Navigation:
EM

Deutsche Hooligans randalieren in Lille

Im Vorfeld des deutschen Auftaktspiels bei der Fußball-Europameisterschaft gegen die Ukraine ist es am Sonntag zu Ausschreitungen im Stadtzentrum von Lille gekommen. Mehr als 50 deutsche Hooligans griffen dabei am späten Nachmittag in der Nähe des Bahnhofs ukrainische Fans an.

Lille/Trier. Das bestätigte Volker Goll, stellvertretender Leiter der Koordinationsstelle Fanprojekte (KOS), dem SID. "Die französische Polizei hat sehr spät eingegriffen", sagte Goll. Die KOS begleitet die deutschen Fans in Frankreich. Nach Augenzeugenberichten flogen vor den Straßencafés Flaschen, Stühle und Rauchbomben, auch sollen rechtsradikale Prolen skandiert und eine Reichskriegsflagge gezeigt worden sein. Nach SID-Informationen sollen sich rund 150 polizeibekannte Gewalttäter aus Deutschland in Lille aufhalten.

Weitere Hooligans hatte die Bundespolizei in der Grenzeregion in Rheinland-Pflaz an der Einreise nach Frankreich gehindert. Wie ein Sprecher am Sonntag in Trier sagte, wurde zunächst eine 18-köpfige Gruppe einschlägig bekannter Gewalttäter aus Dresden an der Ausreise gehindert. Die Männer seien in drei Kleinbussen unterwegs gewesen, bei ihnen seien Sturmhauben und Mundschutze gefunden worden. Am Nachmittag wurden noch mal drei Hooligans aus Kaiserslautern gestoppt, wie der Sprecher mitteilte. Man gehe davon aus, dass sie beim Spiel der deutschen Nationalelf am Sonntagabend gegen die Ukraine in Lille gewalttätige Auseinandersetzungen geplant hätten. Einer der Männer aus Kaiserslautern habe deutschlandweit Stadionverbot, seine beiden Begleiter hätten sich ihre Tickets unter falschem Namen beschafft.

Die Bundespolizei Trier hatte am Sonntag den Grenzraum zu Luxemburg und Belgien verstärkt kontrolliert. Die Beamten wollen gewaltbereite Fußballfans herausfiltern, die nach Frankreich einreisen wollen, um die Fußball-EM zu stören. Feste Grenzkontrollen sind zur EM nicht geplant. Laut Sprecher gab es am Sonntag noch einige kleinere Fahndungserfolge. So sei unter anderem ein Haftbefehl vollstreckt worden.

Unterdessen hat die französische Regierung wegen der Ausschreitungen zwischen russischen und englischen Fans ein Alkoholverbot im Umfeld von EM-Veranstaltungen angeordnet. Innenminister Bernard Cazeneuve teilte mit, er habe angeordnet, Maßnahmen zu ergreifen, um an Spieltagen, den Tagen davor und bei Öffnung von Fanmeilen in den "sensiblen Bereichen" den Kauf, den Konsum und den Transport alkoholischer Getränke zu verhindern. "Die Vorfälle von Marseille von gestern Abend sind inakzeptabel", sagte Cazeneuve. 35 Menschen wurden bei der Gewalteskalation vor dem Spiel England gegen Russland in Marseille verletzt, sieben von ihnen schwer. Zehn Beteiligte waren am Sonntag in Polizeigewahrsam, darunter ein Deutscher.

Ausländische Fans, deren Verhalten die öffentliche Ordnung gefährde, könnten ausgewiesen werden, sagte Cazeneuve. Jedem einmal in Gewahrsam genommenen Fußballfan könne der Zutritt zu Stadien, Fanmeilen und bestimmten Stadtvierteln untersagt werden.

dpa/sid


Bildergalerien Alle Galerien
Anzeige
Anzeige