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Michael van Praag zog seine FIFA-Kandidatur zurück.

Michael van Praag zog seine FIFA-Kandidatur zurück. © Georg Hochmuth

Fußball

Blatter-Kritiker van Praag verzichtet auf Kandidatur

Im Machtkampf um den FIFA-Thron üben die Gegner von Joseph Blatter nun auch offiziell den Schulterschluss. Mit Prinz Ali bin al-Hussein als bestmöglichen Kandidaten wollen sie eine fünfte Amtszeit des höchstumstrittenen Schweizers doch noch verhindern.

Amsterdam. Der Niederländer Michael van Praag gab acht Tage vor der Abstimmung beim FIFA-Kongress in Zürich seinen Verzicht auf eine Kandidatur bekannt und verkündete die Kooperation mit dem FIFA-Vizechef aus Jordanien. Wie Luis Figo als weiterer verbliebener Kandidat reagieren wird, ist offen.

"Nach gründlicher Überlegung und Reflexion mit mehreren Beteiligten, hat sich Michael van Praag entschieden, seine Kandidatur für die FIFA-Präsidentschaft zurückzuziehen und die Kräfte mit Präsidentschaftskandidat Prinz Ali Hussein zu bündeln", hieß es in einer Pressemitteilung des Wahlkampfteams des niederländischen Verbandschefs am Donnerstag.

Mit dem Rückzug van Praags vollzieht sich ein weiterer Schritt im erwarteten Drehbuch auf dem Weg zur Wahl im Zürcher Hallenstadion. Bislang hatten die Bewerber alle ihre Autonomie betont. Dennoch wurde allgemein davon ausgegangen, dass es Strategie der Blatter-Gegner sein werde, am Ende nicht mit einem Trio anzutreten und sich dadurch gegenseitig Stimmen wegzunehmen.

Weiterer Bewerber um den Führungsposten im Fußball-Weltverband bleibt aber zumindest vorerst der portugiesische Ex-Star Luis Figo, der noch am Vortag seine Unabhängigkeit betont hatte und noch nicht von einem Rückzug sprechen wollte. Der frühere Weltfußballer gilt aber nur noch als Streichkandidat in einem ersten Urnengang, da sich die europäischen Verbände nun wohl hinter Prinz Ali bin al-Hussein vereinen werden.

Die 209 FIFA-Mitgliedsländer wählen den neuen Chef bei ihrem Kongress am 29. Mai in Zürich. Eine Wiederwahl Blatters gilt angesichts der Unterstützung des Schweizers aus Afrika und Asien als nahezu sicher - unabhängig aller Personalentscheidungen seiner Konkurrenz. Letztlich wird es für diese nur noch darum gehen, möglichst viele Stimmen zu bekommen, um die Position des 79 Jahre alten Blatter symbolisch zu schwächen. Offenbar traut die Koalition der Blatter-Gegner eher Prinz Ali zu, dieses Minimalziel zu erreichen.

Van Praag gilt als einer der profiliertesten Kritiker Blatters. Vor dem FIFA-Kongress 2014 in Sao Paulo hatte er bei einer UEFA-Sitzung das Wort ergriffen und den im Saal anwesenden Schweizer zum Rückzug aufgefordert. Dies hatte Blatter später als schlimmste Brüskierung in seiner Funktionärs-Laufbahn bezeichnet. Der 67-jährige van Praag wollte nur eine Amtszeit als FIFA-Chef fungieren, um eine Erneuerung des skandalumwitterten Weltverbandes einzuleiten. Die FIFA hatte er als Hort der "Unordnung" bezeichnet, der "ständig unter Verdacht von Interessenkonflikten, Vetternwirtschaft und Korruption" stünde.

Van Praag, der Blatter trotz aller Kritik immerhin noch als Berater in sein Führungsteam integrieren wollte, galt auch als Kandidat des Deutschen Fußball-Bundes. Präsident Wolfgang Niersbach hatte seinen Kollegen aus dem UEFA-Exekutivkomitee als absolut geeignet bezeichnet. Dennoch hatte sich der DFB bislang nicht auf einen Favoriten öffentlich festlegen wollen, da der nun eingetretene Rückzug nicht ausgeschlossen worden war.

dpa


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