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Aufregende Abfahrten locken: Zauchensee in der Gemeinde Altenmarkt.© Altenmarkt-Zauchensee

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Österreich

Kleine Dörfer, steile Pisten

Zauchensee ist in der Salzburger Sportwelt für seine spektakulären Abfahrten bekannt – dabei zählt der Ort gerade einmal 36 Einwohner.

Kein gemütliches Fahren, keine langen Pausen, hatten wir gefordert. Also kommt Heinz Stohl. Er redet nicht lange, er brettert los. Er nimmt die steilste – die schwarze – Piste so schnell, dass einem der Atem stockt. Dabei windet sich der 63-Jährige geschmeidig zwischen den anderen Skifahrern, als wären sie Fahnen auf einer Slalomstrecke. Heinz Stohl kann das, er kennt die Pisten in Zauchensee wie kein anderer, und er kann im Bruchteil einer Sekunde abbremsen, bevor es brenzlig wird. Wir können das nicht, und deshalb bleiben wir weit hinter ihm. Eins ist sicher: Früher, als Stohl noch Trainer der österreichischen Abfahrtsläufer war und Olympiasieger Franz Klammer Beine gemacht hat, musste er nicht so lange warten.

Jede Menge schwarze Pisten

Mittlerweile richtet Zauchensees Pistenchef selbst Skirennen aus. Der Tempomacher hat sich den richtigen Ort dafür ausgesucht. „Die Abfahrten hier sind für alle, die es sportlich möchten und es richtig krachen lassen wollen“, sagt er und grinst. Zauchensee ist auf 1350 Metern der höchstgelegene Skiort in der Salzburger Sportwelt, zu der auch das familiäre Filzmoos, das gediegene Wagrain und das Après-Ski-Paradies Flachau gehören. Auf seinen Skibergen Gamskogel, Rosskopf und Tauernkar erstrecken sich 88 Kilometer präparierte Pisten, viele davon sind schwarz. In wenigen Stunden haben wir ein Dutzend Lifte genommen. Wenn es doch nur eine Pause gäbe … Doch Stohl nimmt die Gruppe beim Wort. Kein Verschnaufen, es geht auf die Weltcup-Strecke, deren gemütlicher Name „Kälberloch“ nicht so recht passen will: Der viele Jahre nur den Herren vorbehaltene 150 Meter lange erste Pistenabschnitt – den wir auslassen – hat eine Neigung von 72 Prozent. „Selbst Profis kostet die extreme Steigung Überwindung“, sagt Stohl.

So temporeich das Skivergnügen in Zauchensee sein kann, so bäuerlich-romantisch geht es in dem womöglich kleinsten Skidorf der Alpen zu. Lediglich 36 Einwohner zählt die zur Gemeinde Altenmarkt gehörende Siedlung. Hier, in der Nachbarschaft zum Viersternehotel Zentral des Weltcup-Siegers Michael Walchhofer wohnt auch der 86-jährige „Pistenvater“ Benedikt Scheffer. Auf seine Initiative hin nahmen auch fünf weitere Almbauern 1964 Hypotheken auf ihre Häuser auf, um Lifte und Hotels zu bauen. Den ersten Schlepplift gab es in Zauchensee, noch bevor es dort eine Straße gab, der erste Sessellift lädt noch immer zu einer nostalgischen Zweierfahrt ein.

Durchbruch dank Autobahn

Als Zauchensee 1980 den Anschluss an die Tauernautobahn bekam, war das der Durchbruch für das Skivergnügen. Mittlerweile gibt es mehr als 20 Liftanlagen, eine Talstation mit dem Nachbau eines deutschen Leuchtturms und zahlreiche Berghütten. Der 86-jährige Scheffer mischt den Skizirkus noch immer auf: „Wenn wir all seine Ideen verwirklichen würden, wären wir in 100 Jahren noch nicht fertig“, sagt seine Tochter Veronika Scheffer, die als Chefin der Seilbahngesellschaft zu den wenigen Frauen Österreichs in der Branche zählt.

Mit immer neuen Investitionen stoßen die Grundeigentümer aber bald an ihre Grenzen. 20 Millionen Euro hat deren Seilbahngesellschaft gerade für die neue Kabinenbahn und einen Sechsersessellift ausgegeben. Allein die Beschneiungskosten schlagen pro Saison mit mehreren Millionen zu Buche. Stolz sind die Betreiber vor allem auf den „größten Beschneiungsteich der Alpen“, der abseits der Pisten 450 000 Kubikmeter Wasser fasst. Die Wassermenge reiche aus, um alle Zauchenseer Pisten mit einer Grundlage von 30 Zentimeter zu beschneien, sagt die 52-jährige Bergbahnchefin. „Ohne den Schnee aus der Maschine geht nichts mehr.“ Schließlich wollten die 500 000 bis 600 000 Gäste, die pro Saison kommen, perfekte Pisten.

Aber die solide Grundlage ohne Grasnarben ist nur die halbe Miete. In Österreichs größtem Skizirkus Ski amadé, zu dem auch die Salzburger Sportwelt gehört, hat ein regelrechtes Wettrüsten eingesetzt. Immer mehr Liftverbindungen entstehen für noch weitläufigeren Skispaß, die modernen Sessellifte und Kabinen verfügen über Sitzheizungen und getönte Wetterschutzhauben, in vielen Stationen gehören Rolltreppen und Fußbodenheizungen bereits zum Standard – da muss auch das kleine Zauchensee irgendwie mithalten.

Für einen wie Heinz Stohl, der seit zwei Jahrzehnten dieselben „gemütlichen“ Skischuhe trägt, zählt der ganze Schnickschnack nicht. Die Sonne scheint, die Luft ist klar, die Pisten glitzert vielversprechend. „Genug geschwätzt“, sagt er und ist schon wieder weit voraus.


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