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Der FC Bayern ist in der Bundesliga das Maß aller Dinge.

Der FC Bayern ist in der Bundesliga das Maß aller Dinge. © Sven Hoppe

Fußball

Genügsame Bayern kurz vor Herbstmeisterschaft

"Der Nikolaus war noch nie ein Osterhase." Uli Hoeneß warnte einmal vor Rückschlüssen von der Herbstmeisterschaft auf das Saisonende. Aber wer zweifelt noch an Halbzeittitel und Schale für die Münchner? Die Bayern tun das als "Quatsch" ab, feiern Tore, Rekorde und Zahlen.

München. Diese Niederlage konnte Pep Guardiola locker verschmerzen. Beim Bierkrugstemmen schlug sich der Bayern-Trainer begleitet von rhythmischem Klatschen und zünftiger Musik wacker, ehe er den Steinkrug doch absetzen musste.

Guardiola lächelte beim Auftritt in Vilsbiburg, seine Stars präsentierten sich bei ihren deutschlandweiten Fanclubreisen ebenfalls in guter Laune. Der designierte Herbstmeister ließ sich von seinem Anhang am Tag nach dem Sieg im nächsten Bundesliga-Spitzenspiel ausgiebig feiern - vor den Adventsbesuchen hatten sich die Münchner noch in vorweihnachtlicher Bescheidenheit geübt.

Nach 42:4 Toren in den bisherigen zehn Heimspielen der Saison und festlichen Finanzzahlen am Vortag begnügten sich die Münchner gegen Hertha BSC mit einem 2:0. "Riesenkompliment, wir sind happy. Nach dem Besuch der Fanclubs ruhen wir uns ein bisschen aus und dann spielen wir nächste Woche in Gladbach", erklärte Sportvorstand Matthias Sammer nach der nächsten Bundesliga-Bestmarke des deutschen Fußball-Rekordmeisters.

40 Punkten nach 14 Spieltagen gab es noch nie. Unaufhaltsam streben die Münchner der 21. Hinrundenmeisterschaft entgegen - und in 17 von 20 Fällen davor waren sie am Ende auch Champion. Das Etappenziel Herbstmeisterschaft sei ihm "völlig wurscht", wiegelte Sammer ab. "Herbstmeisterschaft können sie nirgendwo draufschreiben." Dass der 26. Meistertitel den Münchnern schon jetzt nicht mehr streitig zu machen sei, tat der Sportvorstand auch als "Quatsch" ab.

Wenn die Bayern sich aber selbst von jeder Menge Weltklasse-Ausfällen nicht stoppen lassen, kann der Rathaus-Balkon bald wieder zu Frühbucher-Konditionen fix gemacht werden. "Es betrifft ja nicht nur die Weihnachtszeit, wir spielen ja schon ein paar Wochen sehr, sehr gut, sammeln unsere Punkte ein", sagte Kapitän Philipp Lahm. "Aber man muss immer arbeiten und weiter nach vorne schauen, man kann sich nicht auf den Lorbeeren ausruhen."

Das macht der FC Bayern "in der besten Zeit seiner Geschichte", wie es Vorstandschef Karl-Heinz Rummenigge formulierte, auch bei den Finanzen nicht. Einen Rekordgewinn von 23,8 Millionen Euro bei einem Umsatz mit 523,7 Millionen Euro verkündeten die Münchner auf ihrer Jahreshauptversammlung, bei der die Vereinsikonen Franz Beckenbauer und Uli Hoeneß kräftigen Zuspruch bekamen.

Guardiola lobte dagegen wieder einmal sein Team. Wegen acht Ausfällen musste er kräftig improvisieren. Guardiolas gepredigte Vielseitigkeit bescherte Jérôme Boateng zwischenzeitlich einen Mittelfeldplatz. Javi Martínez präsentierte sich defensiv und offensiv als Alleskönner. "Er hat eine große Mentalität", pries Guardiola.

Unbezahlbar war im Ensemble wieder einmal Thomas Müller (34. Minute), der mit seinem 13. Saisontor seine persönliche Saisonbestleistung einstellte und vor dem 2:0 durch Kingsley Coman (41.) entscheidend den Weg ebnete. "Jetzt hat er seinen Rekord eingestellt. Ich hoffe, er stellt seine Spielweise jetzt nicht ein", flachste Lahm. Kein Wunder, dass die Münchner Ur-Bayer Müller abwerbungsimmun über den schon bis 2019 laufenden Vertrag hinaus an sich binden wollen. "Er ist ein absolutes Juwel für unseren Club", hob Sammer hervor.

Gar nicht zum Lachen war dem Torschützen kurz vor Spielende zumute, als er von einem auf das Feld gerannten Zuschauer umklammert wurde. "Das ist jetzt nicht der erste Flitzer", erklärte Müller, "natürlich ist es nicht unbedingt optimal, weil wenn irgendwann alle Zuschauer im Minutentakt aufs Feld laufen, haben wir keine Zeit mehr, Fußball zu spielen. Aber es ist nicht dramatisch." Müller selbst dachte nicht "an die Geschehnisse der jüngsten Vergangenheit", aber das Vorkommnis hinterließ mit dem Wissen der Vorwochen und angesichts erhöhter Sicherheitsmaßnahmen kein gutes Gefühl.

Gemessen an den 5:1-Demütigungen für Vizemeister VfL Wolfsburg und Borussia Dortmund kamen die Berliner zum Start gnädig davon - und verteidigten ihre Mauer-Strategie. "Wenn Sie die Meinung haben, wir müssen Hurra-Fußball spielen, und acht Stück kriegen - dann haben Sie viel Ahnung", antwortete Coach Pal Dardai auf eine Taktik-Nachfrage.

dpa


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