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Franck Ribery verkündete seinen Abschied aus der Nationalelf.

Franck Ribery verkündete seinen Abschied aus der Nationalelf. © Robert Ghement

Fußball

Frankreich weint nicht um Ribéry

Trister Abgang für Franck Ribéry: Der Rücktritt des Bayern-Profis aus der französischen Nationalmannschaft ist in der Heimat vorwiegend mit Kritik und Gleichgültigkeit quittiert worden.

Paris. Zumindest Fußball-Verbandspräsident Noël Le Graët hofft auf einen Sinneswandel: "Ich bin davon überzeugt, dass er seine Position überdenken wird, sobald er wieder zu seiner Bestform zurückgefunden hat", teilte er in einem Kommuniqué mit.

Medien, Fans und selbst die Fußballszene der Grande Nation weinten "König Franck" indes kaum eine Träne nach. Der Abschied sei für die Équipe tricolore "überhaupt nicht folgenschwer", erklärte zum Beispiel Ex-Nationalspieler und Journalist Jean-Michel Larqué. "Zwischen dem, was Ribéry in München gemacht hat, und seinem Scheitern in der Nationalelf gibt es eine riesige Kluft."

Mit seiner Meinung steht Larqué nicht alleine da. Im Gegenteil: Bei einer Online-Umfrage der Zeitung "Le Parisien" ließen nicht weniger als 91 Prozent der teilnehmenden Leser wissen, sie bedauerten die Entscheidung des 31-jährigen Flügelflitzers überhaupt nicht.

Ribéry habe mit der Nationalelf nichts gewonnen und gehöre nicht in die Reihe der ganz Großen des französischen Fußballs, "wie Platini, Zidane, Deschamps und andere", sagte auch Ex-Nationalspieler Jerome Rothen dem Nachrichtensender BFMTV. Einer der wichtigsten Sportjournalisten des Landes, Bernard Morlino, meinte unterdessen abfällig, Ribéry habe ihn "nie vom Sitz gerissen". Auf dem Feld mache der Nordfranzose aus Boulogne-sur-mer "immer das Gleiche".

Nicht wenige Medien und Beobachter vermuten, dass Ribéry mit dem Rücktritt einer Nichtberücksichtigung durch Nationaltrainer Didier Deschamps zuvorkommen wollte. "Er will nicht, dass man für ihn entscheidet. Dass man ihm sagt: Au-revoir monsieur", glaubte Raymond Domenech, der Ribéry bei der Chaos-WM 2010 in Südafrika coachte, als die Blauen lediglich durch schlechte Leistungen, Affären und den berüchtigten Trainingsstreik von Knysna von sich reden machten und schon nach der Vorrunde die Koffer packen mussten.

Le Graët fragte dagegen: "Wie kann das Team von Frankreich auf einen seiner besten Spieler verzichten, wenn dieser die beste Form wiederfindet und bei einem der größten Clubs der Welt spielt?" Vor allem mit Blick auf die EM 2016 vor eigenem Publikum ist das nach Ansicht des Funktionärs unvorstellbar. Ribéry liebe die Mannschaft Frankreichs und die großen internationalen Turniere, sagte Le Graët.

"Le Parisien" bezweifelte, ob Ribéry noch unbedingt eine Rolle in den Plänen von Deschamps gespielt habe, nachdem Frankreich bei der WM 2014 ohne seinen bekanntesten Akteur und mit vielen jungen Profis "eine neue Dynamik entwickelt" habe. Der Spieler hatte seine Teilnahme am Turnier in Brasilien wegen Rückenproblemen abgesagt und damit einen Streit zwischen den Ärzten der französischen Nationalmannschaft und des FC Bayern ausgelöst. Nun müsse Ribéry zudem bei den Bayern "einer stärkeren Konkurrenz" um die Stammplatz die Stirn bieten, so das Blatt.

Die einflussreiche Sportzeitung "L'Équipe" rechnete vor, mit Ribéry habe Frankreich seit 2006 nur 50 Prozent aller Länderspiele gewonnen, ohne den Star eine Siegesquote von 62 Prozent erreicht. Bei WM- und EM-Endrunden habe der Offensivmann nur einmal ins Schwarze getroffen (beim 3:1 im WM-Achtelfinale 2006 gegen Spanien). Und der designierte Nachfolger, Atlético Madrids Stürmer Antonie Griezmann, habe ja bis zur Euro 2016 im eigenen Haus noch Zeit, um Erfahrung zu sammeln.

Nicht nur der Verbandschef bezweifelte jedoch, ob das letzte Kapitel der Ribéry-Saga geschrieben ist. Zinédine Zidane habe ja auch einen Rückzieher gemacht, nachdem er im August 2004 seinen Rücktritt aus der Nationalmannschaft erklärt hatte. Ein Jahr später gab es ein Comeback, und 2006 in Deutschland wurde Frankreich mit "Zizou" immerhin Vizeweltmeister. "Noch ist also noch nicht alles verloren", hieß es auf der Homepage des Radiosenders "France Info".

dpa


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