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Die Meisterfrage scheint auch für Bayern-Trainer Guardiola schon vor dem ersten Spieltag geklärt zu sein.

Die Meisterfrage scheint auch für Bayern-Trainer Guardiola schon vor dem ersten Spieltag geklärt zu sein. © Andreas Gebert

Fußball

Bundesliga mit Bayern-Dominanz ohne Langeweile

Frankfurt/Main (dpa) - Auch der FC Bayern hat noch einen Traum - und er dürfte nach aller Fußball-Logik Realität werden. Vor dem Anpfiff der 53. Bundesliga-Saison am 14. August mit dem Nostalgie-Klassiker gegen den Hamburger SV ist der mögliche vierte Meistertitel in Serie nicht nur in München ein heiß diskutiertes Thema.

Die Liga debattiert mit Verve die Übermacht des Rekordchampions. Ein probates Mittel gegen die Bayern-Dominanz will zumindest vor dem Auftakt aber niemandem einfallen.

"Die Frage, wer in der kommenden Saison Meister wird, kann eingestellt werden. Mit den Bayern wird es zum ersten Mal einen Verein geben, der zum vierten Mal in Serie deutscher Meister wird. Und im übernächsten Jahr wahrscheinlich erstmalig zum fünften Mal", sagte Borussia Dortmunds Geschäftsführer Hans-Joachim Watzke. Der BVB selbst steht nach dem Trainerwechsel von Jürgen Klopp zu Thomas Tuchel vor einer richtungsweisenden Spielzeit.

Auch vom VfL Wolfsburg, der die Dortmunder im Ensemble der Bayern-Jäger als erster Kandidat und Vize-Meister abgelöst hat, gibt es keine provokante Kampfansage: "Im Normalfall ist der FC Bayern München auch in dieser Saison das Maß aller Dinge", sagte Trainer Dieter Hecking. In München nehmen sie dieses sicherlich auch kalkulierte Understatement zur Kenntnis.

"Es ist nicht einfach, aber das ist ein gutes Ziel für uns. Diese Spieler können das zum ersten Mal schaffen", sagte Trainer Pep Guardiola vor seiner dritten - und vielleicht letzten - Saison in der Bundesliga. Vielleicht ist die Fokussierung auf die nationalen Ehren aber auch ein bajuwarisches Ablenkungsmanöver. Denn ein eventuelles, erneutes (zu frühes) Scheitern in der Champions League könnte mit der nationalen Rekordmarke übertüncht werden.

Einer von Guardiolas Vorgängern - Jürgen Klinsmann - fasst die Stimmungslage zur Meisterfrage zusammen: "Wenn sich der amtierende Meister noch einmal mit internationalen Topspielern verstärkt - wie es die Bayern getan haben - ist sicher nicht davon auszugehen, dass der Abstand geringer wird", sagte der 51-Jährige der "Stuttgarter Zeitung".

Langeweile also in der Liga? Dies ist für DFL-Boss Christian Seifert nicht die adäquate Frage. "Die Diskussion um die Langeweile in der Bundesliga ist langweilig. Sie ist komplett überflüssig, weil sie nichts mit der Realität zu tun hat", sagte der Geschäftsführer der Deutschen Fußball Liga (DFL). 40 Millionen Fußball-Fans gebe es in Deutschland und "15 Millionen Menschen, die die Bundesliga jede Woche am Bildschirm verfolgen. Das sportliche Abschneiden des Lieblingsvereins ist die Motivation dafür. Und nicht, wer Meister wird".

Die Wirtschaftskennzahlen sind für Seifert Beleg des Begeisterungspotenzials an 34 Spieltagen und bei 306 Spielen bis zum Liga-Finale am 14. Mai 2016. "Die Tatsache, dass der Profifußball 110 000 Arbeitsplätze schafft, mehr als zwei Milliarden Euro an Steuern und Abgaben bezahlt und es ein Wachstum gab, das deutlich über dem in der deutschen Wirtschaft lag, sagt einiges aus über die Stärke des Profifußballs. Sei es als sportlicher Wettbewerb, in seiner wirtschaftlichen Ausprägung oder in seiner Fähigkeit, die Menschen zu begeistern", sagte Seifert.

Die Freude des Top-Managers über sein Produkt klingt plausibel: Dass die Liga boomt, steht außer Frage. Der Dauerkarten-Verkauf musste fast überall gestoppt werden, als die veranschlagte Maximalquote erreicht war. Den Fans sind aber Namen wichtiger als Zahlen. Die Bayern holten mit Arturo Vidal (37/Juventus Turin) und Douglas Costa (30 Millionen Euro/Schachtjor Donezk) die teuersten und bekanntesten Profis aus dem Ausland.

Ansonsten wurde in der Bundesliga prominentes Personal zwischen den ambitionierten Clubs, die gerne die Bayern vom Thron stoßen würden, hin- und hergeschoben. Max Kruse (12 Millionen Euro) ging von Mönchengladbach nach Wolfsburg, Gonzalo Castro (11) von Leverkusen nach Dortmund und Johannes Geis (12) von Mainz 05 zu Schalke 04.

Insgesamt könnte ein Transferrekord herauskommen - mit Ausgaben von offenbar mehr als 280 Millionen Euro und Erlösen von fast 260 Millionen Euro. Letztere maßgeblich durch den Bundesliga-Rekord von 41 Millionen Euro für den Wechsel von Roberto Firmino von 1899 Hoffenheim zum FC Liverpool.

Von solchen Summen können sie bei den Aufsteigern nur träumen. Bundesliga-Neuling Nummer 54, der FC Ingolstadt, und Rückkehrer Darmstadt 98 gehen als große Außenseiter in die Spielzeit - mahnende Beispiele, dass der Klassenverbleib schwierig ist, gibt es mit der SpVgg Greuther Fürth, Eintracht Braunschweig und dem SC Paderborn. "Ja, wir schießen mit Spatzen auf Kanonen, aber wir waren auch in der zweiten Liga das gallische Dorf mit dem kleinsten Etat und sind nach oben durchmarschiert", sagte Darmstadt-Trainer Dirk Schuster der "FAZ".

Neu in der Liga ist die technische Hilfe für die Schiedsrichter. Das Hawk-Eye wird künftig den Referees mitteilen, ob der Ball im Tor ist oder nicht. Sieben Kameras observieren jedes Tor. "Auf die Diskussion um zweifelhafte Entscheidungen auf Kosten der Schiedsrichter können wir gut verzichten", sagte Max Eberl, Sportchef von Borussia Mönchengladbach.

dpa


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