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© Ulrich zur Nieden

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Asien

Babak Rafati will wieder pfeifen

Es kann auch mal laut werden in der Nordkurve, wenn über 96 diskutiert wird. Als Babak Rafati beim NP-Talk zu Wort kam, um seine Geschichte zu erzählen, wurde es ruhiger.

Hannover. Vor drei Jahren hatte er sich noch das Leben nehmen wollen. „Mir gehts gut“, sagte er. Stille. Dann füllte der frühere FIFA-Schiedsrichter den Raum. Seine Botschaft: „Leute, ich war bescheuert, ich bin ein Vorbild, wie man es nicht macht, das Leben ist viel zu schön, um es sich zu nehmen. Ich war krank. Ich wollte nicht sterben, sondern nur brüllen: Ich will als Mensch behandelt werden!“

Der Mensch Rafati gab eigene Fehler zu, rechnete mit den Schiedsrichter-Bossen ab und sprach bei der NP erstmals öffentlich über seine Zukunft: „Das ist wie bei einem Torwart oder Linksaußen, als Schiedsrichter bist du bekloppt.“ Ja, er will wieder Spiele pfeifen.

Sein Traum ist ein Job als Schiedsrichter „in Asien, in arabischen Ländern, das interessiert mich unheimlich“. Vorbild könnte die zweite Karriere des Schweden Jonas Eriksson sein, der bei der WM in Brasilien drei Partien leitete und mittlerweile in Katar pfeift. Auch einen Schiedsrichterposten in den USA „würde ich machen“, sagt Rafati.

Nur in Deutschland mag Rafati nicht mehr pfeifen. Das wolle er „meiner Familie nicht antun“. Er schließt ganz Europa aus, denn „die UEFA ist mir zu nah dran am DFB“. Mit dem Deutschen Fußball-Bund, insbesondere dem Schiedsrichterwesen, will er nichts mehr zu tun haben.

Rafati gibt zu, ein umstrittener Schiri gewesen zu sein: „Wegen meiner Körpersprache und meinem Auftreten.“ Den deutschen Schiedsrichter- Bossen Herbert Fandel und Hellmut Krug habe er „als Einziger meine Meinung gesagt“. Die Folgen, so Rafati: „Ich bekam Probleme. Ich habe Fehler gemacht, Klartext geredet - und dann ging es los mit dem systematischen Mobbing.“

Er wiederholte es mehrmals, als wolle er einen Fluch von damals mit diesen Worten loswerden: „Systematisches Mobbing, und ich sage das, weil es die Wahrheit ist.“ Fandel hatte sich schon einmal gegen Rafatis Vorwürfe gewehrt, die dieser in Talk-Shows geäußert hatte. Der Schiedsrichter-Chef sei „schockiert“ wegen Rafatis Vorwürfen. Er könne „die Sichtweise in keiner Weise nachvollziehen“.

Rafati aber zog weiter an dem Faden. Das Mobbing habe ihn in die Enge getrieben, er sei zerfressen gewesen vom eigenen Perfektionismus und dem „Hass gegen mich und gegen die, die mich gemobbt haben. Die haben Dinge gemacht, die menschenverachtend und respektlos sind.“ Unter anderem hatte Rafati seinerzeit seinen Status als FIFA-Schiedsrichter verloren.

Rafatis scharfe Kritik richtete sich auch gegen den damaligen DFB-Chef Theo Zwanziger. Er kritisiert Zwanzigers Haltung nach dem Tod von Robert Enke und dessen Rede in Hannovers Arena: „Das kotzt mich an, wenn einer wie er sagt ,Hand aufs Herz‘ und lässt dann die Hände in der Hosentasche.“

Der 44-Jährige hält aktuell viele Vorträge. Auch über seine Therapie: „Ich hatte eine Depression, ich war krank. Die Therapie war für mich ein Sechser im Lotto. Und meine Frau der zweite Sechser im Lotto.“ Seine hübsche Gattin Rouja hörte in der Nordkuve zu. Frauen, sagt Rafati, seien zu beneiden: „Ich hätte als Schiedsrichter einfach aussteigen können. Frauen können das besser als Männer, die ständig Stärke zeigen wollen. Heute weiß ich, dass es gut ist, Schwächen zuzugeben.“

Ein starker Auftritt des früheren FIFA-Schiedsrichters aus Hannover. Rafati bekam viel Zuspruch von den Menschen aus dem Publikum. Man wünschte ihm viel Glück: in Asien - oder wo er sonst wieder aktiv sein kann. Auf deutsche Fußballplätze pfeift Rafati.


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