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Wolfgang Niersbach sieht sich nicht als FIFA-Präsidentschaftskandidat.

Wolfgang Niersbach sieht sich nicht als FIFA-Präsidentschaftskandidat. © Fredrik von Erichsen

Fußball

Niersbach: Super-GAU - Verhältnis zu Platini neu bewerten

Die provisorischen Sperren von Blatter und Platini lösen bei DFB-Boss Niersbach große Sorge aus. Für FIFA-Chef Blatter ist die Zeit abgelaufen, meint der deutsche Verbandschef. Das Verhältnis zu seinem Freund Platini steht zumindest auf dem Prüfstand.

Dublin. DFB-Präsident Wolfgang Niersbach hat schockiert auf die 90-Tage-Sperren gegen FIFA-Chef Joseph Blatter und UEFA-Boss Michel Platini reagiert und Sitzungen der internationalen Fußball-Spitzengremien möglichst schon in der kommenden Woche gefordert.

"Was heute passiert ist, ist der absolute Super-GAU, dass wir an der wichtigsten Stelle des Weltfußballs nun eine Führungslosigkeit haben. Da ist der absolute Tiefpunkt gekommen. Die Zukunft kann nur gestaltet werden ohne Sepp Blatter", sagte Niersbach im Teamhotel der deutschen Fußball-Nationalmannschaft in Dublin.

Das Verhältnis zum vom DFB als FIFA-Präsidentschaftskandidat unterstützten Platini müsse zumindest neu bewertet werden. "Vor 14 Tagen war noch alles klar. Er hatte über 100 Unterstützer, auch den DFB. Wir müssen die neue Situation bedenken. Vor allem muss er selbst entscheiden, ob er mit der Belastung die Kandidatur aufrechterhalten kann", sagte Niersbach. Der DFB-Chef sprach von einem "Rucksack", den sein Funktionärs-Freund nun zu tragen habe. Man habe mit Platini über Jahre sehr gut zusammengearbeitet. Nun gebe es aber eine "total neue Situation".

Unbedingt müsse der Termin des außerordentlichen FIFA-Wahlkongresses am 26. Februar 2016 gehalten werden - und das unabhängig vom Funktionärsschicksal Blatters oder Platinis. "Jede Verzögerung lähmt die ganze Organisation weiter", sagte Niersbach, der in einem Brief an den Weltverband eine Krisensitzung des FIFA-Exekutivkomitees in der kommenden Woche forderte.

Seine eigenen Aufstiegschancen im Fußball wollte der 64-Jährige nicht neu bewerten. "Ich habe immer gesagt, dass ich meine Rolle beim DFB auch perspektivisch sehe. Ich fühle mich wohl beim DFB. Wie die Entwicklung weitergeht, da wage ich keine Prognose", sagte Niersbach.

Der DFB-Boss war als potenzieller UEFA-Präsident für den Fall gehandelt worden, dass Platini bei der FIFA die Führung übernimmt. "Wichtiger als die Personalie ist, dass ein neuer Geist reinkommt", sagte Niersbach zur Situation beim Weltverband.

Liga-Präsident Reinhard Rauball fordert hat nach der vorläufigen Suspendierung von Blatter und Platini einen "kompletten Neuanfang" bei der FIFA - "personell und organisatorisch". Der Weltfußball stehe "vor der größten Herausforderung seiner Geschichte. Mit Rhetorik alleine ist es schon lange nicht mehr getan. Vor diesem Hintergrund ist der heutige Tag auch eine Chance", betonte der Jurist in einer veröffentlichten Stellungnahme.

"Die großen Nationalverbände und Ligen in Europa sind meiner Meinung nach zwingend gefordert, mit einer gemeinsamen Position ihr Gewicht für einen echten Neuanfang einzubringen", meinte Rauball.

dpa


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