerrüttet. Fritz Keller, der jetzige Erste Vorsitzende des Vereins und der Sportdirektor ticken indes eher auf einer Wellenlänge.

Auffällig ist, dass Dufner in der Vergangenheit diverse Vertragsverlängerungen vorweisen konnte. Doch nun kommt peu à peu ans Licht, dass viele Leistungsträger nur mittels einer Ausstiegsklausel gehalten oder verpflichtet werden konnten, was die Managerleistung doch schmälert. Zudem sind momentan keine Zugänge in Sicht, schon gar nicht herausragende Fußballer wie Kruse, mit dem die SC-Offensive extrem an Substanz verliert.

"An unserer Scoutingabteilung liegt es jedenfalls nicht", erklärte ein Vereinsvertreter. Dufner sagt wiederum das, was er sagen muss: Der SC müsse nun "wieder junge Spieler aus dem eigenen Unterbau heranführen oder wieder neue Spieler finden". Der Manager ist trotz des breiten Personalverlusts überzeugt, dass "unsere Mannschaft sicherlich nicht auseinanderbricht. Dass der eine oder andere geht, ist normal. In Freiburg sind wir das gewohnt", äußert sich der in Hausach im Schwarzwald geborene Rechtsanwalt gelassen.

Inzwischen fragen allerdings viele, ob weitere hoch talentierte Eigengewächse wie Matthias Ginter, Oliver Sorg oder Oliver Baumann eine billige Ausstiegsoption besitzen. Dufner versicherte, er könne ausschließen, dass weitere Stammspieler den Verein verlassen. Man werde "durchaus 'Nein' sagen, wenn ein Spieler, den wir unbedingt halten wollen, den Verein verlassen will", sagte er der "Bild"-Zeitung.

Immerhin dürfte der Tabellenfünfte und Pokal-Halbfinalist dank der Klauseln bei Kruse, Caligiuri und Flum rund sieben Millionen Euro einnehmen. Streich wären allerdings eine Verfeinerung und ein weiterer Aufbau des jetzigen Kaders mit zehn von ihm ausgebildeten Profis lieber gewesen.

Auf Dufner kommen schwierige Wochen zu. Er muss allmählich Erfolge vorweisen. Der Manager sieht sich allerdings für ungemütliche Zeiten gerüstet, wie er kürzlich in einem Interview des "Südkurier" sagte: "Ich hatte ja mal das Vergnügen, bei 1860 München arbeiten zu dürfen. Da lernt man einiges dazu an Ungerechtigkeiten, an Anfeindungen und was eben auch in diesem Business passieren kann." In Freiburg sei es "nicht ganz so bösartig wie in den Medienwelten in München, Hamburg oder sonstwo". Doch nun scheint auch intern der Gegenwind zuzunehmen.

dpa


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