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Reisereporter Nicht ohne mein Hawaii-Hemd
Reisereporter Nicht ohne mein Hawaii-Hemd
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17:13 09.11.2011
Weiße Strände, ganzjährig tropisches Klima: Das liebste Strandurlaubsziel der Chinesen ist die Insel Hainan. Quelle: Pohl
Sanya

Fast könnte man meinen, der Spitzname Hainans habe seinen Ursprung in einem Bekleidungsstück: Als „Hawaii des Ostens“ wird diese Urlaubsinsel Chinas gern bezeichnet, und in der Tat dürften die kunterbunten Hawaii-Hemden eine der Haupteinnahmequellen des örtlichen Souvenirhandels sein. Ganze Busladungen von Touristen tauchen in Sanya ganz im Süden Hainans in diesen auffälligen Trachten auf, mit Vorliebe auch noch in einheitlicher Farbgebung. Aloha, Volksrepublik!

Doch der Spitzname birgt natürlich noch ganz andere Hintergründe. So gegensätzlich die politischen Systeme der beiden Tropeninseln auch sein mögen – Hainan wie Hawaii befinden sich mehr oder weniger entlang des 20. Breitengrades. In beiden Regionen ist es warm und nicht selten schwül. Beide Inseln leben vorwiegend vom Tourismus. Und die beiden großen Touristenstädte – Sanya auf Hainan wie Honolulu auf Hawaii – sind nicht nur von ihrer Strandlage geprägt, sondern auch von eher schlichten hohen Häusern, dichtem Verkehr und einer riesigen Auswahl an Fast-Food-Restaurants. Aber man kommt ja nicht wegen eines Hamburgers in diese Teile der Welt – eher wegen der Natur.

Ein grüner Teppich

Bei Weitem nicht nur Strände sind es, die Hainan so beliebt machen, sondern vor allem der Regenwald. Wer etwa die schmalen, steilen Straßen des Yalong Bay Nationalparks mithilfe eines der überaus flott fahrenden Busse erklommen hat, wird mit einer Aussicht belohnt, die ihresgleichen sucht: Wie ein grüner Teppich zieren Hektar von Pflanzen die Hügel erloschener Vulkane. Durch das ganzjährige Tropenklima gedeihen auf der Insel nicht nur immergrüne Bäume – auch viele Arten exotischer Früchte, wie Kokosnüsse und Melonen sind hier heimisch.

Wer den Regenwald hautnah spüren möchte, kann sich hier auch gleich einquartieren: Im „Bird’s Nest Resort“ des Yalong Bay Nationalpark etwa lassen sich kleine Hütten mieten, die mit allem erdenklichen Komfort ausgestattet sind – internationales Fernsehen und DSL-Internetanschluss inklusive. Dafür müssen Gäste allerdings einen Betrag investieren, den man in Europa eher in den Vier-Sterne-Hotels von London oder Paris erwarten würde: Bei 150 Euro pro Nacht beginnt die recht umfangreiche Palette an Kategorien, nach oben hin geht es weit. Hartgesottene bleiben deswegen bei der Standardhütte, die allerdings nach einer Seite hin offen ist – das bietet zwar Tropenerlebnis pur mit einem traumhaften Blick in die Berge; man sollte jedoch nichts gegen Insekten haben.

Auf die Insel Nanwan Monkey Island kommen die Besucher hingegen gerade wegen der Tiere: Weit mehr als 1000 Makaken-Affen leben hier in freier Natur. Und wer mit der idyllischen Gondelbahn auf das zehn Quadratkilometer große Eiland fährt, kann sogar zwischen ihnen herumspazieren, kann sich mit ihnen fotografieren lassen oder ihnen beim Füttern zusehen. 1965 wurde die Insel zum Naturschutzgebiet erklärt. „Inzwischen zählen wir eine Million Besucher pro Jahr“, freut sich Daj Guo Fu, Vorstandsvorsitzender der Affeninsel. Und es kommen immer mehr.

Auch der Binglanggu-Park hat sich für den Tourismus in Szene gesetzt. Hier treten jedoch Tiere in den Hintergrund, es geht vielmehr um Menschen – um die Ureinwohner Hainans. Die Li und Miao gehören heute zu den chinesischen Minderheiten und leben überwiegend auf Hainan und im Rest des südlichen Chinas. Was zunächst ein bisschen wie Disneyland für fremde Völker daherkommt, vermittelt schnell einen überaus interessanten Einblick in die Geschichte und Kultur der beiden Bevölkerungsgruppen: Die Hütten im Binglanggu-Park sind so gebaut, wie sie wohl schon vor 1000 Jahren existiert haben.

Viele der hier arbeitenden Menschen pflegen dieselben Traditionen wie ihre Vorfahren – was schon mit einem kräftigen „Bulon“ (guten Tag) beginnt, mit dem sie Besucher an jeder Ecke des Parks begrüßen. Gastfreundschaft ist hier oberstes Gebot.

Für einen Plausch jederzeit offen

Auch die Tradition des auffälligen geometrischen Gesichts-Tattoos pflegen die Bewohner bis heute. Alte Damen sitzen vor ihren Hütten, gezeichnet von dunkel tätowierten Linien. Sie weben die typischen bunten Stoffe aus ihrem Kulturkreis und sind für einen Plausch jederzeit offen – wenn man denn ihre Sprache beherrscht.

Denn eines müssen sich Besucher stets bewusst sein: Auf Hainan gilt die chinesische Sprache in Wort und Schrift – selbst mit Englisch kommt man hier oft nicht wirklich weit. Wer auf Nummer sicher gehen will, hält sich an einen Dolmetscher, die sich am einfachsten über die Touristenbüros buchen lassen.

Wenn man von Hainan als Hawaii Chinas spricht, muss man wohl generell die Betonung auf das zweite Wort legen. Die Tropeninsel gibt sich Mühe, ihre traumhafte Natur touristisch zu nutzen. Doch die Transformation zu einem Urlaubsparadies westlichen Vorbilds ist bislang nur punktuell vollzogen. Obwohl die Insel – einst ein Exil für in Ungnade gefallene Staatsdiener aus Peking – bereits 1988 zur Sonderwirtschaftszone ernannt worden ist, um Investoren anzuziehen.

Inzwischen ist vermutlich jede große Hotelkette der Welt mit wenigstens einem Haus in Sanya vertreten, vorzugsweise an den traumhaften Stränden im Süden. Außerhalb der Touristengegenden stößt man aber bis heute schnell auf ein Hainan, das die Tourismuskonzerne noch nicht für sich entdeckt haben; ein Hainan, an dem Infrastrukturprogramme ohne nennenswertes Engagement vorbeigezogen sind und in dem die Straßen eher Schlaglöcher als Asphalt aufweisen. Im ersten Augenblick überraschend – im zweiten sympathisch. Vielleicht macht gerade dieses Maß an Authentizität den Reiz der Insel aus – allen bunten Hawaii-Hemden zum Trotz.

Michael Pohl

Weitere Informationen
www.hainantourismus.de

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