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Hertha-Trainer Pal Dardai (l) leistet gute Arbeit, Manager Michael Preetz ist zufrieden.

Hertha-Trainer Pal Dardai (l) leistet gute Arbeit, Manager Michael Preetz ist zufrieden. © Andreas Gebert

Fußball

Preetz: Dardai ist kein Experiment - Topspiel auf Schalke

Noch in der Vorsaison waren Herthas Top-Begegnungen "die Spiele im Abstiegskampf", sagt Trainer Pal Dardai. Der Ungar hat Mut, Erfolg und das Lächeln zurückgebracht. Auf Schalke gibt's nun ein echtes Topspiel. Es gibt viele Gründe für den Hertha-Frühling im Herbst '15.

Berlin. Michael Preetz will von einem Topspiel nichts wissen. "Wir sehen das nicht so. Wir sind nicht so vermessen, uns mit Schalke zu vergleichen. Schalke hat ganz andere Voraussetzungen", erklärte der Manager von Hertha BSC vor dem Bundesliga-Match Dritter gegen Überraschungs-Vierter.

"Aber wir fahren nicht dahin, um die Punkte einfach abzuliefern", sagte Preets weiter. In der Hauptstadt reiben sich die Fußballfans und auch die Protagonisten nach acht Saison-Runden noch immer etwas verwundert die Augen. Die Konkurrenz fahndet nach den Gründen für Herthas Frühling im Herbst 2015.

"Ich glaube, wir haben einen Riesenschritt gemacht, fußballerisch und auch mental", sagte Pal Dardai, der selbst der wichtigste Baustein der neuen Hertha ist. Der Ungar ist Bundesliga-Rekordspieler (286) bei der "Alten Dame", ein geerdeter Fan-Liebling. Viele hatten in ihm nur den Kurzzeit-Retter gesehen, als er im Februar diesen Jahres den Job von Vorgänger Jos Luhukay übernahm. Pal, der Fußball-Arbeiter - so rackerte er einst als Profi, so nahm er zunächst als Trainer seine Spieler ran - eine vergebene Chance im Training kostet schon einmal ein Dutzend Liegestütze oder mehr.

Dardais Beförderung vom Interims- zum Chefcoach im Sommer war durchaus auch mit einiger Skepsis verbunden im Umfeld des Berliner Fahrstuhlclubs, der nach zwei Abstiegen und zwei Aufstiegen innerhalb von vier Jahren verbissen um die Etablierung in der 1. Liga ringt. Zumal das Vertrags-Konstrukt - Dardai hat einen unbefristeten Vertrag mit dem Club, aber zunächst nur für ein Jahr als Bundesliga-Trainer - auch ein bisschen nach einem Experiment aussah. "Ein Experiment war es nicht. Wir waren schon überzeugt, dass es tragen kann", sagte Manager Preetz vor dem Spiel am Samstag (15.30 Uhr) in Gelsenkirchen: "Beide Seiten glauben, dass dies allen Interessen gerecht wird."

Dardai kündigte für Schalke an: "Wir werden offensiv reingehen, unsere Spielphilosophie durchsetzen, nicht nur rennen und kämpfen." Genau dies ist einer der Unterschiede zur vergangenen Spielzeit, als Hertha mit Retter Dardai alle Kraft auf eine kompakte Defensive gelegt hatte. "Es ging erst einmal um den Klassenerhalt. Da war keine Zeit, an Dingen zu feilen. Im Sommer hat er die Zeit sehr gut genutzt", beschrieb Preetz den Wandel in Dardais Arbeit. Der 39 Jahre alte Jungtrainer lässt mutig spielen, offensiv, mit mehr Ballbesitz.

"Wir versuchen, unser Spiel durchzusetzen", betonte Preetz und nannte weitere Gründe für die unerwartet raschen Fortschritte: "Die neuen Spieler haben die Statik der Mannschaft verändert. Rückkehrer wie Alexander Baumjohann und Tolga Cigerci bringen zudem Qualität in das Team." Dabei war und ist die Ausfall-Liste lang: Schieber, Ben-Hatira, Pekarik und Allagui fehlen seit Monaten. Jüngst hat es auch Stammtorwart Kraft, Stark und Skjelbred erwischt. Langkamp, Beerens und Brooks haben sich gerade erst wieder herangekämpft.

