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Muss noch was tun: Bundestrainer Joachim Löw© dpa

Freundschaftsspiel

Maue Nationalelf: Laues 0:0 gegen Niederlande

Klaas-Jan Huntelaar und Benedikt Höwedes kamen, die Arme um die Schultern gelegt, auf das Spielfeld und unterhielten sich lachend. Die freundliche Szene zwischen dem Niederländer und dem Deutschen, den beiden Teamkameraden von Schalke 04, hätte auch am Ende der Partie stehen können. Die Niederlande und Deutschland trennten sich in einem Freundschaftsspiel am Mittwochabend schiedlich-friedlich 0:0.

Amsterdam. Der Partie mangelte es an Spannung und Brisanz, an Torszenen und Höhenpunkten. Die beiden Teams boten Rasenschach, zu dem hohes Tempo und der letzte kämpferische Einsatz nicht gehörten. Mit dem Remis in Amsterdam blickt die deutsche Mannschaft im Jahr 2012 mit acht Siegen, zwei Unentschieden und vier Niederlagen auf die schlechteste Bilanz seit 2004 zurück.

Bundestrainer Joachim Löw hatte es sich wieder nicht nehmen lassen, bei der Aufstellung für eine Überraschung zu sorgen. Lewis Holtby, erst am Montag als letzter Spieler und nach sechs Absagen quasi als Notnagel zum Team gerufen, stand in der Startelf auf der Position, auf der auch gerne Lukas Podolski oder Andre Schürrle gespielt hätten.

Und Löw wählte auch eine ungewohnte taktische Variante, als er den Dortmunder Mario Götze als Spitze aufstellte - und nicht wie erwartet dessen BVB-Teamkollegen Marco Reus. In der Mannschaft, in der acht Stammspieler fehlten, wurde die Achse von Dortmunder Meisterspielern gebildet. Mats Hummels kehrte in die Abwehr zurück, davor spielte im defensiven Mittelfeld erstmals in einem Länderspiel von Beginn an Ilkay Gündogan.

Davor wirbelte Reus, ganz vorne hielt sich meist Götze auf. Allerdings agierte das Mittelfeld sehr variabel. Eine Taktik wie der FC Barcelona oder Spanien, der Welt- und Europameister, die beide gerne auch einmal stürmerlos mit einem breiten Mittelfeld auflaufen, solle seine Mannschaft nicht anwenden, sagte Löw vor dem Spiel. Nur vier Profis, die beim 4:4 gegen Schweden Mitte Oktober in Berlin dabei waren, gehörten der ersten Elf an.

Das Team ging von der ersten Minute an sehr konzentriert zu Werke, darauf achtend, dass die Ordnung in der Defensive hielt. Die ballsicheren Spieler in der Offensive beschäftigten die Gastgeber. Bei den Holländern hatte Bondscoach Louis van Gaal von den Bundesliga-Profis Arjen Robben (FC Bayern), Rafael van der Vaart (Hamburg) und Ibrahim Afellay (Schalke) von Beginn an aufgestellt.

Huntelaar musste dagegen zuschauen, für ihn kam Dirk Kuijt (Fenerbahce). Die Oranjes zeigten nach den beiden Niederlagen innerhalb der vergangenen zwölf Monate großen Respekt vor dem Gegner. Sie agierten vorsichtig und wurden dadurch manchmal fast inaktiv. Die Deutschen spielten einen gepflegten Fußball, ruhig und klar, mit viel Ballkontrolle. Der Partie mangelte es jedoch an Tempo.

Es wurde Rasenschach praktiziert, ohne das ganz große Engagement und den letzten kämpferischen Einsatz. Rund 60.000 Zuschauer in der Amsterdam-Arena passten sich an, auch sie blieben sehr ruhig. Die besten Tormöglichkeiten hatte Götze mit einer Doppel-Chance (21.), Holtby (27.), Hummels mit einem Kopfball (35.), Reus (39.), der den Außenpfosten traf, und Gündogan direkt vor dem Pausenpfiff. Mehrmals blockte John Heitinga für Torwart Kenneth Vermeer, einen Länderspiel-Neuling, die Schüsse der Deutschen ab.

Auf der anderen Seite war Robben der auffälligste Spieler, aber eine Chance hatten die Niederländer nicht. Robben blieb wie Heitinga in der Halbzeit in der Kabine, van Gaal wechselte dreimal, brachte nach einer weiteren Viertelstunde für den angeschlagenen Afellay den 19 Jahre alten Debütanten Marco van Ginkel.

Löw hielt lange an seiner Startelf fest und begann sie erst ab der 72. Minute, als Podolski für Götze kam, umzubauen. In der 77. Minute hatte Daryl Janmaat die größte Chance für den Vizeweltmeister, aber dessen Flachschuss parierte Manuel Neuer. Insgesamt blieb auch in der zweiten Halbzeit Sicherheit auf beiden Seiten die erste Devise.

Gerne wurde der Ball hinten rum gespielt. Deutschland kassierte so nicht vier Gegentore wie gegen Schweden. Aber vorne fehlte ein echter Torjäger wie Miroslav Klose oder Mario Gomez. Ohne sie war die deutsche Elf wie ein Tiger ohne Zähne. Grund zur Freude gab es für den Schalker Roman Neustädter: Er debütierte in der 87. Minute als 53. Neuling unter Löw.

(Gregor Derichs, Ulf Zimmermann)


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