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Tim Wiese gibt in Hoffenheim nicht nur zwischen den Pfosten den Ton an.

Tim Wiese gibt in Hoffenheim nicht nur zwischen den Pfosten den Ton an. © Uwe Anspach

Fußball

Nummer 1, aber: Wiese nicht mehr Kapitän in Hoffenheim

Ex-Nationaltorwart Tim Wiese ist wieder die Nummer 1 bei 1899 Hoffenheim - aber nicht mehr Kapitän. Der neue Trainer Marco Kurz ernannte Andreas Beck und Sejad Salihovic zu gleichberechtigten Spielführern beim abstiegsbedrohten Tabellen-16. der Fußball-Bundesliga.

Frankfurt/Main. Die Binde wird der 25-jährige Beck tragen. "Wir sind der Meinung, dass Spieler auf dem Feld das Amt sehr gut bekleiden können. Ich betone auch, das beschneidet überhaupt nicht Tim in seiner sportlichen Wichtigkeit und seiner Verantwortung", sagte Kurz am Donnerstag. "Ich will ihn sportlich fordern. Er ist unsere neue Nummer 1. Ich möchte, dass darauf der Fokus gelegt wird."

Die Entscheidung kam nach einer völlig verkorksten Hinrunde sowohl der Kraichgauer als auch ihres Keepers nicht überraschend. Wiese wurde von seinen Kollegen vor der Auftaktpartie gegen Borussia Mönchengladbach am Samstag aber in den Mannschaftsrat gewählt - zusammen mit Beck, Salihovic, Chris und Marvin Compper. "Beide haben das Amt schon ausgeübt. Sie leben den Verein und haben den Verein mitgetragen in die erste Liga", begründete Kurz seine Entscheidung für das neue Kapitäns-Duo. Außerdem soll die Verantwortung auf mehrere Schultern verteilt werden.

Man kann Tim Wiese nicht vorwerfen, dass er in der Vorbereitung die Klappe aufgerissen hätte. Der 1899-Schlussmann gab fast keine Interviews und wenn, dann sichtlich ungern. Dabei war er in den vergangenen Wochen noch Kapitän und damit eigentlich Sprachrohr der Mannschaft. Doch Wiese hatte andere Sorgen. Auch wenn es ihm "scheißegal" ist, dass ihn seine Profi-Kollegen in der Bundesliga zum Absteiger der Hinrunde gewählt haben.

In neun Pflichtspielen seit seinem Wechsel zu Saisonbeginn hat der langjährige Bremer 27 Gegentore kassiert, ein paar haarsträubende Patzer gemacht und war öfter an Flanken vorbeigesegelt. Ex-Trainer Markus Babbel hatte Wiese ausgerechnet dann zur Nummer 2 degradiert, als er wegen einer Knieverletzung ausfiel. Wieses Vertreter Koen Casteels konnte allerdings auch nicht glänzen. Der Belgier und Jens Grahl, so Kurz, würden jetzt aber "richtig Druck" auf Wiese machen. Letztendlich hätte die Erfahrung der früheren Nummer 2 im DFB-Team den Ausschlag gegeben.

Ursprünglich hatte Hoffenheim Wiese als aktuellen Nationalspieler geholt, doch Bundestrainer Joachim Löw sortierte ihn nach der EM aus. "Hier wird alles auf mich projiziert. Ich werde immer stärker kritisiert als andere. Warum, weiß ich nicht. Vielleicht wegen meiner Tattoos und langen Haare. Aber die meisten Reporter haben sowieso keine Ahnung von Profi-Fußball", sagte Wiese über seine Krise kürzlich in "Bild". In der "Rhein-Neckar-Zeitung" klagte er: Wenn es nach den Medien gehe, "habe ich hier ja alles zu verantworten". Mit den Begriffen moderner Torwart oder Oldschool-Torwart könne er ohnehin nichts anfangen, erklärte Wiese mal. "So was denken sich doch nur Journalisten aus."

Nach der miserabelsten Halbserie seit dem Aufstieg 2008 ist Hoffenheim nicht nur die Schießbude der Liga (41 Gegentore), sondern liegt als Tabellen-16. sieben Punkte hinter dem 15. VfL Wolfsburg. Wiese ist vom Klassenverbleib überzeugt - sagt er zumindest: "Das Trainingslager war super, die Truppe funktioniert, wir werden das schaffen." Verantwortung sei gefragt, betonte der neue Spielführer Beck. "Sali und ich haben das große Vertrauen und vom Trainer die Verantwortung bekommen. Trotzdem haben wir mehr Spieler, die mit müssen. Gerade auch Tim Wiese mit seinen 300 Bundesligaspielen."

dpa


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