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Reisereporter Mehr als "Rick's Café" in Casablanca
Reisereporter Mehr als "Rick's Café" in Casablanca
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16:14 27.02.2010

Unterschiedlicher können zwei Städte kaum sein: Marokkos Wirtschafts- und Finanzzentrum Casablanca und der Badeort El Jadida haben fast nur die Lage an der Atlantikküste am Nordwestzipfel Afrikas gemein. Als Nachbarn stehen beide Hafenstädte für Urlaubskombinationen mit hohem Erlebniswert. Die Sechs-Millionen-Metropole Casablanca lockt mit Film-Mythos, großer Moschee, Königspalast und kulinarischen Genüssen. Das nur 100 Kilometer entfernte El Jadida protzt mit seinem Weltkulturerbe, schönen Stränden und rassigen Pferden. Auch die kleinere Stadt ist von Casablancas Flughafen aus gut erreichbar.

Als Sam am Klavier "As Time Goes By" spielte, sich Ingrid Bergman und Humphrey Bogart schmachtende Blicke zuwarfen und der Kult-Film mit einer wunderbaren Freundschaft endete, war alles nur Illusion. Tatsächlich wurde "Casablanca" nahezu komplett in Hollywoods Studios gedreht. Vorlage für Rick's Café war das Hotel El Minzah in Tanger. Dennoch gibt es das Café inzwischen auch im realen Casablanca. Sein Anstrich erinnert an den arabischen und spanischen Namen der Großstadt: "Weißes Haus". An der Mauer von Casablancas Medina hat es die ehemalige US-Diplomatin Kathy Kriger stilecht renoviert. Innen erinnern Dekorationen an den Liebesfilm aus der Zeit des Zweiten Weltkriegs. Serviert werden leckere Speisen zu moderaten Preisen. An der Bar ist "Sour Jdid" aus Schottischem Whisky, rotem Wermut und gestoßenen Zitronenscheiben mit prickelndem Mineralwasser der Favorit. Natürlich spielt Issam Chabaa am Klavier immer wieder "As Time Goes By".

Kulinarische Alternativen bieten die Restaurants am Fischereihafen. Schmackhaft und erschwinglich ist das Motto von Le Port de Pêche, dessen Nachbar Ostréa für frische Austern bekannt ist. Vor der Tür ankern die Fischerboote und wird der Fang des Tages verkauft.

Casablanca bietet das höchste Minarett der Welt

Hauptattraktion Casablancas ist die Hassan-II.-Moschee direkt am Meer. Ihr Minarett hält mit 210 Metern Höhe den Weltrekord. Der Gebetsraum mit Fußbodenheizung unter dem marokkanischen Marmor misst 200 mal 100 Meter und fasst 25000 Gläubige. Über deren Köpfen öffnet sich das Moschee-Dach in 65 Metern Höhe automatisch. Deutschsprachige Führungen präsentieren Leuchter aus Murano-Glas und den Männer-Waschraum mit 41 großen Marmorbecken. Auch ein Besuch der von außen unansehnlichen Kirche Notre Dame de Lourdes lohnt sich wegen 800 Quadratmetern Kirchenfenstern aus buntem Glas. In der Grotte vor der Tür entzünden Katholiken heute Kerzen, wo vor dem Bau der Kirche Gottesdienste stattfanden.

Viele kleine Geschäfte in der alten Kasbah offerieren Kunsthandwerk. Auf Casablancas Olivenmarkt verkaufen Großhändler grüne Früchte nach bis zu vier Wochen, die roten werden nach längstens acht Wochen geerntet. Oliven, die länger am Baum gehangen haben, sind schwarz und besonders Öl-haltig. Am nahen Königspalast fasziniert das Eingangs-Tor des Botschafter-Raums. Dessen kunstvoll geschnitztes Holz wurde mit Henna, Indigo, Jasmin, Pfefferminze und Safran gefärbt sowie mit einer Lasur aus Arganöl und Eiweiß konserviert.

El Jadida war zeitweise völlig verfallen

In El Jadida ist der Markt ursprünglich. Die Gassen sind eng, Hühner landen lebendig auf der Waage. Besuchermagnet ist jedoch die portugiesische Hafenfestung Mazagão nebenan. Sie wurde Anfang des 16. Jahrhunderts errichtet und zählt seit 2004 zum Unesco-Weltkulturerbe. Nachdem die Stadt 1580 an die Spanier fiel, hieß sie Mazagan. Lange widerstand die Festung den Angriffen von Berbern und marokkanischen Sultanen, bevor sie 1769 aufgegeben wurde und verfiel. Der Handelshafen für Indien-Schiffe wurde erst 1815 als El Jadida, "die Neue", wiederbelebt und zählt heute 150.000 Einwohner.

Vier von ursprünglich fünf portugiesischen Bastionen sind erhalten und bieten atemberaubende Aussichten auf Stadt, Hafen und Meer. Die Porte de la Mer diente den Portugiesen als Fluchtweg. Ein Händler entdeckte 1916 über 400 Jahre alte Säulen eines zur Zisterne umgebauten unterirdischen Waffenlagers im Altstadt-Zentrum. Orson Welles und Arthur Joffé nutzten den vergessenen Keller als Filmkulisse für "Othello" und "Harem". Zauberhaft spiegeln sich die Gewölbe im Wasser. Nicht weit von der Zisterne ragen die spätgotische Kirche Mariä Himmelfahrt sowie eine Moschee mit fünfeckigem Minarett empor.

Neben der Pferderennbahn am Stadtrand ist das Nationale Gestüt in einem alten Fort untergebracht. Englische, arabische und Berber-Pferde füllen seine weitläufigen Stallungen. Das Gestüt organisiert Reitunterricht und Strandausflüge hoch zu Ross, bei denen das zerbrochene Frachtschiff-Wrack der "Marokkanischen Titanic" zu sehen ist.


Weitere Informationen:
Marokkanisches Fremdenverkehrsamt, Graf-Adolf-Straße 59, 40210 Düsseldorf, Tel. 0211/370551, www.visitmorocco.com.
Dank des milden Klimas ist die Region Casablanca auch im deutschen Winter ein attraktives Ziel. Beste Zeit zum Baden im Atlantik sind die Monate von Mai bis Oktober.

Von Christian Boergen

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