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Wolfsburgs Diego (r) darf in Düsseldorf wohl wieder spielen.

Wolfsburgs Diego (r) darf in Düsseldorf wohl wieder spielen. © Kevin Kurek

Fußball

Köstner als Psychologe gefragt - Diego dabei

Auf den VfL Wolfsburg wartet nach dem Aus für Alleinherrscher Magath jede Menge Arbeit. Interimstrainer Köstner ist vor dem Spiel in Düsseldorf als Psychologe gefragt.

Wolfsburg. Beim Mutterkonzern VW hat die Suche nach einem Manager begonnen.

Auf der Zugfahrt mit dem ICE 942 nach Düsseldorf hatte Lorenz-Günther Köstner drei Stunden lang Zeit, das Magath-Trauma aus den Köpfen der Fußball-Profis vom VfL Wolfsburg zu bekommen. Vor dem Spiel bei Fortuna Düsseldorf am Samstag ist der Interimstrainer des Bundesligaletzten als Psychologe gefordert. "Mir sind Gespräche wichtig, um zu erfahren, wie die Spieler ticken", sagte der 60-Jährige. "Wir müssen uns als Mannschaft zusammenraufen."

Köstners Aushilfsmission beim abgestürzten Ex-Meister ist ungleich schwerer als 2010. Schon damals war der VfL-Amateurcoach ein knappes halbes Jahr Profitrainer. Mit 1,73 Punkten pro Spiel ist Köstner bis heute der erfolgreichste Bundesligacoach der Niedersachsen. Als Nachfolger des geschassten Armin Veh übernahm er die damals aktuelle Meisterelf, die immerhin noch in der Europa League spielte, auf Platz zehn. Beim Vergleich mit dem Januar 2010 kann sich selbst Köstner einen Seitenhieb in Richtung des nun beurlaubten Felix Magath nicht verkneifen: "In meiner ersten Zeit hatte ich eine erstklassige Mannschaft übernommen. Jetzt funktioniert sie noch nicht."

Der frühere Unterhachinger und Kölner Bundesligacoach ist nun vorerst die nächste Lösung für den VW-Versuch, die Konzerntochter VfL auf Erfolg zu trimmen. Nach anderthalb Jahren Magath mit 37 Transfers für gut 71 Millionen Euro, ständigen Personalrochaden zwischen Spielfeld und Tribüne, Ausmusterungen und minimaler Kommunikation mit den Spielern ist die Verunsicherung groß. "Ob jetzt alles auf Knopfdruck besser wird, weiß ich noch nicht", sagte Köstner, der von Magath einen 35-Mann-Kader übernahm.

19 davon fuhren am Samstag nach Düsseldorf. Bei der Fortuna setzt Köstner auf erste personelle Veränderungen. Zwölf-Millionen-Mann Simon Kjaer und Mittelfeldstar Diego sind beim Interimscoach gesetzt. Unter Magath saß Diego beim peinlichen 0:2 gegen Freiburg 90 Minuten lang nur auf der Bank, Kjaer war zuletzt gar nicht mehr im Kader. Jan Polak und Makoto Hasebe, der noch kein einziges Mal in dieser Saison spielte, sollen dem VfL beim Aufsteiger Ordnung verleihen. "Nun müssen wir alle Lippenbekenntnisse beiseiteschieben. Ich habe der Mannschaft gesagt, dass sie in der Pflicht ist", sagte Köstner.

Wie lange der Fußballlehrer diesmal beim VfL wirken darf, dürfte in erster Linie von den Ergebnissen der ersten Spiele in Düsseldorf, am Mittwoch im Pokal gegen den Zweitligisten FSV Frankfurt und drei Tage später in Nürnberg abhängen. "Wir sind ihm dankbar, dass er das Amt jetzt übernommen hat. Alles andere wird man sehen", sagte Aufsichtsratschef und VW-Vorstand Francisco Javier Garcia Sanz.

Bei VW hat zunächst die Suche nach einem Manager Priorität, der im Optimalfall - sofern Köstner die verunsicherte Mannschaft schnell in den Griff bekommt - zusammen mit dem Aufsichtsrat in Ruhe einen neuen Cheftrainer suchen kann. Durch die Machtfülle Magaths als Trainer, Manager und Geschäftsführer hat VW nun ebenfalls jede Menge Arbeit. Eine Ämteranhäufung soll es nie mehr geben. Laut Wolfsburger Medien sind für den Managerposten Christian Nerlinger, Dietmar Beiersdorfer, Christian Hochstätter, Martin Bader und sogar Hannovers Jörg Schmadtke oder Salzburgs Ralf Rangnick im Gespräch.

Vom sportlich zuletzt wesentlich erfolgreicheren Nachbarn Hannover kam indes vorsorglich schon einmal eine Absage. "Es hat sich niemand gemeldet und das wäre auch nicht sinnvoll", sagte Clubchef Martin Kind der Nachrichtenagentur dpa. Gesprächsbereitschaft gebe es nicht, auch wenn VW mal wieder die prall gefüllten Geldschränke öffnet. Das war zumindest in den vergangenen drei Jahren schon erfolglos.

Gemessen am Punkteschnitt pro Spiel ist Lorenz-Günther Köstner bislang der erfolgreichste Bundesligatrainer des VfL Wolfsburg. Die erfolgreichsten Wolfsburger Bundesligatrainer im Überblick:

dpa


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