Navigation:
Reisen

Ein Streif-Zug durch Kitzbühel

Die Motoren röhren so ohrenbetäubend, dass der Gast im Straßencaf das eigene Wort nicht versteht. 70 Jahre alte Oldtimer verpesten die Luft. Zur Kitzbüheler Alpenrallye ist alles erlaubt.

Kitzbühel. Dann rollen wie jeden Frühsommer vier Tage lang rund 200 Oldtimer von Kitzbühels Altstadt aus durchs Tiroler Umland, ein Wagen schöner als der. Wahre Raritäten. Inzwischen ist es eine der schönsten Classic-Car-Veranstaltungen Europas. Da lässt auch die Dame mit Prada-Täschchen kurzzeitig ihr Blackburry links liegen auf dem Tisch und wendet den Kopf interessiert in Richtung Straße. Fotografen und private Kameras sind im Dauereinsatz.

Kitzbühel, das ist: High Society, Skifahren, Streif

Die Stadt ist Rummel wie diesen gewohnt. Kitzbühel, das ist: internationale High Society, das ist Skifahren und das ist die Streif. Ein Ort für Reiche und Schönen. Stimmt natürlich. Aber auch Normalsterbliche können Spaß haben: im Winter Skifahren, im Sommer Radfahren, Mountainbiken, Wandern und Klettern, Golfen: Allein in der Gamsstadt gibt es vier Greens, 30 weitere im Umkreis von 100 Kilometern. Alles vor traumhafter Kulisse: Grüne Wiesen, sattes Gras, schroffe Gipfel - und Serpentinen, wie sie sich jeder ambitionierte Motorsportler wünscht. "Wir verstehen uns als Sportstadt", sagt der Stadt- und Bergführer Pepi Treichl.

Hohe Promidichte ist kein Zufall

Treichl ist ein wandelndes Lexikon: Immer wieder stoppt er abrupt und gibt etwas über den Grabstein, den Turm oder das alte Gemäuer zum Besten. Er sagt, dass der Ort seinen Namen der Sippe der "Chizzos" verdankt, und nicht wie landläufig angenommen von der Gams ("Kitz"). Chizzo wird kombiniert mit der Lage auf dem "Buehel", also dem Hügel. "Es ist kein Zufall, dass Reich und Schön hier leben", sagt Pepi Treichl. Er holt aus: Der bayerische Herzog Ludwig II. verleiht Kitzbühel 1271 das Stadtrecht von München. Bis in die Mitte des 17. Jahrhunderts hinein lebt der Ort vom Silber- und Kupferbergbau, wird dabei so reich, dass die Bewohner fünf Kirchen bauen können. Doch dann ändern sich die Zeiten: Die Bergwerke machen dicht, Kitzbühel versinkt mit seinen paar ärmlichen Bergbauern in der Bedeutungslosigkeit. 1928 bauen die Kitzbüheler die erste Seilbahn in Österreich. Die Schwebebahn auf den Hahnenkamm verschafft den Skifahrern aus Kitzbühel einen enormen Wettbewerbsvorteil , sagt Pepi: "Sie müssen nicht stundenlang aufsteigen für eine Abfahrt im Tiefschnee, sondern sie können Skifahren richtig trainieren."

Zum ersten Mal Ski gefahren wurde in Kitzbühel 1893 - der Ort feiert gerade 120 Jahre Skitourismus. Das erste Hahnenkammrennen fand 1931 statt. Das zieht den Geldadel an. Der Prinz of Wales verbringt einen Urlaub in den 1930ern in Kitzbühel. Zurück auf der Insel schwärmte er von der Schönheit der Kitzbüheler Grasberge. "Dem hat's gefallen bei uns", sagt Treichl. Zwischen 1956 und 1958 gewinnt Toni Sailer viermal, davon zweimal die Königsklasse. Damit beginnt die zweite Epoche, der Aufstieg Kitzbühels zum Skiort für die Prominenten, die Reichen, die Schönen. Toni Sailer ist in Österreich der "Sportler des 20. Jahrhunderts". In Japan gilt er bis heute als berühmtester Österreicher nach Mozart.

120 Jahre Skitourismus

Beim Gang durch den Ort fällt auf: Viele pastellfarbene Tirolerhäuser. Fast jedes Haus trägt Satteldach und beherbergt unten Schaufenster mit all den schönen Dingen, von denen Gala-und Bunte-Kolumnisten gern berichten: Bogner, Louis Vuitton, teure Trachtenmode. Trachtenmode wie sie etwa Schneider Franz Prader in der Josef-Herold-Straße macht. Bei ihm hat sich Romy Schneider schon ein Dirndl maßschneidern lassen. Sean Connerys Maße hat Prader ebenso wie die vieler anderer internationaler Promis. "Ein Anruf reicht und der Franz macht sich an die Arbeit", erzählt Pepi Treichl. "Die müssen noch nicht mal zum Abmessen einfliegen."

Kitzbühel hat 9.000 Gästebetten und 8.500 Einwohner. Vor allem für die schicken Münchner ist "Kitz" ein Vorort. Sind ja nur zwei Autobahnstunden dorthin. Das Gipfelpanorama aus Wildem Kaiser, Kitzbüheler Horn sowie Hahnenkamm strahlt noch schöner als die bayerischen Berge. Um Touristen zu sich zu holen, verkaufen Kitzbüheler jede Menge Events: Sie veranstalten Skirennen, Golf- und Tennisturniere, ein Jazzfestival, die Oldtimer-Alpenrallye, Fackellauf & Feuerwerk, Almabtrieb und das große Jahreskonzert von Hansi Hinterseer.

"Eines aber verkaufen wir in Kitzbühel nicht: uns selbst", sagt Treichl. Deshalb sind die Kitzbüheler abends in Wirtshäusern unter sich, trinken Bier, spielen Karten und hören Zithermusik. Nicht weil die Touristen das mögen, sondern weil sie es seit jeher so kennen. Solche Wirtshäuser sucht man in St. Moritz und in den Skiorten der französischen Alpen vergeblich. Kitzbühel ist anders. Pepi Treichl nennt es: "a Aura."

dapd


Anzeigenspezial

Auf Tour - Reisetipps für den Urlaub zwischendurch
Auf Tour - Reisetipps für den Urlaub zwischendurch

Entdecken Sie die schönsten Urlaubsziele! Lassen Sie sich zu interessanten Reisen inspirieren. Wir geben Tipps vom Havelland...

Anzeige

Zimmer mit Aussicht

Buntes Himmelsschauspiel: Ballons in Form von Vögeln, Bienen und Hydranten, die über dem Parliament Hill schwebten, entdeckte Sigrid Berlin am Morgen des 1.September beim Blick aus ihrem Hotelzimmer im Westin Ottawa. „Kanada feierte an diesem Wochenende den Abschied vom Sommer“, berichtet die Pattenserin.

zur Galerie

Schicken Sie uns Ihr Traumbild!

Auch Sie, liebe Leser, haben im Urlaub die Aussicht aus Ihrer Unterkunft genossen? Schicken Sie uns ein Foto!

Ihre Region
° °
%
km/h
° °
%
km/h
° °
%
km/h
° °
%
km/h

Reisekatalog bestellen

Aktuelle Reisekataloge

Ein gelungener Urlaub will geplant sein. Hier finden Sie die richtigen Informationen für Ihre Traumreise. Fordern Sie noch heute gratis die neuen Reisekataloge an.

Leserreisen

Leserreisen

Kreuzfahrt in der Karibik, Städtetour durch die Toskana oder Busreisen in Deutschland - die Leserreisen von NP und HAZ bieten für jeden Anspruch genau das Richtige.