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Der DFB ist sehr verärgert über die vorzeitigen Veröffentlichungen von internen Ermittlungsprotokollen in der WM-Affäre.

Der DFB ist sehr verärgert über die vorzeitigen Veröffentlichungen von internen Ermittlungsprotokollen in der WM-Affäre. © Boris Roessler

Fußball

Indiskretionen in der WM-Affäre: Peinlichkeit für den DFB

Die Frage nach der dubiosen 6,7-Millionen-Zahlung beim DFB ist weiter ungeklärt. Die Aufklärungsarbeiten liefen unter strenger Geheimhaltung - bisher. Jetzt sucht der Verband einen "Maulwurf".

Frankfurt/Main. Die Nachricht von peinlichen Indiskretionen in der WM-Affäre erwischte den möglichen neuen DFB-Chef beim Ortstermin mit Flüchtlingen in Berlin.

"Ich bedauere, dass Infos durchgestochen worden sind", sagte Präsidentschaftskandidat Reinhard Grindel, nachdem Details aus dem externen Untersuchungsbericht der Ermittler beim Deutschen Fußball-Bund durchgesickert waren. Der Ärger über das Leck bei der Aufklärungsarbeit war Grindel deutlich anzusehen. "Der DFB hat mit großem Befremden zur Kenntnis genommen, dass vertrauliche Vernehmungsprotokolle in den Medien auftauchen", teilte der Verband mit.

Den Inhalt der brisanten Aussagen - unter anderem von Ex-Präsident Wolfgang Niersbach gegen seinen langjährigen Freund Franz Beckenbauer - bestritt der DFB nicht. "Es bleibt trotz dieser äußerst ärgerlichen Indiskretionen dabei, dass Freshfields seine gesamten Ergebnisse vorstellt, sobald die Untersuchungen abgeschlossen sind", hieß es weiter.

Der Bericht der vom DFB beauftragten Frankfurter Wirtschaftskanzlei Freshfields Bruckhaus Deringer soll frühestens im Februar fertig sein. Die "Bild"-Zeitung hat aber bereits jetzt Auszüge aus den Vernehmungsprotokollen publik gemacht - für den krisengeplagten DFB ein weiterer Tiefschlag.

Der "Maulwurf" kann nach Angaben des Verbandes nicht aus dem eigenen Haus kommen. "Zur Klarstellung: Weder der Präsidialausschuss noch das gesamte DFB-Präsidium hatten zu irgendeinem Zeitpunkt Zugang zu den Protokollen der Kanzlei Freshfields Bruckhaus Deringer", erklärte der Verband. Ein Sprecher von Freshfields sagte, das Unternehmen werde aus Rücksicht auf laufende Ermittlungen keine Stellungnahme abgeben.

"Bild" zitierte aus den Vernehmungsprotokollen von Niersbach, Ex-Generaldirektor Horst R. Schmidt und Ex-DFB-Direktor Stefan Hans. Demnach habe sich Niersbach daran erinnert, dass Beckenbauer ihm 2002 nach der Wiederwahl von FIFA-Präsident Joseph Blatter gesagt habe: "Der ist auch mit meinem Geld gewählt worden." Ähnlich habe sich Hans geäußert. Beckenbauer habe auf die Frage, wem Blatter seine Wahl zu verdanken habe, auf sich selbst gezeigt. Zu diesen Darstellungen wollte sich Beckenbauer auf Anfrage am Dienstag nicht äußern.

Im Kern geht es um die 6,7 Millionen Euro (10 Millionen Schweizer Franken), die damals vom DFB an die FIFA flossen. Deren Zweck und Verbleib ist nach wie vor ungeklärt. Beckenbauer, der damalige Präsident des WM-Organisationskomitees, hatte in einem Interview der "Süddeutschen Zeitung" Ende November gesagt, dass man der FIFA-Finanzkommission zehn Millionen Franken habe bezahlen müssen, um den WM-Zuschuss von 250 Millionen Schweizer Franken zu bekommen. Dies ist auch die Version des DFB.

Ein Verdacht ist, dass die Summe verwendet wurde, um Stimmen für die Vergabe der WM 2006 zu kaufen. Ein zweiter, dass sie für Schmiergelder in Blatters Wahlkampf verwendet wurden. Auf eine entsprechende Frage hin hatte Beckenbauer gesagt: "Was soll ich sagen. Ich weiß es einfach nicht. Es bringt ja nichts." Der damalige DFB-Präsident Gerhard Mayer-Vorfelder habe ihm geraten, sich nicht in FIFA-Interna einzumischen.

Niersbach sitzt als DFB-Vertreter in den Exekutivkomitees der Europäischen Fußball-Union UEFA und des Weltverbandes FIFA - und das soll nach Ansicht des DFB auch so bleiben. Für eine Abberufung sieht der weltgrößte Sportfachverband weiter keinen Grund. "Die Ergebnisse der unabhängigen Untersuchung durch die Kanzlei Freshfields liegen zwar noch nicht vor, zum jetzigen Zeitpunkt gibt es aber keinerlei Anzeichen, dass Niersbach aufgefordert werden müsste, aus seinen Ämtern bei der UEFA und FIFA auszuscheiden", sagte DFB-Interimspräsident Rainer Koch der "Sport Bild" (Mittwoch).

Niersbach war am 9. November als Verbandschef zurückgetreten, nachdem er im Skandal um eine dubiose 6,7-Millionen-Euro-Zahlung vor der WM 2006 in Deutschland eine schlechte Figur gemacht hatte. Bei der UEFA soll Niersbach dem DFB weiter bei der Bewerbung um die Europameisterschaft 2024 helfen.

"Er hat über Jahrzehnte sehr viele internationale Kontakte aufgebaut. Es wäre ja töricht, sein Angebot, uns Türen zu öffnen und sich für unser Vorhaben einzusetzen, auszuschlagen", sagte Koch. Zudem solle Niersbach die weitere Aufklärungsarbeit beim DFB durch die externen Freshfields-Ermittler auf internationaler Ebene vermitteln.

dpa


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