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Das Innenleben von Michael Frontzeck ist nicht so gelassen, wie es manchmal scheint.

Das Innenleben von Michael Frontzeck ist nicht so gelassen, wie es manchmal scheint. © Peter Steffen

Fußball

Fünf-Spiele-Trainer Frontzeck nur äußerlich gelassen

Hannover (dpa) - Michael Frontzeck scheint ein guter Schauspieler zu sein. "Seine Ruhe" bewundert Hannovers Clubchef Martin Kind an dem Fußball-Lehrer, mit dem er einen der merkwürdigsten Verträge der Bundesliga-Geschichte ausgehandelt hat.

Aber so ruhig und gelassen, wie es scheint, ist der Fünf-Spiele-Trainer gar nicht. "In mir sieht es ganz anders aus", sagt Frontzeck.

Der 51 Jahre alte Coach hat sich bei Hannover 96 auf einen auf fünf Partien begrenzten Feuerwehr-Job eingelassen, der wohl seine einzige Chance auf eine Anstellung in der höchsten Fußball-Liga war. Mehr als ein Jahr war der ehemalige Nationalspieler seit dem Rauswurf beim Zweitligisten St. Pauli arbeitslos - und er ist es am Samstag gegen 17.20 Uhr vielleicht schon wieder.

Verliert 96 im Endspiel gegen den SC Freiburg und muss wegen ausbleibender Schützenhilfe anderer Clubs in die 2. Liga absteigen, dann dürfte Frontzecks Engagement in Hannover beendet sein. Auch wenn Clubchef Kind zuletzt mehrfach gesagt hat: "Er ist unser erster Ansprechpartner." 

Durch die niedersächsische Landeshauptstadt wabern bereits Gerüchte über eine Rückkehr von Mirko Slomka oder ein Engagement des in Hannover lebenden Paderborn-Coaches Andre Breitenreiter. Und aus Stuttgart kam die Meldung, dass Thorsten Fink neuer Trainer werde. Kind reagierte ärgerlich und mit drastischen Worten: "Wir sind nicht für jeden Scheiß verantwortlich, was an Informationen politisch gestreut wird." Und: "Ich müsste ja besoffen sein, jetzt ins offene Messer zu laufen und mit jemandem zu reden."

Aber auch ein Sieg gegen Freiburg und der damit verbundene Klassenverbleib führen nicht automatisch zu einem neuen Vertrag mit längerer Laufzeit. "Euphorie ist der falsche Ratgeber", sagte Kind nach dem 2:1 in Augsburg und dem Ende der 151 Tage langen Zeit ohne Sieg. "Ich warne vor falscher Euphorie, da wird mir ganz speiübel. Realismus und Vernunft sind gefordert."

Frontzecks Einschätzung deckt sich mit der des Chefs. "Euphorie ist fehl am Platze", sagte der Coach fast wortgleich. "Aber für das Selbstbewusstsein war es wichtig." 96 kann den Abstieg wieder aus eigener Kraft verhindern.

Der Trainer bleibt vor dem letzten Punktspiel zumindest äußerlich gelassen und spielt die Rolle des Mahners. "Das ist befreiend - auf der einen Seite", sagte er zum Ende der schwarzen Serie: "Auf der anderen wissen wir, dass wir noch einen schweren Gang zu gehen haben gegen eine gute Mannschaft, die das gleich Ziel hat." 

Geht es am Samstag schief, ist der bisher gute Eindruck des Kurzzeit-Trainers schon wieder dahin. Sorgen um die Zukunft scheint sich Frontzeck dennoch nicht zu machen. Was wohl weniger an der Prämie für den Klassenverbleib liegt, die bei geschätzten 500 000 Euro liegen soll, sondern an seinem Naturell. "Mit Angst kann ich nichts anfangen", versicherte Frontzeck.

dpa


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