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FIFA-Präsident Joseph Blatter hatte seinen Rücktritt angekündigt.

FIFA-Präsident Joseph Blatter hatte seinen Rücktritt angekündigt. © Ennio Leanza

Fußball

Showdown um Termin für Kür von Blatter-Nachfolger

Auf seiner Abschiedstour im Schlingerkurs muss Joseph Blatter die erste wichtige Machtprobe mit den Gegnern um den möglichen Nachfolgekandidaten Michel Platini bestehen.

Zürich. Sieben Wochen nach der Rücktrittsankündigung des Weltverbands-Präsidenten will die FIFA-Exekutive am Montag in Zürich einen Termin für die Neu-Wahl beschließen.

Blatter strebt den außerordentlichen Kongress erst im kommenden Frühjahr an und will seine Macht möglichst lange erhalten. Das Europa-Lager mit DFB-Präsident Wolfgang Niersbach pocht hingegen auf eine Kür des FIFA-Chefs noch vor Weihnachten.

Neue Vorwürfe namhafter Werbepartner und der Beginn des Prozesses gegen den Ex-FIFA-Vize Jeffrey Webb bringen weitere Brisanz für das Grandentreffen knapp zwei Monate nach der Festnahme von sieben Funktionären in Zürich. Webb plädierte in New York auf "nicht schuldig", eine umfassende Aussage des ehemaligen Vertrauten Blatters dürfte aber die Fußball-Welt erneut erschüttern.

Der Schweizer selbst hatte zuletzt immer wieder mit mehrdeutigen Äußerungen zu seiner Amtsaufgabe Verwirrung gestiftet und dafür eine deutliche Rüge von Domenico Scala, Vorsitzender der Kommission für Audit und Compliance, kassiert. Platini hielt sich hingegen öffentlich bei diesem Thema bislang auffallend zurück.

Eine Bewerbung des ambitionierten UEFA-Präsidenten käme jedoch nicht überraschend: Wie die spanische Zeitung "AS" am Sonntag berichtete, soll der Franzose zur Kandidatur entschlossen sein und die Unterstützung aus Europa, Südamerika, Nord- und Mittelamerika und Ozeanien bereits sicher haben. Die benötigten Stimmen von fünf Mitgliedsverbänden einzureichen, wäre für Platini kein Problem. Erst vier Monate nach dieser Formalie kann der FIFA-Kongress stattfinden. Bislang haben sich nur chancenlose Spaßkandidaten wie Diego Maradona oder Zico aus der Deckung gewagt.

Am Tag vor der Exekutiv-Sitzung stand ein Treffen der sechs Konföderations-Präsidenten mit dem FIFA-Boss auf dem Programm - in diesem Rahmen hatte Platini Blatter vor zwei Monaten noch zum sofortigen Rücktritt aufgefordert. Auch jetzt würden die europäischen Widersacher den 79-Jährigen gerne so schnell wie möglich loswerden, allerdings würde bei einem sofortigen Abdanken der ebenfalls skandalumwitterte Vize Issa Hayatou aus Kamerun vorerst übernehmen.

Genau wie der augenscheinlich gut gelaunte Platini, wollte auch Hayatou nach dem Treffen keine Details verraten. Der Nachrichtenagentur AP antwortete Hayatou am Sonntagabend auf die Frage, ob er am Montag Interimspräsident werde würde, auf französisch mit den Worten: "Ich weiß es nicht."

"Für die europäischen Kreise gibt es nur ein Thema: die Wahl des Präsidenten", klagte Blatter zuletzt und bezeichnete dies als "Nebenschauplatz im gleißenden Scheinwerferlicht".

So dürften auch die auf der Zielgeraden seiner Ägide angekündigten Demokratiereformen zum Thema in Zürich werden. Nach Ansicht Niersbachs sollen diese aber nicht mehr vom scheidenden Langzeitregenten eingebracht und umgesetzt werden.

"Die Einführung und Umsetzung eines umfassenden Reformpakets sehe ich beim neuen Präsidenten. Er könnte seine Ideen beispielsweise auf dem außerordentlichen Kongress als Ziel formulieren und sie auf dem ordentlichen Kongress im Mai 2016 in Mexiko zur Abstimmung stellen", sagte Niersbach.

Blatter hatte unter anderem eine Amtszeitbeschränkung für den FIFA-Präsidenten und die Exko-Mitglieder sowie eine Integritätsprüfung dieser vorgeschlagen. Für den Reformprozess verlangte der langjährige FIFA-Sponsor Coca-Cola kurz vor der Exekutiv-Sitzung eine unabhängige Kommission zur Aufklärung des jüngsten Korruptionsskandals.

Auch Werbepartner McDonald's teilt diese Bedenken und zeigte sich, "nicht zufrieden, wie die FIFA momentan mit den jüngsten Vorfällen, die klar gegen die Kultur und die Werte von McDonald's gehen, umgeht." Es brauche "bedeutende Änderungen", um das Vertrauen bei Fans uns Sponsoren wiederherzustellen. Ob dieser Schritt gelingen kann, hängt auch von den Ergebnissen am Montag ab.

dpa


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