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Skagen: Der Leuchtturm ist mit 46 Meter der zweithöchste Dänemarks. Die Einwohner nennen ihn auch den Grauen Turm.© Diers

Dänemark

Jütland – die fünf schönsten Ecken

Karg und kühl, dafür erholsam und entspannt: Unser Autor Knut Diers kennt die schönsten Ecken der dänischen Halbinsel.

Thy – Natur pur

Es ist der erste Nationalpark Dänemarks, 234 Quadratkilometer groß, vor einem halben Jahr mit vielen Festen seiner Bestimmung übergeben. Der Nationalpark Thy besteht aus einem zwölf Kilometer breiten Streifen entlang der traumhaften Naturküste von Agger Tange im Süden bis nach Hanstholm. Thy mit seiner liebenswerten kleinen Hauptstadt Thisted ist so etwas wie das erste Ökoland Europas. Strom und Heizwärme werden durch erneuerbare Energie gewonnen. Die ganze Region ist ein Kohlendioxid-neutrales Gebiet. Thy gilt als Wiege der Windkraft. Thisted erhielt sogar einen europäischen Solarpreis.

Ein Rad-, ein Reit- und ein Wanderweg führen an der Nordseeküste entlang. Alle 15 bis 20 Kilometer findet sich ein Lagerplatz mit Schutzhütte zum Übernachten im Schlafsack. Die Dänen lieben es naturnah und bieten für zwei bis drei Euro die Nacht „Shelter“ an, meist in der Nähe von Bauernhöfen.

In so einem alten Hof bei Svankjær im Süden der Halbinsel wohnt Manfred Müller. Der aus Deutschland eingewanderte Handwerker betreibt Dänemarks kleinstes Sägewerk. Er verbindet die dort verbreitete Kunst des Scherenschnitts mit seiner Fertigkeit, Figuren aus dünnem Sperrholz zu schneiden. Sein Hof ist Treffpunkt der Touristen. Kunst gibt es viel zu bestaunen in Thy. Im selben Dorf hat Kirsten Barlit ihren Skulpturengarten mit allerlei drolligen Zeugnissen ihrer Kunst bestückt.

Vejers – der Strand

Die Strände um den westlichsten Punkt Dänemarks bei Blåvands Huk etwas nördlich von Esbjerg gelten als die schönsten im südlichen Teil der Halbinsel Jütland. Vejers Strand ist noch ein Minidorf mit Bonbonladen und Fischrestaurant. Die Strände lassen sich mit dem Auto befahren, was in Dänemark sehr beliebt ist. Es sind Gebiete für Strandsegler vorgesehen.

Die Halbinsel Skallingen ist das Revier zum Vögel Beobachten. Wer sich da mit dem Fernglas auf die Lauer legt, wird belohnt durch den Anblick Hunderter von Arten. Das nahe Esbjerg – früher ein nach Fisch stinkender Industriehafen mit angeschlossener Einkaufszone – hat sich zu einer munteren Kulturmetropole mit einem Musikhaus von Stararchitekt Jørn Utzon gemausert. Das Fischerei- und Seefahrtsmuseum ist der große Anziehungspunkt für Familien.

Fanø – Insel der Trachten

14 Kilometer Badestrand sind nicht das einzige Argument, sich mit der Fähre in zwölf Minuten auf diese Nordseeinsel übersetzen zu lassen. Der idyllische Reetdachort Sønderho im Süden ist ein Hort der Trachtentradition. Am dritten Julisonntag werden die alten Kleider aus dem Schrank geholt. Da feiern und tanzen die Einheimischen. Der Ort hat ein begehrtes Kunstmuseum der örtlichen Meister, einen der ältesten „Kros“ im Land (das sind königliche Wirtshäuser) von 1722 sowie Restaurants mit örtlichen Lamm- oder Plattfischspezialitäten.

Touristen mögen auch die Fannikertage in Nordby, bei denen am zweiten Juliwochenende die „Heimkehr des Seemanns“ gefeiert wird. In dem Ort hat vor einigen Jahren eine kleine Privatbrauerei geöffnet. In diesem „letzten Brauhaus vor England“ gilt das Bernstein-Bier als Spezialität. Es wird auf dem dort oft an die Küsten gespülten versteinerten Harz gebraut und prickelt auf der Zunge.

