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Hendrik Große-Lefert warnt, dass es hundertprozentige Sicherheit nie geben kann.

Hendrik Große-Lefert warnt, dass es hundertprozentige Sicherheit nie geben kann. © Ingo Wagner

Fußball

Nach Paris-Attacken: DFB prüft Sicherheitskonzept für EM

Eine Absage der Fußball-Europameisterschaft in Frankreich hält nicht nur Weltmeister Jérôme Boateng für falsch. Doch nach den Anschlägen in Paris macht man sich in der DFB-Spitze Gedanken um die Sicherheit.

Hannover. Nach den Terrorangriffen von Paris will der Deutsche Fußball-Bund sein Sicherheitskonzept für die Nationalmannschaft bei der EM 2016 in Frankreich auf den Prüfstand stellen.

"Natürlich müssen wir uns auch beim DFB Gedanken über erweiterte Sicherheitsmaßnahmen bei der EM machen", sagte DFB-Interimspräsident Rainer Koch der "Bild"-Zeitung.

Die deutschen Weltmeister hatten wegen der Attacken am Freitagabend die Nacht nach dem Länderspiel in Frankreich in den Katakomben des Stade de France verbringen müssen. "Für die Franzosen wird die Sicherheit bei der EM eine sehr große Herausforderung", befand Koch.

Auch DFB-Sicherheitschef Hendrik Große Lefert sieht diese Frage vor der Europameisterschaft im kommenden Jahr als gewichtiger denn je. "Es ist ganz klar, dass dieser Vorfall in der Planung aller weiteren Dinge berücksichtigt werden muss. Insofern hat es natürlich großen Einfluss auf das weitere Verfahren", sagte Große Lefert der "Frankfurter Allgemeinen Zeitung".

Vom 10. Juni bis 10. Juli 2016 soll das Turnier mit erstmals 24 Mannschaften in neun französischen Städten ausgetragen werden. Im Stade de France finden Eröffnungs- und Endspiel statt. Eine Absage schlossen nach der Anschlagsserie vom Freitagabend an mehreren Orten in Paris mit insgesamt mehr als 120 Toten zahlreiche Politiker, Funktionäre oder Profis aus. "Letztlich ist es nicht entscheidend, wo die EM stattfindet, weil diese schrecklichen Attentate überall passieren können", sagte Weltmeister Jérôme Boateng dem "Kicker".

So wird die EM zu einer der größten Sicherheitsoperationen in der Sportgeschichte. Schon in ihrer Bewerbung hatten die Franzosen die Sicherheitslage ganz oben auf der Liste der zwölf Turnierrisiken benannt. "Gerade im Hinblick auf kommende Turniere muss man davon ausgehen, dass der Fokus auf dieses Thema noch einmal größer wird", sagte Große Lefert der "FAZ" und bezeichnete die Vorbereitungen in Sicherheitsfragen als "Herausforderung, die wir intensiv annehmen müssen". Aber auch in der Vergangenheit hätten solche Szenarien schon eine Rolle gespielt, auch vor der Heim-WM 2006 in Deutschland.

"Hundertprozentige Sicherheit kann es im gesellschaftlichen Raum eben nie geben, das sollte jedem bewusst sein", sagte Große Lefert. Man müsse "dafür sorgen, dass das Menschenmögliche getan wird und es dem Charakter der Veranstaltungen entsprechend umsetzen".

Der frühere DFB-Sicherheitschef Helmut Spahn indes forderte die Franzosen zu einem intensiveren internationalen Austausch auf. Der EM-Gastgeber 2016 dürfe sich "nicht auf sich selbst verlassen", sagte der Experte für Sportsicherheit der Tageszeitung "Die Welt".

Auch für den deutschen Liga-Alltag könnte die Terrorattacke Folgen haben. Laut Große Lefert wollen der Deutsche Fußball-Bund und die Deutsche Fußball Liga ihre Sicherheitsmaßnahmen anpassen. "Wenn Erkenntnisse auftauchen, die auf irgendwelche Gefährdung hinweisen, werden sie berücksichtigt", sagte er dem Fachmagazin "Kicker". Dies könne "unter Umständen sehr kurzfristig und sehr schnell sein".

dpa


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