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FIFA: Fußball-Ligen sollen Videobeweis testen

Das Gremium, das über die Regeln im Fußball entscheidet, gilt als strikt konservativ. Rufe nach einem Videobeweis stießen dort jahrelang auf taube Ohren. Jetzt dürfen Ligen die Technik testen - über ihre Einführung ist damit aber längst noch nicht entscheiden.

Cardiff. Der neue FIFA-Präsident Gianni Infantino sprach bei seinem ersten wichtigen Termin im Amt von einer "historischen" Entscheidung. Die Fußball-Regelhüter haben mit einem richtungsweisenden Beschluss den Weg für Videobeweise frei gemacht.

Spätestens in der übernächsten Saison sollen mehrere Ligen die technische Hilfe für Schiedsrichter in der Praxis erproben. Die Testphase soll zwei Jahre lang dauern, wie das International Football Association Board (IFAB) am Samstag in Cardiff entschied - nach jahrelangem Widerstand gegen die Technik.

"IFAB und FIFA übernehmen nunmehr die Führung der Debatte anstatt sie zu verhindern", kommentierte Infantino den Beschluss. Zudem lockerte das achtköpfige Gremium die Dreifachbestrafung nach Notbremsen im Strafraum.

Noch ist nicht entschieden, welche Ligen den Videobeweis testen. Die Bundesliga gehört zu den bislang 13 Bewerbern, darunter zwölf nationale Ligen und eine Konföderation. Gemeinsam mit dem DFB wolle man sich nun "sehr aktiv" einbringen, teilte der Direktor der Deutschen Fußball Liga (DFL), Ansgar Schwenken, mit. Dem IFAB zufolge soll "eine Handvoll" Bewerber den Zuschlag für die Tests bekommen, deren Ergebnisse dann von einer Universität ausgewertet werden. Eingeführt wird die Technik Infantino zufolge nur, wenn sie sich als echte Hilfe für die Schiedsrichter und das Spiel erweist.

Der Videobeweis soll nur in spielentscheidenden Situationen zum Einsatz kommen, wie der FIFA-Chef betonte - bei Toren, direkten Roten Karten, Entscheidungen über Strafstöße und Verwechslung von bestraften Spielern. Wichtig sei, den Spielfluss nicht zu stören. Die drohende Zerstückelung des Spiels war bisher eines der wichtigsten Argumente der Videobeweis-Gegner. Zudem soll die Überprüfung kein taktisches Mittel für Trainer werden, ins Spiel einzugreifen, sondern nur den Schiedsrichtern dienen. In den Experimenten wird ein Assistent die Bilder sichten und mit dem Unparteiischen auf dem Platz kommunizieren.

Der ehemalige FIFA-Schiedsrichter Markus Merk sprach von einem "guten Tag für den Fußball". Auch Vereine begrüßten den Beschluss. "Ich bin ein Befürworter des Videobeweises, ich komme ja aus dem Eishockey", sagte etwa Werder Bremens Geschäftsführer Thomas Eichin, der für den DEL-Club Kölner Haie gearbeitet hat. Im Eishockey sind Videobeweise Alltag. VfB-Sportvorstand Robin Dutt sagte, der Verein könne die Testphase "nur unterstützen". Nationalspieler Thomas Müller findet die Technik "nicht schlecht" und erklärte: "Man fühlt sich auf dem Platz ja schon manchmal ungerecht behandelt."

Bereits ab Juni gilt - ebenfalls zunächst auf Probe - die Änderung bei der Dreifachbestrafung aus Roter Karte, Sperre und Strafstoß. Wie Infantino erklärte, soll ein Abwehrspieler oder ein Torwart künftig nur eine Gelbe Karte bekommen, wenn sein Foul am angreifenden Gegenspieler im Strafraum "ehrlich" der Balleroberung dienen sollte. Einen Strafstoß für die angreifende Mannschaft gibt es weiterhin. Diese Neuregelung gilt auch für die Europameisterschaft in Frankreich.

dpa


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