Lässt das Erfolgsteam intakt: Scorpions-Trainer Toni Krinner
Knapp abgewendete Pleite, neuer Coach, ungewohntes Spielsystem und verletzte Leistungsträger: Für den deutschen Eishockey-Meister Hannover Scorpions ist der Auftakt in die neue DEL-Saison ein Start ins Ungewisse. „Wir sind weiterhin nicht in der Lage, Meisterschaften zu planen“, sagte der neue Scorpions-Coach Toni Krinner der Nachrichtenagentur dpa vor dem ersten Saisonspiel am Freitag beim Niedersachsen-Rivalen EHC Wolfsburg. Von der Titelverteidigung will in Hannover nach dem turbulenten Sommer niemand etwas wissen - offizielles Ziel sind die Playoffs.
Beinahe wäre der Meister in der Saison 2010/11 gar nicht dabei gewesen. Scorpions-Eigner Günter Papenburg hatte wegen eines Streits um die Heimstätte TUI-Arena mit der Lizenzrückgabe gedroht und damit auch den neuen Trainer geschockt. Unmittelbar nachdem sich Krinner bei seinem Ex-Club Wolfsburg verabschiedet hatte, wurde er mit der Hiobsbotschaft konfrontiert. „Da dachte ich: Okay, der Kampf beginnt jetzt schon“, sagte der Nachfolger von Meistercoach Hans Zach.
Wie schon im vergangenen Sommer, als die Spieler erst mit einem Gehaltsverzicht für die DEL-Teilnahme des späteren Meisters gesorgt hatten, standen Fans, Trainer, Spielern und Angestellten bange Wochen bevor. „Er hat Tag und Nacht gekämpft“, sagte Krinner über Manager Marco Stichnoth, der die Scorpions künftig unabhängiger von Papenburg machen will.
Der Bauunternehmer, der den Spielbetrieb in Hannover in der Vergangenheit immer wieder mit Millionen-Summen am Leben hielt, hatte gefordert, dass sich die Deutsche Messe AG und das Touristik- Unternehmen TUI an einer neuen Betreibergesellschaft für die TUI- Arena beteiligen. Erst Ende Juli einigten sich die Parteien.
Nicht nur Krinner atmete auf: „Jetzt brauche ich mich damit nicht mehr zu beschäftigen.“ Seitdem herrscht für Hannoveraner Verhältnisse regelrecht Euphorie und Aufbruchstimmung: Die Anzahl von etwa 1000 abgesetzten Dauerkarten aus der Vorsaison wurden in einer Marketingoffensive bislang verdoppelt. Doch für Krinner begann nun erst der eigentliche Job. Sein Plan: Das Spielsystem der Zach-Ära umzustellen.
Der 43-Jährige will die Gegner künftig früher attackieren. „Meine Philosophie ist laufaufwendiger. Diese Umstellung dauert“, sagte Krinner. Allein wegen dieses Prozesses will sich der Tölzer nicht mit den Top-Favoriten Mannheim und Berlin messen, obwohl das Meisterteam der Scorpions fast komplett zusammen blieb und durch Verteidiger Paul Manning aus Hamburg sogar noch verstärkt wurde. „Aber wir haben nicht die Kadertiefe wie Berlin und Mannheim. Nur wenn die beiden straucheln wie zuletzt, können wieder Teams wie wir oder Augsburg ins Finale kommen.“
Neben dem ungewohnten neuen System gehen die Scorpions mit der Hypothek in die neue Spielzeit, die Leistungsträger Tino Boos und Ben Cottreau zunächst ersetzen zu müssen. Vor allem der Ausfall von Kapitän Boos wiegt schwer. „Das könnte eine langwierige Geschichte werden. Auf jeden Fall wird er uns noch fünf Wochen fehlen“, berichtete Krinner über Boos’ Leistenprobleme.
(Carsten Lappe, dpa)