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EINE EINHEIT: So präsentierte sich die Bezirksliga-
mannschaft des TV Badenstedt beim NP-Anstoß vor
der „Nordkurve“ im September.

EINE EINHEIT: So präsentierte sich die Bezirksliga-
mannschaft des TV Badenstedt beim NP-Anstoß vor
der „Nordkurve“ im September.© florian petrow

Badenstedt

7 Fragen zum Wechsel-Wahnsinn

Der Bezirkshammer: Das Fußball-Team des TV Badenstedt will komplett für Kreisligist SF Ricklingen auflaufen - ab sofort (NP berichtete exklusiv). NP-Mitarbeiter Frederik Sommer beantwortet die wichtigsten Fragen zu dem kuriosen Plan.

Hannover. Ist der Wechsel einer gesamten Mannschaft in der Winterpause überhaupt möglich?

„Grundsätzlich ja“, sagt Jan Baßler, der stellvertretende Direktor des NFV. Voraussetzung ist, dass die Spieler sich bis Ende des Jahres bei ihrem bisherigen Verein abgemeldet und die Freigabe zum Vereinswechsel von ihrem bisherigen Verein erhalten haben. Bis zum 31. Januar müssen die Vereinswechsel-Anträge nebst Spielerpass mit Freigabevermerk und Angaben zum Abmeldedatum in Barsinghausen sein: „Wenn sich beide Vereine einigen, stünde einem sofortigen Wechsel nichts im Wege.“ Das gelte für den Wechsel der Badenstedter Mannschaft nach Ricklingen und umgekehrt: „Bislang liegen hier aber keine Anträge vor.“ Nur wenn sich die beteiligten Vereine nicht über einen Wechsel einigen sollten, droht den Spielern eine sechsmonatige Sperre.

Badenstedt spielte in diesem Jahr schon unter anderem beim Hallenturnier in Pattensen. Ein Problem?

„In diesem Fall hätte der Verein für die bereits abgemeldeten Spieler eine Gastspiel-Erlaubnis beim Fußball-Bezirk Hannover beantragen müssen“, erklärt Baßler. Wenn das nicht geschehen sein sollte und die Spieler nichts davon wussten, käme auf den Verein eine Geldstrafe zu: „Auswirkungen auf den sofortigen Wechsel hat das aber in der Regel nicht.“ Wie Trainer Karsten Poerz gestern sagte, „waren nur Spieler der zweiten Mannschaft dabei, keiner von denen, die wechseln werden“.

Wie gehts in Ricklingen weiter?

Badenstedts Trainer Poerz unterschrieb einen Vertrag bei den Sportfreunden bis Juni 2016, Manager Peter Reintjes gar bis Juni 2018. „Wir wollen Kontinuität und langfristig etwas aufbauen“, sagt Reintjes. Auch die Hälfte der insgesamt 18 Spieler, die von Badenstedt nach Ricklingen wechseln, sollen langfristige Amateurverträge erhalten. „Sie sollen nicht bei dem nächstbesten Angebot den Verein wechseln“, meint Poerz. Benan Ekinci hat sich als einziger Spieler noch etwas Bedenkzeit erbeten.

Was, wenn in Ricklingen der Erfolg ausbleibt und Spieler und Verantwortliche weiterziehen sollten?

„Natürlich kann man nicht in die Menschen hineingucken“, sagt Hans-Dieter Maetz. Aber der erste Vorsitzende der Sportfreunde hat nach den Gesprächen mit Poerz und Reintjes ein gutes Gefühl. „Angst wäre der falsche Begleiter“, so Maetz. Nach den intensiven Verhandlungen habe er „großes Vertrauen in das Projekt“ gewonnen. Dass die bisherige Mannschaft und ihr Trainer, die sich nach den sportlichen und wirtschaftlichen Schwindelanfällen der Vergangenheit gefunden und mit Platz vier eine gute Hinserie gespielt haben, verprellt und komplett ausgetauscht werden könnten, stört ihn nicht. „Darauf können wir keine Rücksicht nehmen“, so Maetz, „am Ende geht es im Fußball um die Leistung - und nichts anderes.“

Wie reagiert der TV Badenstedt?

„Ich habe das aus der Zeitung erfahren“, sagt Ralph-Henry Aschoff. Der überraschte Vorsitzende findet, dass das „nicht die feine Art“ ist. Traurig ist er aber nicht, dass die Spieler den Verein verlassen. „Wenn sie gehen wollen, sollen sie gehen“, poltert Aschoff, „das sind Söldner, die nur dem Geld folgen.“ Er betont noch einmal ausdrücklich, dass sie vom Verein kein Geld bekommen haben: „Das ist ohne Kenntnis des Vereins passiert.“ Aber: Bei den wechselwilligen Spielern stehen noch Vereinsbeiträge in Höhe von knapp 2000 Euro aus. „Erst wenn die bezahlt sind, kriegen die Spieler die Freigabe von uns“, so Aschoff.

Wie geht es für Badenstedt in der Bezirksliga weiter?

Nach heutigem Stand wäre die Abmeldung der Mannschaft vom Spielbetrieb die erste Option. „Aus sportlichen Gründen würde alles andere keinen Sinn machen“, so Aschoff. Aber hinter den Kulissen wird bereits an einem spektakulären Wechsel gearbeitet. Wie die NP erfuhr, soll die gesamte Mannschaft der Sportfreunde Ricklingen samt Trainer Dzenan Dzankovic im Gegenzug nach Badenstedt wechseln. Mit sofortiger Wirkung. „Aber nur unter den Bedingungen des Vereins“, bestätigte Aschoff. Heißt im Klartext: Die Spieler zahlen ihren Vereinsbeitrag und bekommen kein Geld dafür, dass sie in Badenstedt Fußball spielen.

Wie reagiert der HSC?

„Glückwunsch zum Titel“, gratuliert Trainer Poerz dem HSC schon mal zur Meisterschaft in der Bezirksliga. Rainer Behrends, Coach des Tabellenführers, will von einer Entscheidung im Titelkampf noch nichts wissen. „Um Gottes willen“, sagt Behrends, der den „Komödienstadl“ nur aus der Entfernung verfolgt. „Abwarten, was für eine Mannschaft da in der Rückrunde auflaufen wird“, so Behrends, „wir konzentrieren uns nur auf uns.“


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