Ribe – des Watts wegen

Die älteste Stadt Dänemarks, 710 gegründet, hat in ihren engen Gassen noch 100 denkmalgeschützte Häuser zu bieten. Wer durch die einstige Wikingermetropole streift, findet auch Originelles – etwa den Nachtwächter oder ein Hotel in einem früheren Gefängnis nahe dem einzigen fünfschiffigen Dom Dänemarks. Der rötliche Sandstein zum Bau des Doms wurde von Steinbrüchen nahe der Porta Westfalica aus dem Weserbergland einst dorthin geschafft.

An die alte Wikingerzeit erinnert das sehr spielfreudige örtliche Museum mit lebensgroßen Figuren und einem rekonstruierten Wikingerschiff. Nicht weit entfernt von Ribe befindet sich das Wattenmeercenter. Es informiert eindrucksvoll über das dänische Watt, das in diesem Jahr zum Nationalpark erklärt wird. Eine Milliarde Kubikmeter Wasser sind zweimal täglich innerhalb von zwölf Stunden an der Westküste Südjütlands unterwegs.

Wer das dänische Watt noch näher erleben will, kann gleich hinter dem Museum in einen hochrädrigen Doppelachsanhänger steigen und sich hinter einem Traktor durchs Watt zur 50-Einwohner-Insel Mandø fahren lassen – aber nur bei Ebbe.

Skagen – die Spitze

Da, wo sich Ost- und Nordseewellen treffen, liegt die Spitze Jütlands. Die weit nach Nordost ragende Sandnase ist ein beliebter Treff für Familien. Sie stehen im Wasser und so mit einem Fuß in der Ostsee, mit dem anderen in der Nordsee. Vom Ort aus sind es zwei Kilometer bis dorthin. Wer sich lieber in einen roten Anhänger hinter einem Traktor setzt, fährt vom Parkplatz des Grenen Kunstmuseums aus im „Sandormen“ (deutsch: Sandwurm) zur Spitze und zurück. Der Ort selbst ist quirlig und mondän, gilt als „Sylt Jütlands“ mit viel Natur, wilden Partys und einer langen Tradition als Künstlerkolonie. Das rot leuchtende Haus mit den Ateliers von Anna und Michael Anchers im Markvej 2 – 4 beherbergt die Bilder des Künstlerpaares vom Anfang des 20. Jahrhunderts.

Wer mal auf einem durch den heftigen Westwind sich jährlich fünf bis acht Meter nach Osten bewegenden Dünenungetüm spazieren möchte, besucht die Råbjerg Mile an der Westseite der Spitze. Die zwei Kilometer lange und 800 Meter breite Sandwalze steht unter Naturschutz, denn die Dänen wollen zeigen, wie der ganze Nordzipfel Jütlands im 19. Jahrhundert einmal aussah: wie die Sahara. 80 Kilometer weiter westlich findet sich noch so eine Landschaft, die sogar den Leuchtturm halb verschluckt hat – die Rudbjerg Knude. Dort in der Nähe drehte Tania Blixen Teile des Films „Babettes Fest“ in einer nahe am Abgrund stehenden Kirche.

Adressen auf Jütland

Thy: Thy Turistbureau – Thisted,
Havnen 37A, 7700 Thisted,
Tel. (00 45) 97 92 19 00.
www.visitnorjylland.dk

Vejers: Esbjerg Turistbureau,
Skolegade 33, 6700 Esbjerg,
Tel. (00 45) 75 12 55 99.
www.visitesbjerg.dk

Fanø: Fanø Turistbureau,
Færgevej 1, Nordby, 6720 Fanø,
(00 45) 70 26 42 00.
www.visitfanoe.dk

Ribe: Ribe Turistbureau,
Torvet 3, 6760 Ribe,
(00 45) 75 42 15 00.
www.visitribe.dk

Skagen: Skagen Turistbureau,
Vestre Strandvej 10, 9990 Skagen,
Tel. (00 45) 98 44 13 77.
www.skagen-tourist.dk

Weitere Informationen
Visit Denmark,
Glockengießerwall 2,
20095 Hamburg,
Tel. (0 18 05) 32 64 63.
www.visitdenmark.com


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