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Die Funktionärskarriere von Theo Zwanziger endet.

Die Funktionärskarriere von Theo Zwanziger endet. © Maurizio Gambarini

Fußball

Abschied: Zwanziger verlässt die Funktionärs-Welt

Theo Zwanziger erwartet bei seinem Abschied als Fußball-Funktionär sicher keine Blumen vom DFB. Wenn die Laufbahn des ehemals mächtigsten Mannes im Deutschen Fußball-Bund am Freitag beim FIFA-Kongress ihr Ende findet, wird auch ein unrühmliches Kapitel in der Geschichte der deutschen Sportpolitik geschlossen.

Zürich. n. Zwanziger - bis Freitag noch deutscher und europäischer Gesandter im FIFA-Exekutivkomitee - steht mittlerweile ohne jeden Verbündeten aus dem Lager da, das er eigentlich mit Sitz und Stimme im Weltfußball vertreten sollte.

Einzig FIFA-Chef Joseph Blatter setzte zuletzt noch auf die Zusammenarbeit mit dem Juristen als Sonderbeauftragten für den nur mäßig erfolgreichen FIFA-Demokratisierungsprozess und als moralisch integre Stimme zu den Menschenrechtsfragen im WM-Gastgeberland Katar. "Vielen Dank für eine erfolgreiche, herausragende Arbeit", warf Blatter Zwanziger als Lob entgegen, als dieser letztmals im März nach einer Exko-Sitzung mit dem Schweizer vor die Presse trat. Bei seinem letzten Meeting in der Fußball-Weltregierung fehlte Zwanziger am Montag zunächst.

Beim DFB herrscht über Zwanziger nur noch frustriertes Schweigen. Seit der Ex-Chef die Vergütungsregelung seines Nachfolgers Wolfgang Niersbach (erfolglos) von der FIFA-Ethikkommission prüfen ließ, ist in Frankfurt keine Bereitschaft mehr vorhanden, über Zwanziger auch nur ein Wort zu verlieren. Das übernahm stattdessen die UEFA: "Das Exekutivkomitee ist traurig und verärgert über sein Benehmen", sagte Generalsekretär Gianni Infantino im März. "Es ist peinlich für ihn und den deutschen Fußball."

Letztere Aussage stimmt in jedem Fall. Denn die Auseinandersetzungen warfen ein schlechtes Licht auf die deutsche Funktionärskaste. Wie so oft bei Konflikten um Macht und Eitelkeiten, ist schwer zu bewerten, wo die Malaise ihren Anfang nahm. Zwanziger hat sich jedenfalls seit seinem freiwilligen Rücktritt als DFB-Chef im Herbst 2011 sehr schnell isoliert und Kontakte radikal abgebrochen.

Seinen höchsten Beliebtheitswert hatte er beim traurigsten Anlass erreicht. Bei der Trauerfeier für Robert Enke nach dessen Suizid im November 2009 fand Zwanziger bei einer umfassenden Rede den richtigen Ton. Gesellschaftliche Verantwortung, soziales Miteinander und respektvoller Umgang mit Minderheiten waren ihm immer eine Herzensangelegenheit. Sein Porträt auf der DFB-Homepage trägt die Überschrift "Mann der Basis".

Doch schon in folgenden Krisenfällen fehlte dem 69-Jährigen der Instinkt - vielleicht auch beseelt von einem übertriebenen missionarischen Aktionismus. Beim Suizidversuch von Schiedsrichter Babak Rafati und besonders beim Umgang mit dem Skandal um die Affäre von Referee-Obmann Manfred Amerell mit Jung-Schiedsrichter Michael Kempter agierte Zwanziger ungeschickt.

In die internationalen Ämter hat es Zwanziger eigentlich nie getrieben. Nun ist der FIFA-Job der letzte, den er abgibt. Ein Hauch Provinzialität haftete dem Mann aus Altendiez aber immer an. Vor dem FIFA-Kongress 2014 mokierte er sich, als die Simultanübersetzung bei einer Pressekonferenz ausfiel, über den "fürchterlichen Akzent" eines britischen Journalisten mit asiatischen Wurzeln - dabei hatte der Mann im besten Oxford-Englisch parliert.

dpa


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