Als großes Plus erwiesen sich die Neuzugänge Vladimir Darida, Mitchell Weiser, Niklas Stark und Vedad Ibisevic. "Der große Unterschied zum Vorjahr ist, dass sie überhaupt keine Anlaufzeit gebraucht haben", betonte Preetz. Für eine grundlegende Beurteilung sei es zwar noch zu früh. Doch schon jetzt kann der Manager zufrieden feststellen: Mit dem Tschechen Darida wurde die "Position im zentralen Mittelfeld mit einem Spieler besetzt, der ein Taktgeber sein kann". Mittelstürmer Ibisevic traf sofort. Dazu kommen mit Weiser und Stark noch zwei junge Profis, "die auch für die Zukunft stehen", sagte Preetz.

Mit neuem Selbstbewusstsein will Hertha nun auch die schwarze Serie gegen die Schalker brechen, die möglicherweise auf den angeschlagenen Stürmer Klaas-Jan Huntelaar verzichten müssen. Seit neun Jahren warten die Berliner auf einen Sieg gegen die "Knappen", seit zehn Jahren gab es in Gelsenkirchen keinen Punkt und kein Tor mehr. "Vielleicht können wir jetzt gegen einen Topgegner etwas machen. Normale Gegner haben wir geschlagen. Das ist nun der nächste Schritt, das müssen wir lernen", erklärte Dardai und lächelte.

Das Topspiel in Zahlen:

BUNDESLIGA-BILANZ: In der Statistik führen die Schalker deutlich. In den bisherigen 62 Aufeinandertreffen in der 1. Liga gab es 30 Siege für die "Knappen" und 21 für Hertha. Elf Partien endeten remis. Die Heimbilanz (20 - 8 - 3) spricht noch klarer für "Königsblau".

SERIEN: Schalke ist gegen Hertha seit 13 Spielen ungeschlagen. Die vergangenen sieben Heimspiele wurde jeweils zu Null gewonnen. Der letzte Sieg der Berliner datiert vom 17. September 2006 (2:0), damals noch mit Pal Dardai als Spieler. In Gelsenkirchen gelang Hertha vor elf Jahren der letzte volle Erfolg (3:1) und zugleich das letzte Tor, vor zehn Jahren (0:0) der letzte Punktgewinn.

DAS LETZTE DUELL: Am 25. Spieltag der vergangenen Saison sah Hertha in Berlin mit dem damaligen Interimscoach Dardai lange wie der Sieger aus. Joel Matip gelang in der Nachspielzeit für das Team von Coach Roberto di Matteo noch das 2:2. "Wir werden sehen, ob wir vom Lerneffekt her jetzt weiter sind. Wir haben zweimal geführt. Es war ein gutes Spiel. Zum Schluss hat uns ein individueller Fehler zwei Punkte gekostet", erinnerte sich Dardai.

REKORD: Die meisten Spiele für Hertha gegen Schalke bestritt Pal Dardai. Der aktuelle Coach der "Alten Dame" lief 19 Mal auf. "Es ist jetzt eine andere Zeit", bemerkte der Hertha-Coach dazu.

DREI MARKANTE ZAHLEN::

2 - Doppelpacks gelangen Vedad Ibisevic bereits für seinen neuen Club Hertha. Damit steht der Bosnier bei vier Toren in fünf Partien.

3 - Tore in einem Spiel erzielte der heutige Schalke-Coach André Breitenreiter am 24. September 2000 für Unterhaching gegen Hertha BSC (5:2).

14 - Punkte zum Saisonstart: Mehr holten die Berlinern seit dem Aufstieg 1997 nur ein einziges Mal. In der Spielzeit 2000/01 hatte Hertha nach acht Runden 15 Punkte auf dem Konto - am Saisonende stand die Qualifikation für den UEFA-Cup.

dpa


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