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Max Kruse ist Wolfsburgs einziger Toptransfer.

Max Kruse ist Wolfsburgs einziger Toptransfer. © Arne Dedert

Fußball

Bayern-Herausforderer Wolfsburg startet zurückhaltend

Zwölf-Millionen-Mann Max Kruse muss bei der erhofften Herausforderung des FC Bayern genügen. Mehr hochkarätige Transfers wird es beim Vizemeister und Pokalsieger VfL Wolfsburg in diesem Sommer kaum geben.

Wolfsburg. Zum Vorbereitungsstart will Trainer Dieter Hecking Fußball-Deutschland auch deshalb lieber noch nicht zu viel versprechen. "Die Hoffnung ist bei vielen da, dass es nicht nur Bayern München ist, der um die Meisterschaft spielt und dass es den ein oder anderen Verein gibt, der es schafft, den Bayern Paroli zu bieten", sagte Hecking der Deutschen Presse-Agentur: "Wir werden diese Rolle aber nicht so annehmen, wie sie von außen gefordert wird, dass wir Bayern-Herausforderer sein sollen."

In genau dieser Rolle sehen den VW-Club aber viele. "Die Wolfsburger werden ein ernsthafter Konkurrent des FC Bayern, da bin ich mir sicher", sagte Bayerns Ehrenpräsident Franz Beckenbauer. Selbst Volkswagen-Chef und Bayern-Aufsichtsrat Martin Winterkorn wünscht sich einen Titel-Zweikampf: "Ja, das wäre natürlich schön."

Und auch die VfL-Stars ließen zuletzt durchblicken, wie es um die Ambitionen tatsächlich bestellt ist. Der bisherige Gladbacher Kruse blieb noch zaghaft: "Vielleicht können wir die Bayern angreifen. Aber das wird schwierig". Superstar Kevin De Bruyne wurde deutlicher. "Natürlich hoffe ich, dass wir mit dem VfL Meister werden", sagte er der "Sport Bild": "Wenn man sich die Entwicklung in den vergangenen zwei Jahren anschaut, sind wir auf dem richtigen Weg."

Kruse und De Bruyne waren beim Trainingsstart wie viele andere Stars noch nicht dabei: Insgesamt 13 Nationalspieler trudeln erst nach und nach ein. Mehr als Kampfansagen an die Bayern hat Hecking daher etwas anderes im Sinn: "So schnell wie möglich wieder auf das höchste Spielniveau zu kommen - das wird das Entscheidende sein." Sollte dies gelingen, könnte der Abstand zum FC Bayern nach Meinung von Manager Klaus Allofs "verkürzt werden. Dies wäre schon toll."

Offiziell heißt das Ziel zunächst erneute Qualifikation für die Champions League. "Da nehme ich auch kein Blatt vor den Mund", meinte Allofs, der sich auch auf dem Transfermarkt mit Kampfansagen zurückhielt. Dass Kruse bislang der einzige hochkarätige Zugang ist, ist untypisch für den VfL. "Unsere Mannschaft ist Pokalsieger und Vizemeister geworden. Wir sind nicht unter Druck, sondern können ganz gezielt schauen und auf Gelegenheiten warten", sagte Allofs zur Ruhe beim VfL, der in der Vergangenheit mit Großtransfers wie Luiz Gustavo (2013/16 Millionen Euro), De Bruyne (2014/22 Millionen Euro) und André Schürrle (2015/32 Millionen Euro) auf Champions-League-Niveau gehoben wurde.

Die Zurückhaltung hat aber auch mit den UEFA-Finanzkontrolleuren zu tun. "Über den Zeitraum von drei Jahren gibt es durch das Financial Fairplay eine klare Vorgabe. An die müssen wir uns halten. Und wenn man im ersten Jahr entsprechend investiert, dann muss man darauf Rücksicht nehmen und haushalten", meinte Allofs, dessen Club durch das besondere Konstrukt als hundertprozentige VW-Tochter in den vergangenen Monaten schon genau unter die Lupe genommen wurde. 

Bestes Beispiel ist das bestätigte Interesse an Nationalspieler Antonio Rüdiger vom VfB Stuttgart. Die Schwaben wollen dem Vernehmen nach rund 18 Millionen Euro für den Abwehrspieler, der wohl auch Wolfsburg favorisiert, haben. Interessent Chelsea wäre bereit, diese Summe zu bezahlen. Der VfL allerdings nicht. "Wir machen nicht alles mit", meinte Allofs.

Von der neuen Saison an dürfen die Clubs bis 2018 nicht mehr als 30 Millionen Euro Verlust machen. Zwar ist der VfL dank der immensen VW-Unterstützung mit jährlichen Beträgen im hohen zweistelligen Millionenbereich alles andere als defizitär. Nur müssen sich die Konzern-Zuwendungen eben auch am Werbewert für VW orientieren. Eine größere Investition ist bis zum 31. August wohl nur dann noch denkbar, wenn Torjäger Bas Dost den Club verlässt.

Deutliches Zeichen für die Ambitionen des VfL dürfte die angestrebte Verlängerung des ohnehin noch bis 2019 laufenden Vertrages von De Bruyne sein. Der Belgier soll zum Großverdiener aufsteigen und mit einem üppigen Preisschild für die interessierte europäische Konkurrenz versehen werden. Ein Poker um einen Wechsel noch im Sommer soll sich nicht entwickeln. "Vor Saisonbeginn werden wir das Thema um Kevins Vertrag geklärt haben", versprach Allofs in der "Wolfsburger Allgemeinen Zeitung".

dpa


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